Sozialrecht und seine Möglichkeiten

In speziellen Fällen kann bis ans Lebensende Kindergeld gewährt werden In speziellen Fällen kann bis ans Lebensende Kindergeld gewährt werden
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Durch entsprechende Maßnahmen die eigene Lage optimieren

Viele Leute suchen Berater oder auch Rechtsanwälte ausschließlich dann auf, wenn sie einen Problemfall mit einem Gegner, im Sozialrecht häufig mit einer Sozialbehörde, haben. So lang keine Schwierigkeiten vorhanden sind, wird sowohl die Ausgabe für den Anwalt gescheut als auch die Beschäftigung damit, dass sozialrechtliche Probleme auftreten können und man darauf tunlichst vorbereitet sein sollte.

Jenseits des 50. Lebensjahres oder bei Vorliegen anhaltender Gesundheitsprobleme oder Behinderungen sollte man sich auch dann beraten lassen, wenn man keine akuten Streitigkeiten mit Sozialbehörden hat. Häufig eröffnet unser Sozialsystem Ansprüche und Möglichkeiten, die man nicht erkennen kann, wenn man keinen professionellen Rat sucht. Weithin unbekannt ist zum Beispiel, dass für Menschen, die eine Behinderung bereits vor dem 18. Lebensjahr ausgebildet haben, bis an ihr Lebensende Kindergeld bezogen werden kann, soweit der Lebensunterhalt nicht selbst bestritten werden kann. Auch sollte man sich, wenn man das 50. Lebensjahr überschreitet, Gedanken darüber machen, wie hoch die zu erwartende Rente ist, welche Möglichkeiten einer Erhöhung der Rentenansprüche bestehen usw.. Darüber hinaus muss man auch rechtzeitig erwägen, ob man nach dem 55. Lebensjahr der gesetzlichen oder der privaten Krankenversicherung angehören möchte: Ein Wechsel ist nach Erreichen des 55. Geburtstages gewöhnlich nicht mehr möglich. Ansprüche für Unterstützung im Rahmen der Teilhabe am Arbeitsleben sind häufig ungenutzt. Auch Beratungsunterstützungs- und Fortbildungsansprüche müssen gegebenenfalls geltend gemacht werden. Gerade mit der so genannten Flexi-Rente und der in Zukunft anvisierten Flexibilisierung des Krankengeldes steigt der Beratungsbedarf.

Aufgrund derzeitiger öffentlicher Einschränkungen wird mehr Zeit zu Hause verbracht. Man sollte die Gelegenheit nutzen, sich umfassend über die eigenen sozialrechtlichen Belange zu informieren und gegebenenfalls durch entsprechende Maßnahmen die eigene Lage und die Planungen für die nächsten Jahrzehnte optimieren. Man sollte sich hierzu vor Augen führen, wie vielfältig die Beziehungen zu Sozialbehörden sein können: Auch Personen die nicht arbeitslos sind, können Leistungen des Arbeitsamts in Anspruch nehmen, was Fortbildung und Beratung angeht. Die Leistungen der Krankenkassen in Bezug auf Vorsorge und Prävention sind durchaus des Hinsehens wert und auch die Rentenversicherung trägt durch Teilhabemaßnahmen zu der Erhaltung der Arbeitskraft bei. Letztlich kann man auch bei den Berufsgenossenschaften umfassende Schulungsmaßnahmen und Beratung zu Gesundheit und Sicherheit des Arbeitsplatzes erhalten. Das ist besonders wichtig, weil die Einrichtung des Arbeitsplatzes im Home-Office in der Regel jedem selbst überlassen ist und vom Arbeitgeber kontrolliert werden müsste, tatsächlich aber kaum begutachtet wird. Die entsprechenden Beratungen werden zwar nicht von Rechtsschutzversicherungen bezahlt. Dennoch können sich die Ausgaben für eine Beratung lohnen, um z.B. Rentenansprüche zu optimieren oder Probleme im Umgang mit Krankenkassen möglichst früh zu erkennen und zu bekämpfen. Bei dieser Gelegenheit wird man gegebenenfalls auch entdecken, dass man sozialrechtliche Ansprüche bisher möglicherweise nicht optimal ausgenutzt hat.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, entweder eine Beratungsstelle des VdK oder einen entsprechenden Fachanwalt aufzusuchen. Auch dann, wenn man gerade keine Probleme hat. Auf diese Art und Weise wird der Entstehung von Rechtsstreitigkeiten vorgebeugt und man ist einigermaßen sicher, Ansprüche, die der Staat einem einräumt, auch wirklich hinreichend geltend zu machen.                

Stefan Conrads
(erschienen in Ausgabe 43, Juli 2020)

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