Das Kreuz mit dem Kreuz

Die Wirbelsäule hat eine Doppel-S-Form Die Wirbelsäule hat eine Doppel-S-Form
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Durch richtiges Liegen können Rückenleiden gelindert werden

Wer kennt das nicht? Millionen Deutsche leiden unter Rückenschmerzen. Das muss nicht sein. In unserer modernen Welt bewegen wir uns oft viel zu wenig. Stundenlanges Sitzen an Schreibtisch und Computer sind die Regel. Für entsprechenden Ausgleich zu sorgen kostet Kraft und Zeit. Doch wer hat heute schon noch Zeit?

Manuelle Therapien lindern die Beschwerden, reichen aber oft nicht aus. Zusätzlich belastet wird der Mensch von heute durch Umwelt und denaturisierte Ernährung. So belastet fällt man müde und erschöpft ins Bett. Doch der erholsame Schlaf bleibt oft aus. Am Morgen wachen viele Menschen unausgeruht und verspannt, schlimmsten Falls mit Rückenschmerzen auf. Da ist es wieder: Das Kreuz mit dem Kreuz.

Das muss nicht sein. Mit dem richtigen Bett, der richtigen Matratze und dem richtigen Kissen ist es möglich, den Schlaf und somit die Regeneration zu verbessern. Aber wie? Zunächst sollte man beachten, dass die Matratze sich dem Körper bzw. der Wirbelsäule  anpassen muss und nicht die Wirbelsäule der Matratze. Die Wirbelsäule muss statische und dynamische Funktionen erfüllen. Einerseits stabilisiert sie die aufrechte Haltung und trägt den Kopf. Andererseits muss sie biegsam sein für die verschiedensten Bewegungen. Die knöcherne Mitte des Körpers besteht aus sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln, fünf Lendenwirbeln, Kreuzbein und Steißbein. Die beiden letzteren sind fast völlig miteinander verwachsen. Die Wirbelsäule hat eine Doppel-S-Form und bildet den Wirbelkanal für das Rückenmark. Zwischen den Wirbeln befinden sich die Bandscheiben; sie ermöglichen die Bewegung der Wirbelkörper zueinander und dämpfen Stöße und Erschütterungen. Für die Ernährung der Bandscheiben wird das Prinzip der druckabhängigen Durchsaftung wirksam (Diffusion). Ähnlich wie bei einem Schwamm werden beim Zusammendrücken Schlackstoffe abgegeben und bei Wiederausdehnung Sauerstoff, Flüssigkeit und Nährstoffe aufgenommen. Gestützt wird die Wirbelsäule durch die Muskulatur. Die Muskeln verhindern eine Überlastung der Bandscheiben und der knöchernen Strukturen. Um die Bandscheiben und die Muskeln gesund zu erhalten, ist ein ausreichender Energiestoffwechsel durch einen ausgewogenen Wechsel von Anspannung und Entspannung erforderlich. Die Muskulatur sollte daher regelmäßig bewegt und trainiert werden. Doch im Schlaf sollten die Wirbelsäule und die Muskulatur entspannen können. Hierzu ist eine anatomisch richtige Lagerung der Wirbelsäule äußerst wichtig. Die Bandscheiben können sich so während des Schlafes wieder mit Sauerstoff, Flüssigkeit und Nährstoffen füllen. Die Muskeln sind nach einer entspannten Nacht morgens locker und geschmeidig. Nicht selten ist man morgens etwas größer als abends.

Richtig liegen ist eine Wohltat für das Kreuz. Aber wie? Eine anatomisch richtige Lagerung einer gesunden Doppel-S-Form-Wirbelsäule bedeutet: Die Schultern und die Hüften müssen genug einsinken können, damit die Gewölbe der Hals- und der Lendenwirbelsäule (Lordosen) gut unterstützt sind. Nur dann kommt die Botschaft an das Gehirn: „Alles gut unterstützt, die Muskulatur kann loslassen.“ Dann beginnt die Entspannung der Muskeln. Sie dürfen loslassen und sich ausruhen. In dieser Entspannung können sich die Bandscheiben wieder auffüllen und sind fit für die Aufgaben des neuen Tages. Das morgendliche Erwachen wird wieder frisch und beweglich. Denn diese Entspannung dient nicht nur dem Kreuz, durch einen ruhigeren, tieferen Schlaf erholt sich der ganze Körper besser. 

So wird das Kreuz mit dem Kreuz mit der Zeit kleiner und verschwindet im besten Fall sogar ganz.                                

Sigrid Kern
(erschienen in Ausgabe 43, Juli 2020)

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