König und Königin der Düfte

Weihrauchbaum im Oman Weihrauchbaum im Oman
Foto: Vielhauer

Weihrauch und Myrrhe mit vielseitigen Anwendungsmöglichketen

Der Weihrauchbaum ist der „König“ in der Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae). Weihrauchbäume wachsen ausschließlich auf dem sogenannten Weihrauchgürtel in wüstenähnlichen Regionen. Weihrauch wurde in biblischen Zeiten mit Gold aufgewogen und war überaus kostbar. 

Analog dazu ist der Myrrhenbaum (Commiphora) die „Königin“ innerhalb der Familie der Balsambaumgewächse. Der botanische Name der Myrrhe lautet Commiphora myrrha (aus Somalia) und Commiphora abyssinica (aus dem Jemen und dem Oman). Die höchste Qualitätsstufe von Weihrauch aus dem Oman heißt Boswellia sacra, first premium quality select. Diese ist gut geeignet zur Herstellung einer Weihrauchsalbe und optimal zum Räuchern. Echten Weihrauch kann man an der botanischen Bezeichnung mit dem Zusatz „100% naturrein“ erkennen. Ist diese Kennzeichnung nicht vorhanden, ist davon auszugehen, dass es sich um ein Aromagemisch handelt.

In der südarabischen Volksmedizin wurde das Weihrauchharz gekaut, um Zahnfleisch und Zähne zu stärken und als Vorbeugung gegen Mundgeruch. Das Harz soll auch bei Verdauungsproblemen, Gelenkschmerzen, Rheuma, Harnwegsinfektionen und bei Nierensteinen helfen. Hierzu wurde das Harz ebenfalls gekaut oder einige Harztränen in ein Wasserglas gegeben, das über Nacht stehengelassen und am nächsten Tag dann getrunken wurde. Die in Wasser gelösten Gummianteile des Weihrauchharzes sollen auch ein gutes Mittel gegen Vergesslichkeit sein. Des weiteren wurde das Weihrauchharz in heißer Milch aufgelöst und zur Linderung bei starkem Husten angewandt. Aus zerstoßenem Harz wurden Salben und Öle in Verbindung mit Olivenöl hergestellt, zur Behandlung von Hautkrankheiten, Beulen, Geschwüren, Wucherungen und Knochenbrüchen. Neben der oralen Verabreichung wurde der betroffene Bereich mit einer Weihrauchsalbe eingerieben. Das Verräuchern von Weihrauchharz wurde unter anderem zur Behandlung von Lungenleiden und Bronchitis angewendet.

In der europäischen Volksheilkunde empfahl Hildegard von Bingen Rezepte von Räuchermitteln mit Weihrauch zur Behandlung von Nervenleiden, Bronchitis und zur Schleimlösung. Des weiteren schrieb sie, dass Weihrauch die Augen erhelle und das Gehirn reinige bei starken Kopfschmerzen. 

In der heutigen Zeit wurde Weihrauch an der Universität Tübingen wissenschaftlich erforscht. Demnach können Boswelliasäuren im Weihrauchharz als Hauptwirkstoffe an zentraler Stelle in Entzündungsprozesse eingreifen. Dies erklärt den sensationellen Erfolg bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Rheuma, Asthma bronchiale, Psoriasis, Multiple Sklerose und viele andere. 

Myrrhe wurde im 19. Jahrhundert gegen eine Vielzahl von Leiden und Erkrankungen, von Husten bis zu schlechtem Atem, Würmern und Tripper verabreicht. Wegen ihrer adstringierenden und desinfizierenden Wirkung findet man Myrrhe heute in Zahnpasten und Mundspülungen. Myrrhetinktur wird zur Behandlung von Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut empfohlen sowie bei Husten und Asthma. Desweiteren kann sie bei Entzündungen und Infektionen im Darm, Reisedurchfall, Lippenherpes, Menstruationsbeschwerden, Pilzbefall, Bronchitis und zum Stillen von Blutungen verwendet werden.

Beim Verräuchern von Weihrauch und Myrrhe gelangen die Wirkstoffe in die Raumluft und können so Räumlichkeiten von Krankheitskeimen reinigen. Beim Einatmen gelangen die Wirkstoffe über die Blut-Hirn-Schranke in einem Sekundenbruchteil ins menschliche System und können so auch innerlich wirken. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, daß nur 100% naturreine Rohstoffe verräuchert werden, um eine optimale Wirkung zu erreichen.                             

Gerda Maria Vielhauer
(erschienen in Ausgabe 38, November 2018)

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