Krankheit als Hilferuf verstehen

Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich hängen oft mit materiellen Ängsten zusammen Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich hängen oft mit materiellen Ängsten zusammen
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Körperliche Symptome können auf den Status psychischer Gesundheit hinweisen

Viele Menschen akzeptieren Krankheit als etwas, das einfach zum Leben gehört: Die Kollegen verbreiten auf dem Gang ihre Viren, das lange Sitzen im Büro verschafft einem Rückenschmerzen und die schlechten Gene sind schuld an der Migräne. Aber ist es so einfach? Natürlich sind äußere Einflüsse genauso wie bestimmte Risikogene am Entstehen von Erkrankungen beteiligt, aber als alleinige Erklärung reichen sie nicht aus.

Oft werden Stress, ein geschwächtes Immunsystem und inzwischen auch häufig Ernährung als Mitverursacher einer Erkrankung betont. Aber Stress ist für jeden etwas anderes. Natürlich gibt es allgemein gültige Stressoren wie Lärm, andauernder Leistungsdruck und geringer sozialer Rückhalt, aber manchmal liegen die Ursachen nicht so offensichtlich auf der Hand.

Wenn nun etwas „ausbricht“, ist es ratsam, genau zu hinterfragen, was die Störung verursacht haben könnte, denn alles, was man erlebt, hinterlässt Spuren im Körper. Noch zu oft werden oberflächlich Symptome behandelt, aber die Erkrankung nicht in den Gesamtzusammenhang gestellt. Dabei ist jedes Symptom eine Botschaft, die man anerkennen und entschlüsseln sollte.  Das betroffene Organ oder Körperteil gibt bereits Hinweise auf die Themen, die im Argen liegen und daher Schmerzen, Brennen, Jucken usw. hervorrufen.

So stehen die Arme beispielsweise für die Fähigkeit, Dinge anzupacken und auszuführen. Wenn es zu Schmerzen in den Armen kommt, könnte man sich fragen, was man nicht anpackt oder vielleicht nicht loslässt. Auch Wut darüber, dass man alles alleine machen muss, kann sich so ausdrücken.

Der Hals steht für Kommunikation und die Wirbelsäule symbolisiert Schutz, Halt, Unterstützung, aber auch den Lebensunterhalt. Je nachdem, wo der Schmerz auftaucht, hat er eine andere Bedeutung: Schmerzen im Bereich des siebten Brustwirbels (Herzhöhe) drücken sehr oft Einsamkeit oder die Schwierigkeit aus, Gefühle mitzuteilen. Man fühlt sich nicht verstanden und unterstützt, hat vielleicht sogar Angst, verlassen zu werden. Dagegen hängen Rückenschmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich oft mit materiellen Ängsten zusammen. Ein Arbeitsplatz, der nicht sicher ist, oder eine Stelle, in der man sich im Vergleich zu anderen minderwertig fühlt. Ein Bandscheibenvorfall kann dann ein Signal dafür sein, dass man sich einer Aufgabe nicht gewachsen fühlt oder die Leistung nicht anerkannt wird.

Der Magen dient der Verdauung und verkörpert die Fähigkeit, Dinge anzunehmen. Der weiterverarbeitende Darm hält Stoffe zurück oder lässt sie los. Wenn Erlebnisse nicht akzeptiert werden und sich Wut breit macht, kann eine Gastritis entstehen.

So könnte man die Symbolik der Erkrankungen und deren psychisch-emotionale Bedeutung fast endlos fortführen. Der Körper drückt aus, was die Seele krank macht (Psychosomatik). Aber ein geschwächtes System kann sich auch wieder heilen! Ein Bewusstsein auf das eigene Denken und Handeln, auf Konflikte, die im Inneren oder im Außen toben, Gefühle, die nicht gelebt werden – all das gilt es zu betrachten. 

Wenn eine Erkrankung sichtbar oder spürbar wird, muss man in der Regel mehrere Tage, Wochen oder auch Jahre zurückblicken. Manchmal sind Veränderungen wie Arbeitsplatzwechsel, mehr Bewegung und Entspannung eine Lösung, oft geht es aber auch um neue Einstellungen, Bewertungen oder das Erlernen neuer Kommunikationsstrategien, wie z.B. „Nein“ sagen. Um die wahren Ursachen zu erkennen und passende Maßnahmen einzuleiten, braucht es manchmal professionelle Hilfe, um voranzuschreiten und wieder gesund zu werden.                      

Martina Gessner
(erschienen in Ausgabe 39, März 2019)

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