Verzeihen und Vergebung

Ein offenes, mitfühlendes und verständnisvolles Herz zueinander führt die Menschen in der Liebe zusammen Ein offenes, mitfühlendes und verständnisvolles Herz zueinander führt die Menschen in der Liebe zusammen
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Befreiung erleben durch Auflösen negativer Verstrickungen

Der Mensch sehnt sich nach innerem Frieden, Harmonie, Anerkennung und Liebe. Doch häufig ist das Leben durch Groll, Hass, Wut und Ärger emotional negativ beeinflusst. Alte Verletzungen durch Mitmenschen oder Verletzungen, die man sich selbst zugefügt hat (zum Beispiel durch angelernte Glaubenssätze) lasten tief im Herzen. Rückzug, Ohnmacht, Angst (nicht „richtig“ oder nicht gut genug zu sein) machen sich breit.

Ein Leben in Freiheit und Lebensfreude ist somit stark eingeschränkt. Ein ständiges Gedankenkarussell wie z.B. „der hat“, der müsste“…, geistert im Kopf herum. Es führt vom eigentlichen Thema der Verletzung soweit weg, bis eine unwahre Geschichte entsteht. Der Mensch befindet sich wie in einem Hamsterrad der Gedanken, das viele falsche Verstrickungen knüpft, um „Recht“ zu bekommen. Dadurch entsteht – unbewusst – ein innerer Druck, keine Fehler machen zu dürfen. Dabei gilt es zu bedenken: Jede Verletzung hat ein Opfer und einen Täter, also zwei Beteiligte, die gemeinsam ein Problem lösen können.

Der Weg, energetische negative Verstrickungen zu lösen, geschieht über Verzeihen oder Vergeben. Dies kann bei manchen Verletzungen sehr schwer sein. Zum einen, weil durch die Erfindung der Geschichten zum Thema der Verletzung nur noch die Geschichte aufrecht erhalten wird und das eigentliche Entstehungsthema nicht mehr gesehen wird, oder das Erlebte ein altes Trauma weckt und mit dem aktuellen neuen Thema verknüpft. Verzeihen und Vergeben birgt in sich einen feinen Unterschied. Verzeihen-„ (zeihen)“ ist eine alte Bezeichnung für „beschuldigen“. Ver-zeihen bedeutet demnach das Gegenteil einer Beschuldigung. Eine Anklage oder Bezichtigung wird zurückgezogen. Aber das Thema bleibt weiterhin im Raum stehen. Es wird allerdings ohne ständigen Groll angenommen, auch wenn es nicht gelöst oder vergessen werden kann. Der Mensch ist willig, zu verzeihen, kann aber den verbundenen Schmerz mit diesem Thema noch nicht verarbeiten und im Herzen fühlen. Vergeben hat mit „geben“ zu tun, also mit Gabe. In diesem Fall zieht der „Anklagende“ die Anklage der Schuld zurück. Der Betroffene wird freigesprochen. So geschieht wahre Vergebung tief im Herzen. Ein schwierigerer Akt ist es, sich selbst zu verzeihen. Ein tägliches „sich selbst Verurteilen“ und die Ablehnung zu sich selbst und dem eigenen Leben gegenüber verursacht, dass der Mensch sich in seinem Inneren ständig selbst bekämpft. Man ist sozusagen Opfer und Täter zusammen. Die Fehler und deren Konsequenzen machen es schwer, sich selbst zu verzeihen. Eines der größten Probleme, sich selbst nicht verzeihen zu können, ist das Schamgefühl.

Fehler aus der Vergangenheit, die durch Entscheidungen entstanden sind, weil man es nicht besser wusste, bedürfen keiner Verzeihung. Denn Menschen sind auf der Erde, um Erfahrungen zu machen, aus denen sie lernen können. Nur so bekommt man die Erkenntnis, diesen Fehler nicht noch einmal zu machen. Aber Handlungen, die man absichtlich und wissentlich falsch macht, bedürfen einer Verzeihung. Jemanden ohne ehrliche und wahre Gefühle um Verzeihung zu bitten, wird keine Befreiung bringen. Wie oft im Leben entschuldigt man sich, weil man gelernt hat, es einfach gedankenlos auszusprechen. Aber tief im Innern geschieht nichts. Der Schmerz kann ohne „Gefühle wirklich zu fühlen“ nicht heilen.

Geschieht Verzeihen und Vergebung wirklich über das Fühlen, dann lösen sich energetische Verstrickungen. Mitgefühl und Verständnis zum Mitmenschen kann wahrhaftig gelebt werden. Ein offenes, mitfühlendes und verständnisvolles Herz zueinander führt die Menschen in der Liebe zusammen.

Je mehr der Akt des Verzeihens und Vergebens gelebt wird, umso freier wird der Mensch.            

Marianne Prams
(erschienen in Ausgabe 36, März 2018)

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