Leistungsanspruch nach Arbeitsunfall

Nach einem Arbeitsunfall sollte man möglichst unverzüglich den Durchgangsarzt konsultieren Nach einem Arbeitsunfall sollte man möglichst unverzüglich den Durchgangsarzt konsultieren
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Wichtige Einzelheiten beachten und finanzielle Nachteile vermeiden

Wenn man einen Unfall in der Arbeit hat, können Probleme mit der gesetzlichen Unfallversicherung entstehen. Häufig werden entsprechende Vorfälle erst nach Monaten oder Jahren an die Berufsgenossenschaft herangetragen und dann bestehen große Beweisschwierigkeiten. Um Nachteile zu vermeiden, sollten wichtige Einzelheiten beachtet werden. 

Man ist wesentlich häufiger gesetzlich unfallversichert, als man meint. Oft ist nur bekannt, dass die gesetzliche Unfallversicherung bei Unfällen eingreift, die in der Arbeit oder auf dem Weg dorthin passieren. In diesem Zusammenhang muss aber ausdrücklich erwähnt werden, dass gesetzliche Unfallversicherung auch bei allen schulischen Tätigkeiten und Kindergartentätigkeiten für Kinder und Jugendliche besteht, dass es einen gesetzlichen Unfallversicherungsschutz bei ehrenamtlichen Tätigkeiten in kirchlichen, sportlichen oder sozialen Bereichen gibt und dass man gesetzlich unfallversichert ist, wenn man als Ersthelfer einem Verunfallten hilft und sich dabei selbst verletzt. Es ist wichtig, immer daran zu denken, dass gesetzlicher Unfallversicherungsschutz in allen Bereichen, in denen man sich in der Öffentlichkeit bewegt, gegebenenfalls denkbar ist.

Besondere Schwierigkeiten treten immer wieder auf, wenn sogenannte Wegeunfälle stattfinden. Dabei gefährden jeder Umweg, jede Fahrunterbrechung und jede Abweichung vom direkten Fahrweg den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz. Die entsprechende Abweichung kann sinnvoll und gerechtfertigt erscheinen, so zum Beispiel das Anfahren einer Tankstelle auf dem Weg zur Arbeit. Jedoch ist vom Einfahren in die Tankstelle bis zur Ausfahrt der Fahrweg nicht versichert. Auch wenn man unterwegs bei einer am Weg liegenden Apotheke anhält, um benötigte Medikamente für das Durchhalten des Arbeitstages zu kaufen, ist der Weg in die Apotheke und der Aufenthalt in der Apotheke nicht versichert. Es ist also sinnvoll, eventuelle Einkäufe, Erledigungen oder auch sonstige Umwege auf Zeiten zu verlegen, in denen man nicht direkt zur Arbeit fährt oder von dort kommt.

Wenn ein Unfall passiert ist, ist es wichtig, den erstbehandelnden Arzt sofort darauf hinzuweisen, dass gesetzlicher Unfallversicherungsschutz bestehen kann. Der Arzt wird dann die verunfallte Person zum D-Arzt (Durchgangsarzt) schicken. Dabei ist es wichtig, dass dieser möglichst umfassend über den Ablauf der Verletzung und die entsprechenden Probleme informiert wird. Es ist ungewöhnlich schwierig, auch wahre Tatsachen, die im Durchgangsarztbericht nicht erwähnt werden, später noch in ein Verfahren einzuführen.

Es ist kann ausgesprochene Probleme verursachen, sich nach einem Berufsunfall nicht sofort zum Durchgangsarzt zu begeben. Es gibt eine Reihe von Fällen, in denen große Schwierigkeiten entstanden, die an sich gerechtfertigten Ansprüche des Patienten durchzusetzen, wenn dieser aus falsch verstandener Treue zum Arbeitgeber oder weil er einfach denkt, dass der entsprechende Schmerz schon vor­übergehen werde, sich nicht noch am Unfalltag zum Durchgangsarzt begibt und dort auf einer umfassenden Untersuchung besteht. Wenn man erst nach 14 Tagen oder 3 Wochen, weil z. B. die Schmerzen an der Wirbelsäule oder an der Schulter nicht aufhören, zum Arzt geht, lässt sich in aller Regel die Verursachung durch den Berufsunfall nicht mehr beweisen. Man hat dann die Ansprüche aus dem Unfallversicherungsschutz verloren, obwohl diese ursprünglich vorhanden gewesen wären.

Sollten sich Schwierigkeiten mit der Unfallversicherung bei der Abwicklung von Berufsunfällen ergeben, sollte man sich geeignete Beratung suchen, zum Beispiel bei einem Anwalt.

Stefan Conrads
(erschienen in Ausgabe 38, November 2018)

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