Kinder als Helfer und Wegweiser

Kinder liebevoll auf ihrem Weg begleiten Kinder liebevoll auf ihrem Weg begleiten
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Liebevoller Umgang mit dem Nachwuchs zum beiderseitigen Nutzen

„Wir lieben Menschen, die frisch heraussagen, was sie denken – falls sie das gleiche denken wie wir.“ Dieser Satz von Mark Twain trifft auf die typischste Eigenschaft von Kinder zu: Forsch plaudern, was einem gerade durch den Kopf geht, die Meinung mitteilen, egal, wie dies beim Gegenüber ankommt. Vor allem auf kleine Kinder trifft das zu. Sie sind gnadenlos ehrlich…

Weil sie offen sind, sind Kinder so geeignet, von und mit ihnen zu lernen. Dies beginnt von Anfang an. Bereits in der Schwangerschaft ist ein Großteil der Mütter freiwillig bereit, auf bestimmte Dinge zu verzichten, z. B. Alkohol, Zigaretten,… Sie ernähren sich gesünder, um ihrem Kind einen guten Start zu ermöglichen. Bereits im Mutterleib entsteht eine einzigartige Verbindung.

Mit der Geburt eines Kindes ändert sich alles. Spätestens jetzt ist man „erwachsen“, für jemand anderen verantwortlich, stellt sich selbst erst einmal hintan. Überraschend schnell sind sämtliche Unannehmlichkeiten von Schwangerschaft und Geburt vergessen. 

Steckt man allerdings gerade in einer Situation fest, z. B. nächtliches Schreien, kann alles zum Drama mutieren. Zum Beispiel führen Schlafentzug und hoher Erwartungsdruck (meist an sich selbst) zuverlässig zu Überforderung. Man erkennt sich selbst nicht mehr, ist zu Handlungen in der Lage, die man sich selbst nie zugetraut hätte. Im positiven wie im negativen Sinne. Genau hier gilt es Wege und Lösungen zu finden.

Erwachsene sind stolz auf ihr Verhandlungsgeschick, auf diplomatisches Taktieren. Im Umgang mit Kindern bringt das meist reichlich wenig. Sie schauen direkt ins Herz. Intuitiv führen sie Erwachsene regelmäßig an ihre Grenzen. Dank ihnen lernen Eltern Ehrlichkeit, wahres Vertrauen und vor allem, eine zuverlässige, natürliche Autorität zu sein. Nur dann werden Kinder „folgen“. Karl Valentin brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen unsere Kinder nicht zu erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“

Viele wollen ihre Kinder nach ihrem Willen formen, deren Persönlichkeit nach ihren Wünschen bilden, anstatt sie liebevoll auf ihrem Weg zu begleiten, damit diese ihr eigenes Potential und ihre Talente leben können. Oft fühlen sich die Kinder verpflichtet, die Träume und unerfüllten Lebensbereiche ihrer Vorfahren ausleben zu müssen, obwohl dies für sie so nicht vorgesehen ist. Das geschieht unbewusst und führt zu Schwierigkeiten auf allen Seiten. 

Generell sind Menschen stark durch ihr Unterbewusstsein gesteuert. Das nahe Umfeld, z. B. Partner, Freunde und vor allem Kinder (weil sie einem so unvergleichlich und unwiderrufbar nahe stehen) haben sich (ebenfalls unbewusst) dazu bereit erklärt, persönliche Einstellungen, Glaubensmuster und Themen, welche für einen selbst bewusst wie unsichtbar sind, deutlich zu zeigen, um so beim Lernen zu helfen. Immer wenn etwas „nervt“, d. h. wenn man damit in Resonanz gehen, betrifft es einen selbst. 

Gerade gesundheitliche Themen (Allergien, Krankheitssymptome,…) gehen sehr oft körperlich auf die Kinder über, weil Eltern sie dann deutlicher erkennen und zur Aufarbeitung dessen schier gezwungen sind, was sie an sich selbst noch lange ignoriert hätten. Das Wohlergehen der Kinder ist schließlich wichtig, was Vater und Mutter sensibilisiert und die Handlungsbereitschaft immens anregt.

Geduld, wahre Liebe, innerer Frieden, Selbstbewusstsein, Dankbarkeit, Demut –  das sind unter anderem Fähigkeiten, welche man durch einen kompetenten, konsequenten und liebevollen Umgang mit Kindern auf höchstem Niveau und zum beiderseitigen Nutzen lernen kann. Das Vorbild der Erwachsenen prägt die nächste Generation. Das sollte man sich immer vor Augen führen!              

Claudia Lahr
(erschienen in Ausgabe 37, Juli 2018)

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