„Schutzschild“ vor schädlichen Keimen

Eine optimal besiedelte Darmflora  ist die Basis für das weibliche  Wohlbefinden Eine optimal besiedelte Darmflora ist die Basis für das weibliche Wohlbefinden
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Intakte Darm- und Scheidenflora wesentlicher Aspekt der Frauengesundheit

Probleme mit der Verdauung und „Chaos“ im Intimbereich sind für zahlreiche Frauen ein Dauerthema. In vielen Fällen ist der Darm Teil des Problems und zugleich Teil der Lösung. Die Vaginalflora begleitet jede Frau ein Leben lang als „Schutzschild“ vor schädlichen Keimen. Die Scheide ist mit einer dicken Schleimhaut ausgekleidet, die eine ganze Reihe von Funktionen aufweist.

Das gesunde Vaginalmikro­biom besteht überwiegend aus Milliarden unterschiedlicher nützlicher Milchsäurebakterien (Laktobazillen), deren Aufgabe es u.a. ist, Zucker in Milchsäure umzuwandeln. Dieser Vorgang ist für die Aufrechterhaltung eines pH-Wertes von 3,8 - 4,4 in der Scheide unerlässlich. Krankmachende Bakterien und Pilze können sich in dieser sauren Umgebung nicht vermehren. Dieser Schutz ist besonders wichtig, um die gesamten Fortpflanzungsorgane der Frauen gesund und funktionsfähig zu erhalten.
Der mütterliche Scheidenkanal ist ein Reservoir für Bakterien, die während einer natürlichen Geburt durch die orale Aufnahme den Darm eines Neugeborenen besiedeln. Vom Darm aus gelangen dann die Bakterien über eine „Schleimstraße“ an ihren Bestimmungsort in der Scheide, wo sie sich nachhaltig ansiedeln. Rund 100 Millionen Keime pro Quadratmillimeter Scheidengewebe weist eine gesunde Scheide auf. Somit ist auch klar, dass eine optimal besiedelte Darmflora die Basis für das weibliche Wohlbefinden ist.
Die Vaginalflora kann aber leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Beschwerden wie Jucken, Brennen, Rötungen, ungewöhnlicher Ausfluss, Schwellungen oder Schmerzen können dann verstärkt auftreten. Die bakterielle Vaginose (untypische Besiedelung der Scheide) ist die häufigste mikrobiologische Störung des Scheidenmilieus bei Frauen im gebärfähigen Alter. Ca. 60% der Frauen, bei denen eine bakterielle Vaginose mit Antibiotika behandelt wurde, leiden spätestens nach sechs Monaten erneut an einem Harnwegsinfekt (Blasenentzündung) und bei ca. 25% der Frauen entwickeln sich daraus chronische Beschwerden. Die Ursache dafür ist einfach: Antibiotika sind unglücklicherweise blinde Kämpfer. Sie zerstören nicht nur die „schlechten“, sondern auch die „guten” Bakterien in der Scheide und im Darm.
Negativen Einfluss auf das Vaginalmilieu haben Störfaktoren wie z. B. Stress. Denn Stress schwächt das Immunsystem, stört die Verdauung, verursacht Schlafstörungen u.v.m.. Hormonschwankungen können das Scheidenmilieu ebenfalls verändern und begünstigen dadurch Infektionen. Dies kann z.B. in der Schwangerschaft und Stillzeit, aber auch unter der Einnahme der Antibabypille der Fall sein. Der sinkende Östrogen- und Progesteronspiegel nach der Memopause wirkt sich nicht nur auf die weibliche Darmflora negativ aus, sondern auch auf das Wachstum der guten Laktobazillen in der Scheide. Ein weiterer Einfluss, der die Scheidenflora massiv stört, ist eine übertriebene Körperhygiene.
Medikamente, Nikotinkonsum, zuckerreiches Essen und vieles mehr haben einen großen Einfluss auf die Vaginalflora. Das Schutzschild wird „bröckelig“ und es entsteht eine sogenannte vaginale Dysbiose. Durch dieses Ungleichgewicht können sich schädliche Bakterien und Pilze ungehindert vermehren und dies verursacht Infektionen im gesamten Urogenitaltrakt. Bis zu 39% der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter leiden unter bakteriellen Vaginosen, zahlreiche unter Scheidenpilz und Scheidentrockenheit.
Ist die Scheidenflora in Schieflage geraten und irritiert, braucht sie Unterstützung beim „Wiederaufbau”. Eine angepasste Therapie stellt das empfindliche Gleichgewicht wieder her und die Lebensqualität kehrt zurück.

Marion Dandl
(erschienen in Ausgabe 44, November 2020)

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