Zu viel Bauchfett macht krank

Ungebremstes Hungergefühl lässt das Bauchfett immer mehr werden Ungebremstes Hungergefühl lässt das Bauchfett immer mehr werden
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Zahlreiche gesundheitliche Probleme durch Ernährungsfehler verursacht

Bewegungsmangel, hochkalorische, unausgewogene Ernährung und Stress sind bei immer mehr Menschen für zu viel Körperfülle verantwortlich. In Deutschland ist jeder zweite Erwachsene übergewichtig. Unsere Ernährungsform mit zu viel Fleisch, Zucker und hochindustriell verarbeiteten Lebensmitteln ist der Nährboden für zahlreiche Krankheiten.

Ein dicker Bauch ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern auch der Gesundheit. Vermehrte Fettansammlungen am Bauch fördert die Entstehung der typischen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2, Herz- Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Krebs und Alzheimer. 

Bauchfett bleibt lange unsichtbar, da die Fetteinlagerungen erst am Darm und anderen Verdauungsorganen beginnen. Erst bei weiter fortschreitender Fetteinlagerung erhöht sich der Bauchumfang und wird sichtbar. Bauchfett arbeitet wie ein eigenständiges Organ, produziert Hormone und andere Stoffe, die komplizierte Wechselwirkungen auslösen können. Bestimmte Hormone regulieren das Hungergefühl. Bei übergewichtigen Menschen liegt sehr oft schon eine Resistenz gegen das verantwortliche Hormon vor. Dies führt zu einem ungebremsten Hungergefühl und sorgt dafür, dass das Bauchfett immer mehr und der Bauch immer dicker wird.

So ähnlich verhält es sich auch mit der Insulin-Resistenz. Insulin soll eigentlich den Blutzuckerspiegel senken. Aber die vom Bauchfett ausgesandten Botenstoffe machen die Insulin-Rezeptoren der Körperzellen immer unempfindlicher. Irgendwann macht dann die Bauchspeicheldrüse schlapp und es entsteht ein chronischer Diabetes mellitus Typ 2. Auch der Cholesterinspiegel entgleitet, da das Insulin auch den Fettstoffwechsel beeinflusst. Es kommt dann zusätzlich zu steigenden Cholesterin und Triglyceridwerten sowie zu einer Fettleber. Die Kombination aus Übergewicht, hohe Blutzuckerspiegel und steigende Blutfettwerte hat meist schon die nächsten Beschwerden im Gefolge, nämlich Bluthochdruck und Arteriosklerose, die Medizin sprich hier vom „tödlichen Quartett“ oder Metabolischem Syndrom.

Eine wichtige Bedeutung kommt der Darmflora bei der Entstehung von Übergewicht zu. Sowohl die Zusammensetzung der Darmbakterien als auch die Durchlässigkeit der Darmflora werden durch Ernährung, Krankheiten und Medikamente beeinflusst. Zuviel fett- und zuckerhaltige Nahrungsmittel führen zu einer gesteigerten Durchlässigkeit der Darmbarriere. Viele Medikamente, die bei Erkrankungen bedingt durch Übergewicht zum Einsatz kommen, sorgen zusätzlich noch dafür, dass besonders viele Bakterienstämme gleichzeitig an Funktion und Wachstum verlieren. Die erhöhte Durchlässigkeit des Darms hat zur Folge, dass Schadstoffe und insbesondere bakterielle Giftstoffe vermehrt in den Organismus gelangen. Der Körper reagiert darauf mit Entzündungen, die wiederum die Funktion von Organen und Gewebe einschränken können. Die Artenvielfalt sowie die „guten“ Darmbakterien nehmen immer mehr ab und die „dickmachenden“ und „schlechten“ Darmbakterien können sich ungestört vermehren. Begleiterscheinungen wie Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Migräne u. v.m. sind die Folgen. Bei übergewichtigen Menschen kann das Bakterienverhältnis so stark verschoben sein, dass bis zu 2000 Mal mehr enzymproduzierende Bakterien im Darm sind, die pro Mahlzeit bis zu 12% mehr Kalorien aus der Nahrung ziehen. 

Es gilt: Als Frau mehr als 88 cm oder als Mann mehr als 102 cm Umfang, dann ist der Bauch definitiv zu dick und das Risiko für die o. g. Erkrankungen gilt sogar als stark erhöht. Man sollte den eigenen Bauchumfang im Blick behalten. Durch eine Stuhlanalyse lässt sich die Darmbesiedelung analysieren.                    

Marion Dandl
(erschienen in Ausgabe 40, Juli 2019)

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