Darmflora unterstützt Immunabwehr

Etwa 80% der Immunzellen haben ihren Sitz im Darm Etwa 80% der Immunzellen haben ihren Sitz im Darm
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Komplexes System mit positivem Einfluss auf die Gesundheit

Jeden Tag nimmt der Mensch vor allem mit der Nahrung auch Stoffe auf, die ihm schaden können. Tag und Nacht versuchen Infektionserreger in den menschlichen Körper einzudringen. Deshalb verfügt das menschliche Immunsystem über verschiedene Abwehrsysteme. 

Wichtig für das Immunsystem ist ein Zusammenspiel zwischen bestimmten Zellen, Signalstoffen und Geweben. Damit das Abwehrsystem auch seine Arbeit erledigen kann, benötigt man vor allem einen gesunden Darm. 

Das Spektrum an Erregern ist breit gefächert. Es reicht von winzig kleinen Viren bis hin zu 20 Meter langen Bandwürmern. Die bekanntesten Erreger sind Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Wie Viren das Leben extrem negativ beeinflussen können, hat man in den letzten Monaten leider täglich erleben müssen. Über das Coronavirus weiss man leider noch nicht sehr viel, aber man weiss, wie wichtig ein gut funktionierendes Immunsystem ist, um vor der Entstehung von Krankheiten zu schützen.

Im menschlichen Darm leben unvorstellbare 100 Billionen Darmbakterien, die das sensible Darmsystem am Laufen halten. Etwa 80% der Immunzellen haben ihren Sitz im Darm. Deshalb spielt der Darm eine besonders wichtige Rolle in der Immunabwehr. Er bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen dem Körperinneren und der Außenwelt. Bestimmte Zellen in der Darmschleimhaut produzieren Schleimstoffe, wodurch es Krankheitserregern erschwert wird, sich an der Darmwand anzuhaften. Giftige oder krankmachende Partikel werden in einer optimal besiedelten Darmwand blockiert und sofort bekämpft. Die Darmwand entschiedet, welche Substanzen gezielt in das Innere des Organismus vordringen dürfen. Damit dieser Prozess auch ständig funktioniert, muss die Durchlässigkeit der Darmwand exakt reguliert sein. Gute Darmbakterien versorgen die Darmwandzellen mit wichtigen Nährstoffen und regulieren so die Erneuerung der Zellen und somit auch die Funktion des darmeigenen Immunsystems. Die als Darmflora bezeichnete Gesamtheit aller Mikroorganismen hat einen entscheidenden Einfluss auf die Barrierefunktion der Darmschleimhaut.

Störungen in diesem komplexen System können fatale Auswirkungen haben, dementsprechend werden sie mit zahlreichen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Dazu gehören z.B. Clostridium-difficile-Infektionen (Dickdarmentzündung), Reizdarm, Colitis ulcerosa und Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankungen) sowie Allergien, aber auch metabolische und sogar neuropsychiatrische Erkrankungen bis hin zu Krebs.

Durch eine Antibiotikatherapie werden Dutzende Bakterienstämme zerstört. Einige empfindliche Bakterien bleiben danach sogar dauerhaft verschwunden. Die geschädigte Darmflora bietet nun den schlechten Bakterien einen idealen Nährboden und fördert Fäulnis- und Entzündungsprozessen. Dies erklärt gut, warum die meisten Antibiotika eine Magen-Darm-Störung hervorrufen. Aber auch eine einseitige und ungesunde Ernährung, ein hoher Konsum an Alkohol, Nikotin und anderen Genussmitteln kann innerhalb von wenigen Stunden die Zusammensetzung der Darmflora drastisch verändern. Hinzu kommt, dass sich mit dem Alter die Stabilität und Artenvielfalt verringert und somit die Anfälligkeiten für Störungen im Darm häufen. Faktoren wie Stress, Schlafmangel oder Schlafstörungen lassen das Abwehrsystem oft an seine Grenzen stoßen. 

Gesundheit, Wohlbefinden und ein gutes Immunsystem benötigen einen optimal besiedelten Darm.  Ein Stuhltest liefert wertvolle Informationen über das eigene Darmprofil. Durch gesicherte Laborwerte kann die richtige Therapie für eine starke Immunabwehr eingeleitet werden.

Marion Dandl
(erschienen in Ausgabe 43, Juli 2020)

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