KPU – die versteckte Stoffwechselstörung

Aus den roten Blutkörperchen entstehen Abbauprodukte des Hämoglobinstoffwechsels Aus den roten Blutkörperchen entstehen Abbauprodukte des Hämoglobinstoffwechsels
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Ursache und Behandlungsansatz für zahlreiche Beschwerden

Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Hormonstörungen, psychische und neurologische Erkrankungen, Erschöpfung, Schlafstörungen, chronische Schmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten – alle diese Symptome können eine gemeinsame Ursache haben. Die noch wenig bekannte, aber sehr häufig auftretende Stoffwechselstörung Kryptopyrrolurie (KPU), ist Auslöser für zahlreiche unterschiedliche Beschwerden von Körper, Geist und Seele. 

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird eine spezifische Störung des Stoffwechsels und der Mitochondrien – der Zellkraftwerke des Körpers – erforscht. Doch erst seit dem Jahr 2000 hat diese Erkrankung die Bezeichnung Kryptopyrrolurie erhalten. In der Zusammensetzung des komplizierten Namens erklärt sich die Ursache für den veränderten Stoffwechsel von selbst: „krypto“ bedeutet übersetzt „verborgen, versteckt“, Pyrrole sind Abbauprodukte des Hämoglobinstoffwechsels – vorkommend in roten Blutkörperchen und Leber – und „-urie“ bezeichnet, dass diese über den Urin ausgeschieden werden. Durch den Abbau von Hämoglobin setzen sich in jedem Körper Pyrrole frei. Ein gesunder Körper mit normalem Stoffwechsel kann diese Pyrrole als Abbauprodukte einfach über den Stuhl ausscheiden. Menschen mit KPU können dies aufgrund von unterschiedlichen Enzymdefekten allerdings nicht. Es fallen vermehrt Pyrrole an, diese scheidet der Körper dann über den Urin aus. Für den Transport zur Niere und den Abtransport über den Urin benötigt der Körper jedoch sozusagen ein Vehikel zum Befördern der erhöhten Pyrrole. Hier entsteht das eigentliche Problem: Als Transportvehikel werden horrende Vorräte an Zink und Vitamin B6 benutzt, welche dann in der Folge dessen im gesamten Körpersystem fehlen. Dadurch entstehen vielfältige körperliche und psychische Symptome, für die meist scheinbar keine Ursache gefunden wird. Es können sich rheumaartige Schmerzsymptome wie Fibromyalgie zeigen, Allergien und Unverträglichkeiten mit Reizdarm, Haut- und Schleimhautproblemen sowie Veränderungen an den Nägeln (häufig weiße Flecken auf den Fingernägeln als hinweisendes Symptom für KPU), Hormonstörungen mit Zyklusanomalien, Hormonmangel und Nebennierenschwäche, als Folge dessen Unruhe mit Schlafstörungen und Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten, Schul- und Lernprobleme, Depressionen und Ängste bis hin zu Psychosen und Schizophrenie und neurologischen Ausfallerkrankungen wie Multiple Sklerose und Demenz. Die Stresstoleranz ist deutlich reduziert, alles scheint zu anstrengend. Für manche Patienten ist der Alltag kaum noch zu bewältigen, andere haben lediglich leichte, fast unscheinbare Symptome. 

Die Kryptopyrrolurie kann sowohl vererbt, als auch erworben sein, beispielsweise durch langanhaltende Stresszustände, Umweltgifte oder Halswirbelverletzungen. Leider ist KPU in der Schulmedizin bisher nicht als Krankheit anerkannt, obwohl sie ca. 10 % der Bevölkerung betrifft.

Bis auf Kryptopyrrolurie behandelt wird, haben Patienten meist eine ganze Odyssee von Krankheitssymptomen ohne signifikante Besserung hinter sich. Die Diagnose der KPU wird über einen einfachen Urintest gestellt, der etwa 40 Euro kostet; zusätzliche Labortests auf Mineralstoff- und Vitaminmängel und ein Hormonstatus können sinnvoll sein. Die Behandlung erfolgt dann über vier Säulen: Ergänzung der fehlenden Nährstoffe, Entgiftung zur Unterstützung der Leberfunktion, Entstressung, um dem System Erholungsmöglichkeit zu geben und eine Ernährung, die auf die Bedürfnisse des Körpers angepasst ist.  Eine abgestimmte homöopathische und naturheilkundliche Behandlung hilft dem Menschen außerdem zurück in die Selbstheilungskräfte.                     

Martina Auer
(erschienen in Ausgabe 40, Juli 2019)

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