Heraus aus den Versagensängsten

Aufgrund bestimmten Kindheitserfahrungen entwickelt sich ein geringes Selbstwertgefühl Aufgrund bestimmten Kindheitserfahrungen entwickelt sich ein geringes Selbstwertgefühl
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Durch Liebe zu sich selbst ein Leben voll innerer Freiheit finden

Der Alltag präsentiert viele Herausforderungen, täglich müssen viele Entscheidungen getroffen werden. Kleinere geschehen zum Teil unbewusst, bei größeren Entscheidungen kann der Atem schon mal ins Stocken geraten. Unruhe macht sich breit, verursacht durch unbewusste Angst. 

Es ist die Versagensangst, den Herausforderungen des Lebens nicht standhalten zu können – eine „erlernte“ Angst. Aufgrund bestimmter Kindheitserfahrungen entwickelt sich ein geringes Selbstwertgefühl und damit einhergehend der Anspruch, perfekt zu sein. Folge ist ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung. Es führt zur Angst vor Ablehnung. Sätze wie „Ich bin nur liebenswert, wenn ich gute Leistung bringe“, oder „Ich werde nur akzeptiert, wenn ich perfekt funktioniere“, schwirren im Kopf her­um. Ständiger Druck entsteht, den Perfektionismus aufrecht zu erhalten. Der Körper – als Barometer der Seele – meldet sich. Durch das Untersagen, seine ureigenen Bedürfnisse leben zu dürfen, stellt sich innerlich Ohnmacht ein. Aus Angst, eine Situation nicht zu meistern, folgt ein Rückzug. Man erlaubt sich nicht mehr, Entscheidungen für sich zu treffen. Fehler und Misserfolge bleiben negativ im Gedächtnis. Die Erwartungen an sich selbst und die der Aussenwelt werden immer höher. Folge ist ständige Überforderung. Atemnot, Herzrasen, massive Verspannungen der Muskulatur, Schlafstörungen u.v.m. können daraus resultieren. Die Psyche reagiert darauf oft mit Depressionen oder Burn-Out.

Versagensangst hat in den meisten Fällen ihren Ursprung in der Kindheit. Oft wird sie auf mangelnde Anerkennung durch die Eltern und Missachtung in der Erziehung zurückgeführt. Kinder lernen, dass sie verstoßen werden, wenn sie den Erwartungen im Außen nicht entsprechen. Oder sie fühlen sich minderwertig, hässlich, dumm – kurz: nicht liebenswert. Ein Kind ist völlig abhängig von der Zuwendung der Eltern. Ablehnung wird immer als ein „im Stich gelassen und verstoßen werden“ empfunden. Dies kommt für ein Kind gefühlsmäßig einem Todesurteil gleich. Negative Erfahrungen aus der Kindheit führen dazu, dass sich eine Einstellung entwickelt, die beim Erwachsenen für die Angst vor Ablehnung und vor Versagen verantwortlich ist. Minderwertigkeitskomplexe sind nur eine der Folgen. Selbstwert und die Lebensfreude sinken dann ständig weiter in den Keller. 

Doch es gibt einen Weg in die Freiheit. Wenn der Mensch bewusst seine Vergangenheit nochmals anschaut, werden diese Abhängigkeiten schnell klar. „Sind die alten Prägungen und Glaubenssätze für mich noch die Wahrheit? Nein! Was habe ich in meinem Leben schon alles geschaffen! Welches Schicksal habe ich mit Erfolg gemeistert!“ Das „Aufräumen bei sich zuhause“ geht nicht von heute auf morgen. Der Start dazu kann beispielsweise in speziellen Seminaren über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgen – in Gruppenarbeit ist es oft leichter und macht mehr Freude. Kleine Erfolge geben immer mehr Selbstvertrauen, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Fehler gibt es nicht, sondern das sind wichtige Erfahrungswerte, aus denen der Mensch lernt. 

Dieser Selbst-Bewusstwerdungs-Prozess stärkt das Selbstwertgefühl. Nur wer sich traut, sich selbst die Anerkennung für seine Leistungen geben zu dürfen, wird innerlich wirklich frei und unabhängig vom Außen. Nur die eigene Anerkennung ist es, die Stolz und Anerkennung wachsen lässt. So kann eine Versöhnung mit sich selbst stattfinden, alte Wunden können heilen, seelisch und auch körperlich. Der Genesungsprozess kommt in Gang. Die Liebe zu sich selbst ist ein ewig bleibender Wert. Durch Selbst-Achtung, entsteht ein ganz neues Lebensgefühl – heraus aus den Versagensängsten und hinein in die innere Freiheit.

Marianne Prams
(erschienen in Ausgabe 39, März 2019)

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