Die Säulen einer Partnerschaft

Liebe ist der Rahmen,  in dem das gemeinsame  Leben stattfinden kann Liebe ist der Rahmen, in dem das gemeinsame Leben stattfinden kann
© Pixabay

Achtung und Respekt wichtig für eine glückliche Beziehung

Jeder, der länger als ein paar Monate in einer Beziehung war weiß, dass Romantik, Leidenschaft und perfekte Harmonie ein überzogenes und unhaltbares Idealbild ist, das den Wogen des alltäglichen Lebens kaum standhalten kann. Was passiert mit uns und der Partnerschaft, wenn der Alltag Einzug hält? Wenn Kinder kommen, die Jahre ins Lande ziehen, wenn Probleme entstehen oder das Gefühl von Langeweile einsetzt? 

Kaum zu leugnen ist, das es einen Unterschied zwischen einer langjährigen Beziehung mit Kindern und einer kaum ein halbes Jahr alten Beziehung gibt. Und doch ruht ein Gelingen jeder Beziehung auf sehr ähnlichen Säulen. Aus der Beratung ist ein Satz bekannt: Wenn beide wollen, hat die Beziehung eine Chance. Und damit beide wollen und über Jahre oder Jahrzehnte hinweg eine wunderbare Zeit miteinander haben, gilt es folgendes zu beachten: Es gibt nur eine Nummer Eins. Wie die Zahl an sich schon sagt, ist sie die erste und somit die Allerwichtigste. Nicht nur der wichtigste Mann oder die wichtigste Frau, sondern das Allerwichtigste überhaupt. Wenn das Gefühl übermittelt wird, dass beide gegenseitig die Allerwichtigsten für sich sind, ist die erste Säule gesichert. 

Dann kommt die so oft genannte Liebe. Wenn sie sich aus dem anfänglichem Verliebtsein heraus überhaupt entwickeln kann, ist sie allerdings weder bedingungslos noch ein reines Gefühl, sondern eher der Rahmen in dem das gemeinsame Leben stattfinden kann. Geliebt wird auch dann, wenn momentaner Ärger, Enttäuschung oder Sorgen da sind. Diese Gefühle können meist nur auf Basis der Liebe zu der Person stattfinden, sonst wäre es sinnlos so zu empfinden. Liebe kann für mehrere Menschen empfunden werden, die Nummer Eins allerdings kann nur eine Person sein. Und wie steht es um das Vertrauen? Für eine glückliche Beziehung ist das Vertrauen ein gegenseitiges Geschenk. Vertrauen ist keine Pflicht, sondern ein Vermögen, welches in der eigenen Persönlichkeit empfunden wird und dem Gegenüber gegeben werden kann. Entweder es ist Vertrauen oder Mißtrauen da, der andere hat erst mal nichts damit zu tun. Er kann es sich weder verdienen noch erarbeiten. Entweder das Vertrauen gilt dem Partner oder es gilt dem Mißtrauen. Nicht weniger Wichtig ist die Achtung und der Respekt dem anderen gegenüber. Dies bezieht sich auch auf die Wünsche und Bedingungen des anderen. Das heißt allerdings noch nicht, dass wir automatisch für die Erfüllung verantwortlich sind. Die Andersartigkeit wertzuschätzen und nicht abzuwerten ist besonders verbindend. Oft beginnt die Krise mit dem Verlust an Respekt, die 100% positive Meinung schwindet, der geliebte Held wird zum Angeber oder zum „Weichei“, die Königin wird zur schwierigen Frau oder zum Dummchen. Gleichzeitig fällt das Vertrauen, dem Angeber oder dem Dummchen kann nicht vertraut werden, es geht in der Beziehung abwärts. Die Liebe hält meistens noch, aber wenn der Platz der Nummer Eins freigegeben wird, kann auch die Liebe nichts mehr retten. Vorwürfe und Schuldzuschreibungen vertiefen noch dazu den Graben zwischen zwei Menschen.

Doch jede der Säulen, Nummer Eins, Liebe, Vertrauen, Achtsamkeit und Respekt kann erneut aufgestellt werden. Hilfreich ist hier der Blick auf die eigene Persönlichkeit, das Verhalten und die Kommunikation innerhalb der Partnerschaft. Im Hinblick auf die Anfangszeit jeder Beziehung, die von Verliebtsein, gegenseitigem Interesse und Aufmerksamkeit geprägt ist, gilt es genau das wieder herzustellen. Das gelungene Aufleben einer Partnerschaft ist sehr erfüllend und macht das Leben freudiger und glücklicher. Es kann gelingen, wenn die Säulen der Beziehung beachtet werden. Wenn beide wollen.   

Barbara Seubert
(erschienen in Ausgabe 41, November 2019)

Anzeigen