Gua Sha – traditionell gegen Schmerz

Gua Sha kann an fast allen Körperstellen angewandt werden Gua Sha kann an fast allen Körperstellen angewandt werden
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Asiatische Behandlungsmethode mit aktuellem Bezug

Gua Sha ist eine traditionelle Behandlungsmethode aus dem asiatischen Raum, welche durch ihre Einfachheit in der Anwendung und ihre mögliche Unmittelbarkeit im Effekt erstaunt. Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin wird Gua Sha bei Schmerzen im Bewegungsapparat und Befindlichkeitsstörungen, welche durch die Lebensweise, z.B. zu viel Stress, falsche Ernährung und Bewegungsmangel hervorgerufen werden und als präventive Maßnahme angewandt.

„Gua“ bedeutet dabei „Schaben“ und „Sha“ bezeichnet die Hautreaktion, die durch das Schaben hervorgerufen wird. Dieses „Schaben“ wird traditionell mit einem Büffelhorn durchgeführt. Aus hygienischen Gründen gibt es Schaber aus Chirurgenstahl oder Porzellan. Das Ziel der Methode ist es – mit den Worten der TCM – „krankmachende Faktoren nach außen abzuleiten“. Dies geschieht, indem es durch das Schaben zu einer Mehrdurchblutung des Gewebes kommt. Hierdurch kann der Stoffwechsel angeregt, das Gewebe besser versorgt und  Stoffwechselendprodukte entsorgt sowie Verspannungen und Fazienverklebungen gelöst werden. Allerdings kann es durch das Schaben auch zu Hautrötungen und „blauen Flecken“ kommen. Dies klingt martialisch, zeigt jedoch gemäß der TCM die Behandlungsbedürftigkeit des Gewebes bzw. die Stagnation des Energieflusses (Chi). Das Verschwinden der blauen Flecken kann durch geeignete Salben unterstützt werden. Manchmal wird der „blaue-Fleck-Effekt“ auch bewusst eingesetzt, um wie bei der Eigenbluttherapie das Immunsystem zu stärken.

Damit zeigt sich das Einsatzspektrum der Methode. Zentral ist die Behandlung des Bewegungsapparates bei Schmerzen, Bewegungsbeeinträchtigungen und Verspannungen. Gua Sha wird aber auch zur Stärkung des Bindegewebes, Anregung des Stoffwechsels, Stimulierung des Immunsystems und der Einflussnahme auf innere Organe eingesetzt. 

Hierzu kann Gua Sha an fast allen Körperstellen angewandt werden. Der Behandlungsort kann je nach Symptom, Erkrankung oder Zielsetzung der Ort des Schmerzes, die Meridianverläufe, Reflexzonen sowie Muskel- und Faszienketten sein. Unter bestimmen Voraussetzungen sind Behandlungen nur eingeschränkt möglich oder es ist ganz davon abzusehen. Dies trifft vor allem bei Erkrankungen der Haut, des Blutes und der Gefäße zu. Daher sollte eine Behandlung durch einen erfahrenen Therapeuten oder nach einer persönlichen Einweisung erfolgen.

Eine Gua Sha Behandlung wird z.B. bei Schmerzen im Bewegungsapparat nach Untersuchung und Diagnosestellung damit beginnen, dass die Haut am Behandlungsort mit einem Öl eingerieben wird, welches dem Zweck angepasste Kräuterzusätze enthält. Dann wird die abgerundete Kante des Schabers sanft auf die Haut gedrückt und dieser über das zu behandelnde Körperareal gezogen. Dies geschieht individuell und damit unterschiedlich lange, um die Durchblutung des Körper­areals zu steigern oder Gewebeverklebungen zu lösen. Ein unmittelbarer Bewegungstest sollte als Rückmeldung folgen. Mögliche Schmerzerleichterung oder ein größerer Bewegungsumfang weisen auf einen positiven Behandlungsverlauf hin und weitere Behandlungsareale können aufgefunden werden. Nach der Behandlung ist es sinnvoll zu ruhen oder einen leichten Spaziergang zu unternehmen. Die Aktivierung des Stoffwechsels und der Ausleitung kann durch ausreichendes Trinken von Wasser oder Tees mit wirkungsfördernden Kräutern unterstützt werden.

Gua Sha kann für sich alleine aber auch ergänzend zu anderen therapeutischen Verfahren angewandt werden. Eine Selbstbehandlung ist nach einer individuellen Einweisung möglich und kann so Erleichterung in den Alltag bringen.         

Andreas Schüll
(erschienen in Ausgabe 38, November 2018)

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