Die positive Kraft der Gedanken

Studien haben gezeigt: Glückliche Menschen werden weniger krank Studien haben gezeigt: Glückliche Menschen werden weniger krank
pixabay

Durch Visualisierung Situationen und Krankheiten günstig beeinflussen

Das ist nicht zu schaffen: Kinder in die Schule bringen, einkaufen, noch zwei andere Termine wahrnehmen, ein Projekt abschließen, noch dazu kündigt sich ein Schnupfen an. Unmöglich, da noch die Post unterzubringen. Was für ein Druck, alles viel zu viel, schrecklich. Da sind sie schon wieder, die Gedanken.

Zwar nur Gedanken, doch haben sie ungeahnte Macht über das Empfinden. Schon das unentwegte Kreisen darum verursacht Stress und erhöht die Herzfrequenz. Bei Stress schüttet die Nebenniere das Stresshormon Cortisol aus. Es ist lebensnotwendig, da es dem Körper kurzfristig als wichtiges Schutzschild gegen Belastungen und Entzündungen dient, ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann jedoch schädlich sein. Alles beginnt im Kopf, der Stress einschließlich der Lösung.
Da das Gehirn keine Einbahnstraße ist, ermöglicht es ebenso gut, mental zu entspannen. Die positive Kraft der Gedanken lässt Schmerzen abflauen, ermöglicht ein tiefes Ein- und Ausatmen und beeinflusst Herzschlag und Hirnströme. Tiefes und langsames Atmen regt den Vagusnerv an, der für Entspannung sorgt. Herz und Hals enthalten Barorezeptoren, die den Blutdruck erkennen und das neuronale Signal an das Gehirn weiterleiten, welches dann den Vagusnerv aktiviert. Dieser kommuniziert mit dem Blutdruck und kann die Herzfrequenz senken. Und durch Visualisierung – durch bildhaftes Denken – kann man Situationen und Krankheiten günstig beeinflussen.
Die Medizin entdeckt diese alte esoterische Praktik als Wundermittel im Kopf. Statt Angst vor dem Scheitern in einer Situation im Kopf zu durchleben oder sich die Verschlechterung der Krankheit vorzustellen, lieber bewusst einen erfolgreichen Verlauf visualisieren. Besonders günstig ist anscheinend, dass im Laufe der Zeit, in der die Gedanken und Visualisierungen bewußt eingesetzt werden und die verlangsamte Atmung geübt wird, die Kontrolle über sich selbst zurück kommt. Der Kopf mit seinen Gedanken ist wieder im Griff, was eine Stimmungsaufhellung zur Folge hat. Das wiederum hat eine stärkende Wirkung auf das Immunsystem.
Es geht dabei nicht um unrealistisches „positives Denken“, und auch nicht um irgendwelche magischen Praktiken, sondern um den ganz alltäglichen Zusammenhang zwischen den Gedanken und dem Fühlen und Handeln. Heißt das, dass glücklichere Menschen gesünder sind? Es steht durch verschiedene medizinische Studien fest: Glückliche Menschen werden weniger krank. Dass Immunsystem und Gedanken, genauer gesagt die Psyche, eng verknüpft sind, ist keine neue Erkenntnis. Wenn es einem über längere Zeit psychisch schlecht geht, leidet auch das Immunsystem. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn es einem über längere Zeit gut geht, eine bejaende Stimmung mit optimistischen Gedanken vorherrscht wird die Gesundheit dadurch gestärkt.
Die WHO definiert Gesundheit folgendermaßen: „Der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“. Hier kommt noch ein wesentlicher Aspekt hinzu, der Soziale. Das eigene und das gemeinschaftliche soziale Gefüge mit Hinsicht auf Glück, ruhigem Gemüt und Lebenszufriedenheit trägt auch zum Gesund bleiben bei. Somit entwickelt sich auch eine gedankliche Verantwortung den Menschen gegenüber, da Gedanken die Realität, die Gefühle, die Wahrnehmung, das Verhalten und folglich das gesamte Leben beeinflussen.
Manchmal müssen vor allem die Gedanken ausgesprochen und therapeutisch begleitet werden, die eine negative und gesundheitsschädliche Macht haben. Das lohnt sich auf jeden Fall, da es uns zu freieren und gesünderen Menschen machen kann.

Barbara Seubert
(erschienen in Ausgabe 44, November 2020)

Anzeigen