Grün macht glücklich

Ein langer Spaziergang durch Wald und Flur erfrischt die Seele Ein langer Spaziergang durch Wald und Flur erfrischt die Seele
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Durch die Farbe der Natur kommt der Geist zur Ruhe

Das menschliche Auge sieht in der Farbe Grün mehr als nur eine Farbe. Grün ist häufig ein Symbol für den Wert der Natur und vermittelt die Verbundenheit zur Umwelt. Grün gilt als beruhigend, als Farbe des Lebens, des Friedens und der Entspannung. Frühlingshaftes Hellgrün, warmes sommerliches Dunkelgrün, frisches Mintgrün – jeder Ton hat einen positiven Einfluss auf die mentale Gesundheit. 

Die Pflanzen, die ja die größte Nahrungsquelle darstellen, sind grün. Viele Gesundheitsratgeber raten zur Grünen Diät. Dem grünen Pflanzenfarbstoff Chlorophyll wird eine reinigende Wirkung des Körpers und eine Verfeinerung der Wahrnehmung und der Sinne nachgesagt. Besonders empfehlenswert ist die Grüne Diät im Frühling, wenn der Körper besonders dankbar auf Reinigung von innen reagiert. Es geht noch weiter mit dem Grün. Jeder kennt das erholsame Gefühl nach einem langen Spaziergang durch Wald und Feld. Physiologisch steckt dahinter noch viel mehr als nur Bewegung und frische Luft. Die hohe Luftqualität vor allem im Wald und die Reduktion der Luftschadstoffe führen zur Entlastung von Atemwegen und Haut sowie zu einer positiven Wirkung auf Herz und Gefäße. Die Seele fühlt sich erfrischt, denn spezielle Lichtverhältnisse führen zur Verbesserung der Stimmung. Der Wald vermittelt Geborgenheit. Wiesen, Pflanzen, Bäume und der Waldboden sowie die Erde tun ebenfalls der Seele gut. Doch wie entsteht dieses Glücksgefühl im Grünen?

Durch die Wahrnehmung der Pflanzen, den Steinen, dem Boden, dem Wetter mit Sonne, Wolken, Wind und Regen kann das ständige Gedankenfeuer gedimmt werden. Das Selbsterleben nahe an den Elementen ermöglicht das Spüren des eigenen Körpers und der Seele und so können durch diese Nähe heilsame Prozesse im Inneren des Menschen stattfinden. Selbst wenn es dabei körperlich anstrengend ist oder vielleicht genau deswegen, kommt der Geist zur Ruhe. Auch das Grün der Natur beruhigt die Gedanken. Der Geruch der Pflanzen, das Hören der Geräusche vom Rauschen der Blätter, der Insekten oder der Vögel, das Sehen der Weite oder das sich wiegende Korn im Feld sind eigene Sinneswahrnehmungen und Momente des Wohlempfindens. Der Geist, die Instanz die alles verstehen will, durchdenken und planen muss, ist hier weitestgehend ausgeschaltet. Sie kann endlich Pause machen mit dem, was sie am Besten kann: Denken und durch das immerwährende Denken Probleme erschaffen. 

In Kommunikation mit der Natur können Antworten und innere Botschaften im Hier und Jetzt gefunden werden. Sie entstehen durch das Einlassen auf sich selbst und den bewußten Kontakt mit der Natur. Hilfreich ist, ohne Ablenkung sich ins Grüne zu begeben. Im Verzicht auf ein konkretes Ziel oder eine schnelle Mountainbike-Tour findet die Seele Gelegenheit, auf den Themen zu kauen, die uns im Inneren beschäftigen und diese zu verdauen. Durch das Offensein für das was uns die Natur zeigt, entstehen symbolische Antworten für die Fragen, die uns beschäftigen. Ganz leicht und ohne gedankliche Anstrengung, so weich und sanft wie das Frühlingsgrün können die Antworten aus dem Lymbischen System kommen, dort wo die Gefühle wohnen und entstehen. Das Erleben von Verbindung und Eingebunden sein, von nicht anders sein und nicht auffallen können, kann von essenzieller Bedeutung für die Seele sein. In der Natur gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“. Sie empfängt jeden Menschen so wie er ist. Sie urteilt nie über das Aussehen, die Kleidung, auch ist ihr das Alter egal. Alle Weisheit und Klarheit liegt in dem Erlebten. Für jeden Menschen kann dieses Erleben anders sein, für alle ist aber die Empfindung gleich – das Gefühl des Glücks im Grünen.                          

Barbara Seubert
(erschienen in Ausgabe 39, März 2019)

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