Reizdarmsyndrom erkennen und behandeln

Vom Reizdarmsyndrom  betroffen sind etwa doppelt so häufig Frauen wie Männer Vom Reizdarmsyndrom betroffen sind etwa doppelt so häufig Frauen wie Männer
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Eine der häufigsten Funktionsstörungen des Magen- und Darmtraktes hat viele Auslöser

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist keine organische Krankheit, sondern eine funktionelle Störung zwischen dem vegetativen Nervensystem und der Darmmuskulatur. Das RDS kann die Lebensqualität durch körperliche Beschwerden stark einschränken und hat auch einen großen Einfluss auf die Psyche. 

Die Symptome reichen von Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Druck- und Völlegefühl bis zu Durchfall und/oder Verstopfung. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Rücken- und Gelenkschmerzen. Auch verschiedene Arten von Kopfschmerzen, wie z.B. Migräne, Spannungs- und Clusterkopfschmerzen sind bei diesen Patienten zu beobachten.

Das RDS ist eine der häufigsten Funktionsstörungen des Magen- und Darmtraktes, bei dem nicht nur der Dickdarm betroffen ist, sondern das ganze Verdauungssystem in Mitleidenschaft gezogen wird. Man schätzt, dass in den Industrieländern etwa 20 Prozent der Bevölkerung mehr oder weniger stark an Reizdarm leiden. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. 

Der Darm besitzt ein eigenes Nervensystem in der Darmwand, das auch als „Bauchhirn“ bezeichnet wird. Es signalisiert, sobald Nahrung in den Darm gelangt. Zusammen mit dem Botenstoff Seratonin wird die Darmmuskulatur stimuliert, Wellenbewegungen zu erzeugen, damit die Nahrung vorwärts transportiert werden kann.

Die Darmwand von Reizdarmpatienten reagiert leider besonders sensibel auf Dehnungsreize durch die Nahrung. Durch das stark gestörte Darm-Nervensystem werden fehlerhafte Anweisungen an die Darmmuskulatur gegeben. Somit kommt es zu unsynchronisierten Darmbewegungen, welche die Verdauung insgesamt beeinträchtigen. Entweder wird der Nahrungsbrei zu schnell transportiert, dann kann im Dickdarm nicht genügend Wasser entzogen werden und es kommt zu Durchfall oder auch das Gegenteil ist möglich: Bewegt sich die Muskulatur zu langsam, kann eine Verstopfung auftreten, weil sich die Muskeln zu stark und zu lange zusammenziehen. Somit entsteht beim Toilettengang mitunter das Gefühl, als ob der Darm nicht richtig entleert werden kann.

Ein RDS kann viele Auslöser haben, z. B. Nahrungsmittelintoleranzen gegen Histamin-, Laktose-, Fructose-, Sorbit-, und/oder Gluten. Oder die Bauchspeicheldrüse ist geschwächt und dadurch werden zu wenig Verdauungsenzyme produziert und es kommt somit zu Fäulnis- und Gärprozessen im Darm. Auch eine gestörte Darmflora kann mitverantwortlich für ein RDS sein. Antibiotika oder schwere Magen-Darm-Infekte sowie die tägliche Einnahme von Medikamenten bringen die natürliche Mischung der nützlichen Bakterien im Darm durcheinander. Angstleiden, Stress und seelische Belastung triggern das RDS.

Ist die Darmflora über längere Zeit geschädigt, kann die Darmschleimhaut Löcher bekommen und wird durchlässig. Eindringende Giftstoffe und Krankheitserreger verursachen dann entzündliche Prozesse in der Darmschleimhaut. Dies kann zu chronischen Entzündungen im Darm und letztlich auch zu schweren Darmkrankheiten führen oder das Darmkrebsrisiko erhöhen.

Bis die Diagnose RDS gestellt wird, ist es für viele Betroffene oft ein langer, mühsamer Weg. Die Krankheitszeichen des RDS sind so vielfältig und können leicht durch ähnliche Symptome mit anderen Krankheitsbildern verwechselt werden. 

Die Reizdarmdiagnose ist eine Ausschlussdiagnose und kann nur Schritt für Schritt erfolgen. Ein erster Schritt kann eine Stuhlanalyse sein, die wichtige Hinweise auf die Zusammensetzung der Darmbakterien gibt. Ein Ungleichgewicht in der Darmflora ist ein häufiger Grund für Verdauungsprobleme und hat somit einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Gesundheit.             

Marion Dandl
(erschienen in Ausgabe 41, November 2019)

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