Die Chinesische Kräutertherapie

Als Konglomerat kann jede Rezeptur ihre ganzheitliche Wirkweise entfalten Als Konglomerat kann jede Rezeptur ihre ganzheitliche Wirkweise entfalten
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Jahrtausendealte Erfahrungen können Nutzen in der heutugen Zeit bringen

Im 7 Jhd. n. Chr. schrieb der berühmte Chinesische Arzt Sun Si Miao sein Werk über die Chinesische Kräuterlehre und nannte es „Qian Jin Yi Fang“ (Rezepte von tausendfachem Goldwert). Schon der Titel des Werkes zeigt, wie wertvoll Rezepturen mit Chinesischen Kräutern zu der genannten Zeit waren und es auch heute noch sind.

Die chinesische Pharmakopöe ist eine der fünf Säulen in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Daneben gibt es noch die Akupunktur, Diätetik, Tuina (manuelle Techniken) und Qi Gong/Tai Chi (meditative Praktiken). Die Lehre der TCM orientiert sich an der Natur und bewährt sich seit über 5000 Jahren. Ganz nach der Philosophie von Yin und Yang untergliedert sich die Therapie der TCM in eine von außen wirkende Yang-Therapie (Akupunktur/Tuina) sowie in eine von innen wirkende Yin-Therapie (Chinesische Kräutertherapie).

Die Indikation für die Einnahme chinesischer Kräuter spricht ein Arzt/Heilpraktiker mit entsprechender Ausbildung aus. Nach einer ausführlichen Anamnese mit anschließender Puls-, Zungen- und Bauchdiagnostik erstellt der Therapeut eine individuelle Diagnose und verschreibt die entsprechende Rezeptur. 

Rezepturen in der TCM beinhalten Blätter, Rinden, Zweige, Heilkräuter, Wurzeln, Mineralien oder auch tierische Substanzen. Klassisch werden die Rezepturen in Form von Rohdrogen (Überbegriff für alle Bestandteile) gekocht und als Dekokt verabreicht. Mittlerweile sind die Rezepturen auch als Granulat/Pulver oder als Kapseln/Tabletten erhältlich, die die Einnahme erleichtern.

Chinesische Rezepturen sind mehr als nur „zusammengewürfelte“ Kräuter. Hinter jeder Rezeptur stecken jahrtausendealte Erfahrungen: Jeder Patient ist mit seinen Beschwerden einzigartig. Entsprechend sollte auch die ihm verschriebene Rezeptur einzigartig sein. Die einzelnen Kräuter besitzen ihre individuelle Wirkung und nur als Konglomerat kann jede Rezeptur ihre ganzheitliche Wirkweise entfalten. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Substanzen zusammen zu kochen, um diese Wechselwirkung entstehen zu lassen.

Im Alltag findet man das Wissen der TCM ebenfalls. Ein beliebtes schulmedizinisches Medikament ist ein bekannter Erkältungssirup für die Nacht. Darin enthalten ist der Wirkstoff der Pflanze Meerträubel. In der TCM verwendet man diesen Wirkstoff  (chin. „Ma huang“) seit über 2000 Jahren. Er öffnet die Poren, lässt den Patienten schwitzen und leitet somit das Pathogen „Kälte“ aus. Kälte verursacht in diesem Fall starke Glieder-, Nackenschmerzen und Schüttelfrost, was in der Schulmedizin als Grippe bezeichnet wird. Demzufolge ist auch die Wissenschaft an der chinesischen Kräutertherapie interessiert.

Die chinesische Kräutertherapie bietet eine sehr gute Ergänzung/Alternative zur Schulmedizin aufgrund ihrer sehr differenzierten Sichtweise. Eine Grippe ist nämlich nicht gleich eine Grippe. Je nach dem welches Pathogen, z.B. Kälte, Hitze oder Feuchtigkeit, eingedrungen ist, werden unterschiedliche Rezepturen verwendet. Ein weiteres Beispiel ist der Kopfschmerz oder die Migräne. Hier können sich die Schmerzen unterschiedlich äußern, je nach Lokalisation und Charakter. Weiterführend gilt dies für Menstruations- oder Wechseljahrsbeschwerden, Allergien, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Stress, muskuläre Verspannungen, psychosomatische Erkrankungen, Verdauungsbeschwerden, Tinnitus, Schlafstörungen, rheumatische Erkrankungen usw.

Abschließend lässt sich sagen, dass die chinesische Kräutertherapie sehr umfassend und zugleich individuell in der Behandlung von Beschwerden arbeitet, aber auch im präventiven Bereich oder zur Unterstützung bei Kinderwunsch ihre Stärken hat.     

Mirco Wicki
(erschienen in Ausgabe 38, November 2018)

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