Natur als Quelle der Kraft

Eine Schlüsselblume kann Türen zum Unterbewusstsein öffnen Eine Schlüsselblume kann Türen zum Unterbewusstsein öffnen
Foto: Ilona Baur

Wie die Verbindung zu Mutter Erde nähren und stärken kann

Durch die alltäglichen wie beruflichen Anforderungen fühlen sich immer mehr Menschen überlastet und sehnen sich nach Ruhe und Ent­spannung. Oft werden die Auszeiten jedoch in einem Umfeld erlebt, das weiter vibriert. Der Wunsch auf nachhaltige Erholung bleibt dabei unerfüllt. Bei Freizeitaktivitäten wird die Natur oft nur zum Schauplatz des Geschehens und bildet den grünen Rahmen im Hintergrund.

Wenn wir uns still an einen Baum lehnen, im Gras sitzen, an Plätzen innehalten, die uns intuitiv anziehen, dann öffnen sich Räume jenseits des Alltags, in denen innere Ruhe einkehren kann. Bewusst in die Natur zu gehen, die Wiesen und Wälder mit allen Sinnen wahrzunehmen, bringt den natürlichen Fluss in uns wieder zum Fließen.

Der Atem kann freier werden und sich ein Gefühl von Ver­bundenheit einstellen. Wenn wir uns vorstellen, dass die Bäu­me ausatmen, was wir Menschen einatmen und umgekehrt, dann wird die Sym­biose zwischen Mensch und Baum spürbar und die Be­deutung der Wälder als grüne Lungen. Mittlerweile ist die heilsame Wirkung des Waldes auf den Menschen nachgewiesen und das „Waldbaden“ wird präventiv wie therapeutisch angeboten.

Zunehmend verspüren viele Menschen den Wunsch, die grüne Fülle detaillierter kennen zu lernen. Was wächst in unseren Feldern und Wäldern? Welche Bedeutung, Nutzen und Heilkraft haben Bäume, Sträu­cher, Pflanzen? In diesem Bereich können uns die Kräuter- und Wurzelkun­digen den Blick weiten. Das Erkunden der Pflanzenwelt bietet ein weites Feld von Erkenntnis­mög­lichkeiten, beispielsweise die tiefere Betrachtung von Pflanzen anhand einer Art Zeichensprache, der Sig­naturenlehre. Diese Signaturen lassen Analo­gien herstellen, anhand derer sich die innewohnenden Heilkräfte zeigen. In den gelben Blüten des Johanniskrautes können wir die Kraft der Sonne erkennen und damit die stimmungserhellende Wirkung, besonders für die dunkeln Lebensphasen. Jede Heilpflanze wirkt neben der körperlichen Ebene auf die Seele. So kann eine Eiche die Tatkraft fördern und eine Linde die Sanft­mut, eine Schlüsselblume Türen zum Unterbewusstsein öffnen, eine Königskerze den Rücken stärken und Nega­ti­ves wandeln. Sich der „Sprache der Natur“ zu widmen sind Schlüssel für Heilung, Selbstver­antwortung und Urver­trauen.

Auch das Interesse, sich aus der Natur zu ernähren, wird wieder entdeckt und erfährt eine neue Wertigkeit. Wild­ge­müse ist kein Fremdwort mehr, Gerich­te wie Brenn­nes­sel­spinat finden sogar in Gourmetküchen Anklang, für „grüne Smoothies“ laufen Mixer auf Hochtouren. Dahinter steht das Erkennen, das einige Wildkräuter von den Inhaltstoffen vergleichsweise hochwertiger sind als kultiviertes Biogemüse. So ist der Vitamin A Gehalt einer wilden Malve oder der Eisengehalt in Knopfkraut und Vogelmiere wesentlich höher als in uns bekannten Gemüsen. Es ist eine Bereicherung für unsere Ernährung, einige vitalisierende Wildkräuter zu kennen.

Das Wissen um die Verbindung zwischen Mensch und Natur, Pflanzenwesen, Tieren und den ökologischen Zusammenhängen sind das Fundament für einen bewussten Umgang mit Mutter Erde. Das Weitergeben dieses Wissen ist das Erbe der Generationen. Waldkindergärten und Naturschulen haben diese Notwendigkeit bereits aufgegriffen. Sie vermitteln das achtsame Leben in und mit der Natur. Kinder entdecken Werte und Fähigkeiten, die im heutigen Schulsystem und in der virtuellen Welt leider kaum Raum finden. Mit der Natur und ihren Rhythmen in Verbindung zu sein und von der Natur zu lernen, nährt unsere Wurzeln und heilt das Gefühl von Getrenntsein. Das nahende Frühjahr steht für den Neubeginn, eine gute Chance, die Natur wie unsere eigene Naturverbundenheit  neu zu erleben.                          

Ilona Baur
(erschienen in Ausgabe 39, März 2019)

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