Das innere Licht wieder entdecken

Mutlosigkeit bis Traurigkeit sind mögliche Anzeichen einer depressiven Phase Mutlosigkeit bis Traurigkeit sind mögliche Anzeichen einer depressiven Phase
© pixelio / Günter Havlena

Vorboten und Merkmale einer Depression erkennen und die Lebensqualität verbessern

„Jetzt bist Du schon wieder so schlecht drauf, du machst gar nichts mehr, deine Freunde triffst Du auch nicht mehr“, „Jeden Morgen das Gleiche, das Aufstehen ist eine Qual und die Laune ist miserabel“, „Jetzt reiß‘ dich doch zusammen, so schlimm kann es ja gar nicht sein, dauernd tut dir etwas weh“.

Haben sie diese Sätze auch schon mal gehört oder selber ausgesprochen? Kennen Sie diese tief im Inneren sitzende Freudlosigkeit und das durchdringende Elendigkeitsgefühl mit dieser bleiernen Antriebslosigkeit? Oder trifft diese Beschreibung auf jemanden in ihrer Familie zu?

Es ist nicht die schlechte Laune, die entsteht, wenn etwas misslingt oder es im Leben nicht so gut läuft wie es erwünscht wäre. Auch ist es kein Nicht-Wollen oder eine trotzige Verweigerung. Es ist keine Reaktion auf belastende zwischenmenschliche Beziehungen und es gibt keinen anderen Anlass. Wenn es im inneren Dunkel wird, ist das meist ein schleichender Prozess, der sich über Wochen oder Monate ausbreitet. Das innere Licht zieht sich zurück und die Depression beginnt mit Krankheitszeichen, auf die man möglichst früh achten sollte. Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen, Mutlosigkeit bis Traurigkeit sind mögliche Anzeichen einer depressiven Phase. Meist beginnt sie mit einer Veränderung des Schlafes. Häufig Ein- und Durchschlafstörungen, nicht selten mit belastenden Träumen. Und schließlich das gefürchtete Früherwachen mit der Schwere auf der Brust und Panik vor dem neuen Tag. Dann lässt auch der Antrieb zu wünschen übrig: müde, matt, ohne Initiative und Schwung, schließlich zunehmend energielos, passiv, zuletzt schwach, kraftlos, vor allem leicht und rasch erschöpfbar. Oft klagen die Betroffenen auch über ein sogenanntes „Morgentief“, das sich erst gegen Mittag aufzuhellen beginnt. Gegen Abend fühlen sich depressive Menschen häufig besser. Dennoch bleibt die Stimmung anhaltend gedrückt, Interessen und Hobbys verlieren sich und es können zahlreiche körperliche Symptome dazu kommen. Oft wird auch das nachlassende sexuelle Interesse mit einer partnerschaftlichen Krise verwechselt. Gefühllosigkeit und Lustlosigkeit als Schilderung der Gemütslage ist auch als frühe Symptomatik einzuordnen. Durch das aussichtlose Gefühl und manchmal auch durch die überwältigende Angst, kommen früher oder später bei der Mehrheit der Betroffenen suizidale Gedanken dazu.

In Deutschland leiden schätzungsweise fünf Prozent der Bevölkerung, d.h. etwa vier Millionen Menschen aktuell an einer Depression. Dabei kommen depressive Episoden in jedem Lebensalter vor. Sie werden unterteilt in leichte, mittelgradig und schwere depressive Episoden. Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens eine Depression zu entwickeln, beträgt zwischen sieben und achtzehn Prozent. Frauen sind etwa doppelt so häufig wie Männer betroffen. Depressionen werden auf Grund ihres vielfältigen Erscheinungsbildes oft nicht erkannt und viele Betroffene suchen keinen Therapeuten oder Arzt auf, sei es aus Unwissenheit, Verdrängung oder aus Schamgefühl heraus. Doch wird einmal die richtige Diagnose gestellt, ist die Lage alles andere als aussichtslos. Mehr als

Achtzig Prozent der Erkrankten kann dauerhaft und erfolgreich geholfen werden, nicht nur durch die Einnahme von Medikamenten, sondern auch durch psychotherapeutische Verfahren. Die Lebensqualität der Betroffenen kann sich wesentlich verbessern. 

Deswegen ist es umso wichtiger, dass möglichst viele Menschen für dieses Thema sensibilisiert und aufgeklärt werden, denn eine Depression kann jeden treffen, unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Status. Und sie selbst als Betroffener zu erkennen ist fast unmöglich.                            

Barbara Seubert
(erschienen in Ausgabe 38, November 2018)

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