Ansprüche bei Arbeitsunfall

Versicherungsschutz besteht für alle Schüler und Kindergartenkinder Versicherungsschutz besteht für alle Schüler und Kindergartenkinder
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Gesetzlicher Unfallversicherungsschutz mit oft überraschendem Umfang

Die gesetzliche Unfallversicherung schützt vor allem Arbeitnehmer, die im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit Unfälle haben. Dabei ist nicht nur der einzelne Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz geschützt, sondern auch der Weg von und zur Arbeit. Dabei gibt es jedoch eine Reihe von Besonderheiten, die es zu beachten gilt und die böse Überraschungen vermeiden helfen. 

Zu beachten ist bei den sogenannten Wegen von und zur Arbeit besonders, dass nur dieser Weg selbst versichert ist, also der direkte Weg von der eigenen Haustür bis zum Arbeitsplatz, wobei der Versicherungsschutz erst beginnt, wenn man das eigene Haus schon verlassen hat. Umwege oder Abweichungen vom Weg sind grundsätzlich nicht versichert. Das betrifft auch solche Umwege, die eigentlich mit der Arbeit zu tun haben, wie das Betanken des vom Arbeitgeber gestellten Dienstkraftfahrzeugs. In solchen Fällen ist man nur bis zur Anfahrt an die Tankstelle und nach dem Verlassen der Tankstelle auf den Berufsweg wieder versichert, nicht aber auf dem Weg, den man abseits des eigentlichen Berufswegs zur Tankstelle zurücklegen muss und nicht während des Tankvorgangs auf den Gelände der Tankstelle. 

Das gleiche gilt natürlich für alle Besorgungen, die man etwa auf den Berufswege nebenher durchführt. Der erkältete Mitarbeiter, der sich auf den Weg in die Arbeit schnell noch Nasenspray und Halswehtabletten holen will, ist nur bis zur Abzweigung zur Apotheke versichert und wenn er den Hauptweg wieder erreicht hat. 

Auch das Abliefern von Kindern in einer Kita oder bei Pflegeeltern ist nicht versichert. Während der Arbeit ist man während Arbeitspausen, z.B. weil man als Raucher den Arbeitsplatz verlässt, um im Freien zu rauchen, nicht versichert und auch nicht beim Gang zur Toilette und auf dem Rückweg zum Arbeitsplatz. Dies hat das Bundessozialgericht jüngst erst entschieden. 

Dafür gibt es eine ganze Reihe von Umständen, in denen eine entsprechende Versicherung gegeben ist und die Personen, die hier versichert sind, meistens vom Versicherungsschutz sogar überrascht werden: Gesetzlicher Versicherungsschutz besteht für alle Schüler und Kindergartenkinder, für alle Personen, die ehrenamtlich tätig sind – sei es, dass sie im Kirchenchor singen oder eine Jugendmannschaft ausbilden – oder ähnliches. Gesetzliche Unfallversicherungsschutz besteht auch für alle Ersthelfer. Sollte man sich im Zusammenhang mit einer Ersthilfe bei einem Unfall verletzen, stehen einem die Ansprüche eines gesetzlich Versicherten zur Seite. 

Wenn ein Unfall passiert ist, ist es wichtig, den erstbehandelnden Arzt sofort darauf hinzuweisen, dass gesetzlicher Unfallversicherungsschutz bestehen kann. Der Arzt wird dann die verunfallte Person zum D-Arzt (Durchgangsarzt) schicken. Dabei ist es wichtig, dass dieser möglichst umfassend über den Ablauf der Verletzung und die entsprechenden Probleme informiert wird. Es ist ungewöhnlich schwierig, auch wahre Tatsachen, die im Durchgangsarztbericht nicht erwähnt werden, später noch in ein Verfahren einzuführen.

Ohne dass die vorherige Aufzählung Vollständigkeit beanspruchen könnte, darf letztlich noch darauf hingewiesen werden, dass gesetzlicher Unfallversicherungsschutz auch während aller Reha-Maßnahmen besteht, wie sie von der Rentenversicherung oder den Berufsgenossenschaften durchgeführt werden. Für Unfälle in einer solchen Rehaklinik ist auch wieder die Berufsgenossenschaft zuständig.

Sollte man sich im Einzelfall im Zweifel darüber sein, ob für einen bestimmten Unfall Versicherungsschutz besteht oder nicht, erscheint eine Beratung angebracht. Die Berufsgenossenschaften und Fachanwälte für Sozialrecht stehen zu dieser Beratung bereit.               

Stefan Conrads
(erschienen in Ausgabe 40, Juli 2019)

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