Heimische Kräuter im Sommer

Aus frischen Sprossen des Ackerschachtelhalms lässt sich ein Nierentee herstellen Aus frischen Sprossen des Ackerschachtelhalms lässt sich ein Nierentee herstellen
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In der warmen Jahreszeit wirkt die Natur als großer Nutzgarten

Die Besonderheiten der heimischen Flora sind viele seltene und geschützte Pflanzen wie Knabenkräuter, sibirische Schwertlilie, Akelei, Waldhyazinthe etc. Viele „gewöhnliche“ Pflanzen gedeihen aber auch direkt vor der Haustür. 

Vielfach als „Unkräuter“ verunglimpt, sind diese aber auch Heil- oder Wildkräuter mit zahlreichen Inhaltsstoffen, die eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. 

Die frühe Wärme mit zum Teil monsunartigen Regenfällen im Juni spielt einer Pflanze in die Hände, die fast inflationär überall grünt und jetzt auch blüht. Dies ist der Giersch oder „Geißfuß“, welches die wörtliche Übersetzung aus dem griechischen Aego­podium ist, mit Hinweis auf die Form der Blätter, der sowohl am Waldrand als auch im Garten verbreitet ist und nicht unbedingt das Gärtnerherz beglückt. Scheinbar unausrottbar, da sich der Giersch unterirdisch ausbreitet. Allerdings ist er quasi fast ganzjährig zu nutzen. Am besten eignet er sich für die Küche als Salat, Spinatersatz oder in Quiches. Hier nimmt man am besten seine zarten und noch nicht ganz entfalteten jungen Blätter, die ein eindeutiges würziges Aroma aufweisen. Die jetzt blühenden Dolden locken u.a. den grün schillernden Rosenkäfer an. Durch die stoffwechsel­anregenden Inhaltsstoffe wurde er früher gegen das Zipperlein, die Gicht (Podagra), verwendet, worauf der lateinische Beiname Podagraria schließen lässt. Ein typisches Erkennungsmerkmal des Giersch-Blattes ist sein dreikantiger Stiel.

Der „stinkende Storchschnabel“ ist eine häufige Pflanze, die an Waldrändern und auch im Garten gedeiht. Durch seine ätherischen Öle vertreibt er Mücken und andere lästige Plagegeister und seine kleine rosa Blüte ist recht hübsch anzusehen. Als Erste-Hilfe-Mittel bei der äußeren Gehörgangsentzündung nach Schwimmausflügen wirkt der stinkende Storchschnabel antibakteriell. Er gehört zu den Geranien-Gewächsen und heißt auch Ruprechtskraut (Geranium robertianum).

Die gelben Blüten der Schwarzen Königskerze (Verbascum nigrum) fallen an der Rispe und zahlreichen dicht stehenden gelben Blüten mit dunkelroten Staubfäden an Wegrändern und sogar stark befahrenen Straßen, auf. Die Blüten enthalten Flavonoide und Schleimstoffe und machen sich sehr dekorativ in Salaten; therapeutisch als Tee gegen (Reiz-)Husten und Heiserkeit.

Der erdgeschichtlich sehr alte Schachtelhalm ist eine sehr inter­essante Pflanze, die Kieselsäure enthält, was ihr zu äußerster Stabiltät verhilft. Kieselsäure ist chemisch gesehen Silicium, das vor allem als Schüssler-Salz Silicea bekannt ist und auf das Bindegewebe wirkt. Die frischen Sprossen des Ackerschachtelhalms, von Mai bis August gesammelt, eignen sich zur Herstellung eines Tees, der als Durchspültherapie bei Nierenproblemen geeignet ist. Danach wurden die ausgekochten Pflanzenfasern früher zum Putzen des Zinngeschirrs benutzt, weshalb er auch Zinnkraut heißt. Der Name der Pflanze geht auf den Botaniker Carl von Linné zurück, der den Ackerschaltelhalm dem Aussehen nach als „Ackerpferdeschweif“ (lat. Equisetum arvense) benannte.

Die Schafgarbe mit ihren unzähligen zarten und filigranen Blütchen (lat. millefolium) und vielen Bitterstoffen wird als Kraut in Tees verwendet. Bitterstoffe sind appetitanregend und im Verdauungstrakt entkrampfend.  Schafe fressen gerne die Blätter dieser Pflanze gegen Blähungen: der deutsche Name als „Garbe des Schafs“ im Sinne von „Gesundmacher“ zeugt hiervon. Ihr lateinischer Name Achillea geht ebenfalls auf Carl von Linné zurück. Dieser bezog sich dabei auf Achill, den griechischen Helden, der seine Wunden damit behandelt haben soll. 

Heilpflanze des Jahres 2018 ist übrigens der gewöhnliche Andorn (Marrubium vulgare).

Silke Naumann
(erschienen in Ausgabe 37, Juli 2018)

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