Eine grüne Überraschung

Grüne Kaffeebohnen am Strauch Grüne Kaffeebohnen am Strauch
© pixabay

Erstaunliches Wirkungsspektrum bei ungerösteten Kaffeebohnen

Kaffee gehört zu den beliebtesten Getränken der Welt. Jetzt bekommt die allseits bekannte, geröstete, braune Kaffeebohne Konkurrenz von ihrer grünen, ungerösteten Schwester. Denn diese enthält noch viele wertvolle, natürliche Inhaltsstoffe, die beim Rösten zum Teil verloren gehen. Grüner Kaffee wird deshalb immer beliebter.

Dieser enthält verschiedenste sekundäre Pflanzenstoffe. Sie dienen den Pflanzen als Abwehrstoffe gegen Fressfeinde oder mikrobiellen Angriff und wirken darüber hinaus als Wachstumsregulatoren. Sie beeinflussen auch eine Vielzahl von menschlichen Stoffwechselprozessen. Der stärkste in grünem Kaffee enthaltene Stoff ist dabei die Chlorogensäure. Während sie in der gerösteten Bohne nur noch zu 2-3 % enthalten ist, macht sie in grünem Kaffee bis zum Fünffachen aus. Grüner Kaffee Extrakt enthält zwischen 45% und 70% Chlorogensäure. Sie sorgt im Darm dafür, dass weniger Zucker aus der Nahrung aufgenommen wird. Der Blutzuckerspiegel sinkt, das Körperfett wird abgebaut. Durch einen regulierten, gleichmäßigen Blutzuckerspiegel, ist der Körper zudem über den Tagesverlauf fitter und leistungsfähiger, die Konzentrationsfähigkeit wird verbessert. Chlorogensäure senkt außerdem die Fette im Blut, was die Gefahr von Stoffwechselerkrankungen mindert. Darüber hinaus enthält grüner Kaffee Koffein und erhält damit ebenso wie die gerösteten Kaffeebohnen eine anregende Wirkung. Außerdem besteht er aus Aminosäuren, die für viele Prozesse im Körper essentiell sind, und Trigonellin, ein Alkaloid welches u. a. zur Förderung des Haarwuchses genutzt wird.

Bereits seit 2012 liefert der amerikanische Wissenschaftler Dr. Joe Vinson an der Scranton Universität, Pennsylvania, mit seinen Forschungsergebnissen Belege dafür, dass grüner Kaffee den Blutzuckerspiegel reguliert und Körperfett reduziert. So fand er durch eine Studie heraus, dass übergewichtige oder fettleibige Menschen, die Extrakte aus grünen Kaffeebohnen zu sich nahmen, in 22 Wochen über 10 % ihres Körpergewichts verloren. In einer weiteren Studie dokumentierte er die Auswirkungen von verschiedenen Dosen auf den Blutzuckerspiegel von 56 gesunden Männern und Frauen. Sie führten einen Glukose-Toleranz-Test durch, um zu sehen, wie ihr Körper auf Zucker reagiert. Dann nahmen sie über einen bestimmten Zeitraum 100, 200, 300 oder 400 Milligramm (mg) des grünen Kaffee Extraktes zu sich. Alle Dosen ließen eine bedeutende Blutzucker Reduktion im Vergleich erkennen. Der maximal gemessene Blutzuckerspiegel trat 30 Minuten nach Aufnahme des Zuckers auf und war 24 % niedriger als vor der Verabreichung des grünen Kaffee Extraktes (400 mg). Nach 120 Minuten war der Blutzuckerspiegel bei den Probanden bereits 31 % niedriger als im ersten Glukose-Toleranz-Test.

Brüht man Kaffee aus grünen Kaffeebohnen, so erhält man ein Getränk, das bitterer ist als die bekannte braune Variante und über weniger Aroma verfügt. Deshalb bieten inzwischen viele Hersteller grünen Kaffee Extrakt als Kapseln mit unterschiedlichem Chlorogensäure-Gehalt an. In gemahlener Form lässt sich die tägliche Dosis über Speisen streuen oder als Zutat in Müslis, Shakes und Smoothies verwenden. Wer seinen täglichen Kaffee aber wie gewohnt, jedoch als grüne Variante, zu sich nehmen und die Einnahme dadurch ganz einfach in den täglichen Ablauf integrieren möchte, greift am besten auf eine Mischung aus grünem Kaffee und anderen natürlichen Zutaten zurück, die gleichzeitig den Geschmack des Getränkes aufwerten. Solche Zutaten können beispielsweise Kakao oder Kokosmilchpulver sein. Als Pulver in heißes Wasser eingerührt, lassen sich so Genuss und Funktion miteinander verbinden.

Karoline Hondros
(erschienen in Ausgabe 37, Juli 2018)

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