Angst kann Ansporn sein

Angst ist sehr häufig ein Gefühl innerer Grenzen und negativer Erwartungen Angst ist sehr häufig ein Gefühl innerer Grenzen und negativer Erwartungen
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Glaubenssätze ändern und Weg zur persönlichen Reife finden

In der heutigen Zeit leidet eine große Zahl von Menschen unter Ängsten vielfältiger Art. Hinzu kommen Schreck- und Panik-Situationen durch unterschiedliche Auslöser, wie zum Beispiel der Verlust naher Angehöriger oder Trennung nach einer langjährigen Partnerschaft. Panik-Gefühle können ihre Ursache in tief verwurzelten Ängsten und Problemen aus der Kindheit haben.

Angst ist eher unbestimmter Natur, das heißt, sie beschleicht den Menschen aus der Ungewissheit heraus, z.B. vor Dunkelheit, vor Gespenstern bei Kindern, vor Unterführungen usw.. Auch die diffuse Lebensangst, die vor allem morgens bei Menschen in Krisensituationen und depressiven Menschen auftritt, zählt dazu. Sie ist eine Angst vor allen Anforderungen des Alltags und vor jeglicher Aktivität und hindert vom Grundgefühl, wichtige Schritte im Alltag zu tun. Sie geht mit dem Gefühl der Enge einher, dem Gedanken: „Ich fühle mich in meinen Möglichkeiten der freien Entfaltung eingeschränkt“.

In Wirklichkeit ist es oftmals eine Selbsteinschränkung, die ihre Wurzeln in früheren Situationen der Maßregelung, des Abgelehnt-Fühlens, des Liebes- und Aufmerksamkeitsentzuges, der Wut und Aggression durch Familie und andere Menschen hat. Einerseits kann Angst einen Schutz bieten vor den Folgen unbedachten oder unkontrollierten Handelns. Andererseits ist sie sehr häufig ein Gefühl innerer Grenzen und negativer Erwartungen. Sie kann daran hindern, mit Menschen und Situationen so umzugehen, wie man es sich von den innersten Bedürfnissen her wünscht. Sie zeigt sich im mangelndem Vertrauen, als Angst vor Wiederholung einer traumatischen Situation, als Angst vor Aufbrechen einer tiefsitzenden Verletzung sowie als Angst, anderen Menschen ausgeliefert zu sein. Aber auch Zustände von Lustlosigkeit und Flucht können Ausdruck von Angst sein. Immer aber tritt sie da auf, wo es um die grundlegende Entscheidung der Frage geht: „Soll ich beim alten, vertrauten Muster mit all seinen negativen Seiten bleiben oder den Schritt ins Neue wagen?“

Aus der Angst vor Wiederholung konfliktbesetzter oder traumatischer Situationen heraus haben sich Glaubenssätze entwickelt (z.B. „ich will immer ja sagen/brav sein, damit mich die anderen mögen“), die vom Kern der Persönlichkeit wegführen. So können sich die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht authentisch entfalten. Es sind Glaubenssätze, die als Programme der Konfliktvermeidung dienen. Die Angst reflektiert dabei einen inneren Gemütszustand, der in einer Situation auftritt, der man nicht oder noch nicht gewachsen ist. Angst zeigt, an welcher Seite der Persönlichkeit man sich unzulänglich oder unvollkommen fühlt und wo man an sich arbeiten oder reifen muss, um frei und selbstbewusst handeln zu können. Angst kann lähmend sein. Sie kann aber auch anspornen, durch dieses Gefühl hindurch zu gehen, es zu bewältigen und daran persönlich zu reifen. Besonders stark ist das Gefühl, wenn es darum geht, ob man einen Schritt ins Ungewisse wagen oder doch beim Vertrauten bleiben soll. Angst ist somit ein inneres Stehenbleiben an der Schwelle zu wichtigen Veränderungsprozessen. Aktuelle Ängste sind häufig Übertragungen aus der Vergangenheit auf gegenwärtige Menschen und Situationen. Oft genügt ein Schlüsselreiz (z.B. eine bestimmte Wortwahl oder ein Gesichtsausdruck), um in Sekundenschnelle eine alte Angst zu aktivieren und ein inneres Programm zur Vermeidung negativer Situationen auszulösen.

Ängste bestimmen in großem Maße das Leben. Umso notwendinger ist es, z.B. in der naturheilkundlichen und psychotherapeutischen Begleitung den richtigen Ansatzpunkt zu finden, an dem Betroffene sich weiter entwickeln können.             

Barbara Seubert
(erschienen in Ausgabe 36, März 2018)

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