Blickpunkte zur Astrologie

"Tierkreismann", astrologische Darstellung aus einer mittelalterlichen Handschrift "Tierkreismann", astrologische Darstellung aus einer mittelalterlichen Handschrift

Bewegung der Gestirne im Bezug zum Menschen

Astrologie ist heute so populär und gleichzeitig so missverstanden wie nie zuvor. Die unterhaltsamen Pauschalaussagen der Zeitungshoroskope haben an beidem ihren Anteil. Um sich  über Funktionalität und Bedeutung seriöser Astrologie ein Urteil bilden zu können, kommt man  nicht umhin, sich eingehender mit dem System zu befassen. 

Die ersten Quellen der Astrologie gehen auf die alten Sumerer im 3. Jahrtausend v. Chr. zurück. Seither haben sich Astronomen und Sterndeuter immer wieder mit diesem Mikrokosmos im Makrokosmos beschäftigt, um im Blick auf die Gestirne die kosmischen Gesetzmäßigkeiten zu ergründen und  in der Bewegung der Gestirne im Zusammenhang  mit irdischen Ereignissen einen tieferen Sinn zu erkennen. In der Beobachtung der Himmelskörper waren einstmals Astronomie und Astrologie untrennbar eine Einheit. Erst  in der Zeit der Aufklärung und mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften erfolgte  die Spaltung dieser beiden ursprünglich eng miteinander verknüpften Bereiche. Weil einzig die Bewegung der Gestirne für die as­trologische Symbolik ausschlaggebend ist, spielt es keine Rolle, dass die Astrologie nach wie vor mit dem geozentrischen Weltbild arbeitet. Der Zeitfaktor ist ein wichtiges Kriterium der astrologischen Sichtweise, die den Fokus auf den Startpunkt eines Geschehens legt. Eine Horoskopdarstellung bezieht sich immer auf den Beginn einer  Entwicklungsmöglichkeit, punktuell ausgehend von einer bestimmten Örtlichkeit. 

Jede individuelle Horoskopdarstellung zeigt zeigt nach Auffassung der Menschen, die damit arbeiten, das Energiepotenzial, das der Einzelne beim Eintritt in dieses Leben mitbringt und das für sein ganzes Leben richtungsweisend ist. Diese Struktur ist  die Anlage, die im individuellen Horoskop als eine Art persönliche Lebenslandkarte vorgegeben ist, aber es ist die persönliche Freiheit jedes Einzelnen, was er aus seiner Anlage macht. Es liegt am Menschen selbst, ob und wie er die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nützt, um aus den Schwächen Stärken zu machen. 

Astrologische Beratung kann hilfreich sein, die eigenen Basis­anlagen besser kennen und verstehen zu lernen, aber sie liefert keine fertigen Lösungen, keine fixen Prognosen oder Patentrezepte, welche die eigene Entscheidungsfreiheit und Selbstverantwortung ausschalten. Aber wertvolle Hinweise und Denkanstöße können Wegweiser sein zur Selbstfindung, zu mehr Krea­tivität, Verantwortung und Freiheit. Die Astrologie kann ein nützliches Instrument sein, Auskunft über die aktuelle Zeitqualität zu geben und wie der Einzelne in diese und in die Beziehung zu Partnern und Mitmenschen eingebunden ist. Der Deutungsradius seriöser Astrologie ist heutzutage äußerst vielschichtig und reicht in psychologische Bereiche. Die Symbolik kann auf verschiedene Arten gedeutet werden, was von der Herangehensweise des jeweiligen Astrologen abhängt. Die Astrologie unterscheidet zwei Hauptbereiche: die Mundanastrologie und die Individualastrologie. Im mundanen Bereich geht es um Orte, Länder, Staaten und globales Geschehen. Im Individuellen betrifft die Deutung der astrologischen Symbole den einzelnen Menschen, seine körperliche, seelisch-geistige Struktur, sein Entfaltungspotenzial und seine persönlichen und gesellschaftlichen Ziele. 

Das Jahr 2020 ist astrologisch bedeutsam. Es beinhaltet eine Konstellation, die zuletzt im Jahr 1517 zur Zeit der Reformation exakt identisch war und sich nur zweimal pro Jahrtausend genau so wiederholt. Das bedeutet, dass im Moment eine energetische Zeitenwende erfolgt, deren Themenschwerpunkte sich bis in die nächsten 30 bis 50 Jahre erstrecken.            

Elisabeth Aumiller
(erschienen in Ausgabe 42, März 2020)

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