Das Leben selbstbestimmt meistern

"Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will (Henri Matisse) "Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will (Henri Matisse)
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Talente und besondere Fähigkeiten ausbauen und zur Verfügung stellen

An manchen Tagen ist das Leben leichter, an anderen schwerer. Es läuft nichts „rund“, alles scheint schwierig, kompliziert, aussichtslos und kaum zu bewältigen. Die Zeit vergeht zu schnell und ist immer knapp. Die Schuldigen sind leicht zu finden: Es sind die Anderen, die Gegebenheiten, das Wetter, etc. 

Die Flucht ins Opferdasein wird gesucht, denn leidend und wehrlos zu sein macht es leichter, in der Mangelposition zu verharren. Ist ein Problem endlich gelöst, tritt bereits ein neues auf den Plan – ein wahrer Kampf gegen Windmühlen. 

Der Mangel ist allgegenwärtig, es fehlt an Zeit, Geld, Unterstützung und Erfolg. Das Gefühl der Enge dominiert. Dies ist vielleicht auch körperlich spürbar als Druck in Herz- und Magenbereich, oder als Luftnot. Wie eine Marionette „re-agiert“ die betreffende Person, spielt dieses Spiel mit, welches die eigene Seele so meisterhaft organisiert, um zum Agieren zu bewegen anstatt zur Flucht vor den anderen und sich selbst. Typische Aussagen sind: „Es ging nicht anders...“ und „es war die einzige Möglichkeit...“, weil im Tunnelblick Kreativität, Innovationen und Vielfalt wenig Platz haben. 

Mitleid zu erhalten ist wenigstens eine Form der Beachtung, um sich aus der große Masse abzuheben. Etwas zu wagen bedarf schon mehr Vertrauen in sich selbst. Schließlich ist ein Scheitern nicht auszuschließen. Schutz zu suchen im gewohnten Umfeld und den gewohnten Tätigkeiten und Ritualen bedeutet Sicherheit. Albert Einstein brachte dies so trefflich auf den Punkt: „Es ist die reinste Form des Wahnsinns, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Es scheint, als müsse die Lösung von außen kommen. Wäre dem so, wäre der Mensch von anderen abhängig. Den Menschen wurde aber ganz im Gegenteil der freie Wille geschenkt und die Fähigkeit, für sich selbst zu bestimmen. Wirklich frei ist, wer sein Leben selbst in die Hand nimmt und entscheidet. In fast allen Situationen reicht es aus, sich einen neutralen Überblick zu verschaffen, um den Dingen ihren Schrecken zu nehmen. Es geht um die bloße Veränderung der Sichtweise, die den Blick entweder einschränkt – oder weitet. 

Aus den Augen der Fülle betrachtet stellt sich dieselbe Konstellation hell, farbenfroh und strahlend dar, anstatt trist und einengend. Alles läuft gut und fließt, d. h. „es läuft“ und geht federleicht. Das Bewusstsein, alles genau dann zu haben oder erreichen zu können, wenn es wirklich benötigt wird, stellt sich ein. 

Kanäle und Möglichkeiten öffnen sich. Aus dem alltäglichen Trott wird etwas Besonderes, wenn das Große im Kleinen Beachtung findet. „Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will“ sagte bereits der große Henri Matisse. Wird zusätzlich zur Veränderung der Sichtweise noch Wert auf die Bedeutung und Aussage der Sprache gelegt, z. B. das „muss“ gegen das „kann“ getauscht, eröffnen sich neue Horizonte. Es „kann“ gearbeitet und eingekauft werden, medizinische Betreuung „kann“ in Anspruch genommen werden, ebenso die alternative Heilkunde, etc. 

Sich zu erlauben, sich das zu wünschen, was wirklich gebraucht wird, um glücklich zu sein, steht jedem frei. Es geht um das rechte Maß und die Frage: „Was will ich wirklich?“ „Was brauche ich bzw. was wird besser weg gelassen? Ein jeder hat Talente und besondere Fähigkeiten mitbekommen, die es auszubauen und im Austausch zur Verfügung zu stellen gilt. 

Wenn das jeder machen würde? Dann wären alle Menschen auf der Welt glücklich, denn jeder hätte genau das Gewünschte, würde Anerkennung erfahren und es würde für alle reichen.

Claudia Lahr
(erschienen in Ausgabe 42, März 2020)

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