Gerda Maria Vielhauer

Gerda Maria Vielhauer
© Vielhauer

Im Einklang mit Mutter Erde

Eine Chiemgauerin setzt altes Wissen in den Bezug zur heutigen Zeit 

Das Leben der Menschen früherer Epochen war in großen Teilen vom Jahreslauf in der Natur beeinflusst. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass manche Feste und Traditionen auf uralten Wurzeln fußen. Gerda Maria Vielhauer aus Eggstätt besinnt sich auf historische Zusammenhänge. Ihr „Erdmuttergarten“ spiegelt Wissen unserer Vorfahren wider.

Seit ungefähr 25 Jahren befasst sie sich mit dem keltischen „Medizinrad“. Dieses übt nach ihrer Überzeugung eine harmonisierende Wirkung auf Geist und Seele aus. Medizinräder findet man seit alter Zeit bei indigenen Völkern an vielen Orten der Welt. Im Allgemeinen sind dies speziell angeordnete Steinkreise mit einer tiefgründigen Bedeutung. Als sogenannte „Kraftorte“ werden sie nicht selten zu Zeremonien und Heilungen verwendet. „Jede Region hat jedoch eigene Spezifikationen“, erklärt Gerda Maria Vielhauer dazu. „Ich habe mich in den Anfängen mit Feng Shui beschäftigt“, erzählt sie weiter. „Die keltischen Traditionen sind aber nach meiner Meinung besser für unsere Lebensbereiche geeignet.“ 

Sie schildert interessante Einzelheiten: „Das keltische Medizinrad symbolisiert den Jahres­kreis. Dieser ist in acht Feste unterteilt, die engen Bezug zu den Abläufen in der Natur haben und eigenen ,Zeitqualitäten‘ unterliegen. ,Samhain‘ am 1. November, an dem in der heutigen Zeit Allerheiligen gefeiert wird, ist der keltische Jahresbeginn. Zum Julfest am 21. Dezember wird die Wiedergeburt des Lichts gefeiert, die heutige Entsprechung ist das Weihnachtsfest. ,Imbolc‘ am 1. Februar ist terminlich identisch mit dem Feiertag ,Mariä Lichtmess‘, ,Ostara‘ war in alter Zeit das Fest der Frühlingsgöttin mit der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche am 21. März. An ,Beltane‘, der Nacht zum 1. Mai, wird heute die ,Walpurgisnacht‘ begangen. ,Litha‘ am 21. Juni ist das Sonnwendfest; ,Lugnasad‘, das Schnitterinnenfest am 1. August, ist heute bekannt als ,Mariä Himmelfahrt‘ und ,Mabon‘ am 21. September markiert die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche“.

Seit ihrer frühesten Jugend fühlte sich die gebürtige Siegsdorferin von der Natur fasziniert, sah in ihr einen Lehrmeister in allen Bereichen des Lebens. Die Liebe zu allem, was grünt und blüht, führte die ehemalige Chefsekretärin eines großen Betriebs vor 30 Jahren in die Selbstständigkeit: „Ich hatte Pflanzen für meinen Wintergarten gekauft“, berichtet sie. „Im Überschwang erwarb ich viel zu viele. So habe ich den Überschuss in der Firma an Kolleginnen und Kollegen verkauft“. Kurios: „Ich musste dann ständig Nachschub liefern, um der Nachfrage gerecht zu werden“, schmunzelt die 58-Jährige. Schließlich kündigt sie, pachtet eine alte Gärtnerei und betreibt diese viele Jahre lang.

„Dann fiel ich nach dem Tod meines damaligen Partners in ein tiefes emotionales Loch“, erinnert sich die Eggstätterin. „Ich hatte das Gefühl, ich müsse das Haus ausräuchern. Manche Pflanzen können nicht nur durch optische Schönheit auf die Psyche einwirken, sondern durch das Erwärmen der getrockneten Rohstoffe werden über den Rauch der ,Pflanzengeist‘, bzw. die Heilkraft der Pflanze, freigesetzt“. Viele Kunden der Gärtnerei liebten die angenehmen Düfte, die durch die Räume zogen und wünschten sich dies ebenso für ihr Zuhause. Es entwickelte sich eine so rege Nachfrage, dass Gerda Maria Vielhauer die Gärtnerei schließlich aufgab, um sich ganz der Thematik rund um das energetische Räuchern widmen zu können. „In unserer Gegend ist es z. B. seit alter Zeit Brauch, in den Rau(ch)nächten vom 21. Dezember bis zum 2. Januar die Wohnräume über die heilsamen Düfte energetisch zu reinigen“, weiß sie zu berichten. „Räuchern hat bei vielen Völkern überall auf der Welt uralte Tradition und fand zu vielen Gelegenheiten statt“, erklärt sie.Im Zentrum

In diesem Zusammenhang ist auch der Bezug zum Erdmuttergarten zu verstehen: In diesem vereint die Räucherfachfrau und Aromatherapeutin Pflanzen- und Räucherwissen sowie das Wissen über keltisches Brauchtum. Der Garten ist angelegt nach dem Goldenen Schnitt und im Verständnis des keltischen Medizinrads. „Die Anlage musste auf den Zentimeter genau stimmen“, ist sie überzeugt. „Es hätte sonst energetisch nicht gepasst“. Für den Aufbau benötigte sie genau einen Jahreskreis. Nach ihren Worten fühlt sich der Erdmuttergarten an wie ein Kraftplatz, erzeugt Harmonie. Sie weiß: „Hier ist die ganze Weisheit aus dem Medizinrad enthalten in Form der Bepflanzung, die energetisch den jeweiligen Himmelsrichtungen und Jahreskreisfesten zugeordnet ist, und in seinem Anlageschema. Er ist nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet“. Eine Begehung beginnt im Nordwesten, im Feld von Samhain. Man folgt im Uhrzeigersinn dem Gang der Sonne durch den Tag. Dabei symbolisiert die Anlage den Keltischen Jahreskreis mit seinen acht Festen, mit den vier Haupt- und den vier Zwischenhimmelsrichtungen, die den jeweiligen Elementen und auch Farben zugeordnet sind und in der richtigen Abfolge durchschritten werden. So schließt sich der Kreis wieder – der Jahreskreis. 

In vielen archaischen Kulturen wurde die Erde als „Mutter“ gesehen, da sie alles Leben hervorbringt. So ist auch der Garten nach ihr benannt. Er birgt einen Blütendom, eine Feuerstelle, einen Teich und ein Duft-Kräuterhaus, welches Gerda Maria Vielhauer auch als „Erdmutterhaus“ bezeichnet. Diese Orte laden ein zum Verweilen. Ganz im Sinne der jeweiligen Jahreskreisfelder, in denen sie positioniert sind, zelebriert sie hier mit spirituell interessierten Menschen Trommel-, Duft- und Räucherrituale.

„Unsere gesamte Natur findet sich im keltischen Jahreskreis“, ist sie überzeugt. „Wenn wir diesen verstehen und in unser alltägliches Leben aktiv umsetzen, sind wir im Einklang mit Mutter Erde und der Natur, gesund, glücklich, voller Leben und zufrieden“.

Lutz A. Kilian
(erschienen in Ausgabe 42, März 2020)

                   

 

 

 

 

 

 

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