Hinzuverdienstgrenzen neu geregelt

Bei der Altersrente gibt es keine Hinzuverdienstgrenzen mit Rentenstufen mehr Bei der Altersrente gibt es keine Hinzuverdienstgrenzen mit Rentenstufen mehr
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Verschiedene Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten bei komplizierten Bestimmungen

Zum 30. Juni 2017 sind die alten Hinzuverdienstgrenzen außer Kraft getreten, Erwerbsminderungsrentner haben jetzt neue Gestaltungsmöglichkeiten beim Hinzuverdienst zu Erwerbsminderungsrenten. An die Stelle der früheren Regelungen, wonach in Abhängigkeit vom Hinzuverdienst ¼, ½ oder ¾ Rente hinzu bezahlt wurde, stehen jetzt Jahreshinzuverdienstgrenzen.

Ab 1. Juli beträgt die jährliche Hinzu-verdienstgrenze für die Zahlung der Rente wegen voller Erwerbsminderung in voller Höhe ebenso wie für den Bezug einer vorzeitigen Altersrente in voller Höhe 6.300,00 EUR. Liegt der Hinzuverdienst daher unter 6.300,00 EUR pro Jahr, so bleibt es bei der vollen Zahlung der Erwerbsminderungsrente.

Sollte der Hinzuverdienst höher sein, ist zunächst zu ermitteln, welchen Höchstbruttoverdienst der Rentner innerhalb der letzten 15 Jahre vor Renteneintritt hatte. Dieser Betrag gilt dann als Grenze für den Erwerb aus Hinzuverdienst und Rente. Hat der Rentner also zum Beispiel im Jahr 2008 (das war vor 10 Jahren) diesen Höchstbruttoverdienst erreicht und dabei 36.000,00 EUR verdient, so darf er nunmehr aus Hinzuverdienst und Rente zusammen nicht mehr als 36.000,00 EUR erhalten.

Damit die entsprechende Überschreitung nicht stattfindet, kann der Rentner vorab wählen, in welcher Höhe er die Erwerbsminderungsrente in Anspruch nehmen will, er kann also von vorneherein sagen, dass er nur zum Beispiel 40 Prozent der Rente erhalten will, weil er den Rest bis zu dieser Höchstverdienstgrenze aus einem Hinzuverdienst erwirbt. Jeweils am Ende des Jahres wird dann festgestellt, ob diese Höchstverdienstgrenze überschritten wurde oder nicht. Sollte dies der Fall sein, muss der Rentner an die Rentenversicherung etwas zurückbezahlen. Sollte dies nicht der Fall sein, verbleibt das Geld beim Rentner. 

Diese Regelung stellt insoweit eine Verbesserung dar, als unterjährig Hinzuverdienstschwankungen sich nunmehr nicht mehr unmittelbar auf die Rentenhöhe auswirken. Lediglich einmal im Jahr wird geprüft, ob die Höchstgrenze der Summe aus Rente und Hinzuverdienst überschritten ist. Die entsprechenden Regelungen sind zugegebener Maßen kompliziert, bei einer Teilerwerbsminderungsrente werden die Regelungen noch komplizierter.

Auch für die Altersrentner ist der Übergang vom Berufsleben in die Altersrente neu geregelt. Ebenso wie bei der Erwerbsminderungsrente gibt es keine Hinzuverdienstgrenzen mit Rentenstufen mehr. Auch hier liegt die Jahreshinzuverdienstgrenze grundsätzlich zunächst bei 6.300,00 EUR. Hier wird der Hinzuverdienst stufenlos bei der Rente berücksichtigt, dazu ein Beispiel:

Bei einem Rentenbeginn am 1. Januar 2018 und einer Altersvollrente von 1.300,00 EUR wird die Regelaltersgrenze im Februar 2019 erreicht. Im Jahr 2018 hat der Rentner 30.300,00 EUR Hinzuverdienst. Die Teilrente für die Bezugszeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2018 wird wie folgt berechnet:

1. Kalenderjährllcher Hinzuver­dienst 30.300,00 EUR

2. Abzüglich Hinzuverdienstgrenze      6.300,00 EUR

zu berücksichtigender 

kalenderjährlicher Hinzuverdienst     24.000,00 EUR

Das ergibt einen monatlichen Hinzuverdienst von 2.000,00 EUR (24.000,00 EUR : 12) und einen anzurechnenden monatlichen Hinzuverdienst von 800,00 EUR, denn 40 Prozent des monatlichen Hinzuverdienstes werden bei der Altersrente angerechnet. Der Rentner erhält also statt 1.300,00 EUR Rente nur 500,00 EUR neben seinem Hinzuverdienst von 30.300,00 EUR. Er stellt sich also als Rentner um 6.000,00 EUR pro Jahr besser als ein normaler Erwerbstätiger. Auch hier sind die Regelungen im Einzelnen sehr kompliziert. In vielen Fällen bestehen Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Professionelle Hilfe bei einer Rentenberatungsstelle oder einem Anwalt sollte in Anspruch  genommen werden.      

Stefan Conrads
(erschienen in Ausgabe 37, Juli 2018)

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