Der Atem des Lebens

Kinder sollen sich vom Atembewusstsein der Mutter lösen Kinder sollen sich vom Atembewusstsein der Mutter lösen
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Solares und lunares Prinzip als Grunddisposition bei Neugeborenen

Von Anbeginn an gelten Naturgesetze für das Leben auf der Erde. So bildet der Atem in Verbindung mit Stoffwechsel, Bewegung, Sprache und Selbstausdruck eine untrennbare Einheit im Menschen.

Für die Entwicklung vom Kindsein zum Erwachsenen sind zweierlei Aspekte der Atemenergetik von zentraler Bedeutung: Der Leih­atem der Mutter und das solare/lunare Atemprinzip. Es handelt sich um Prägungen, die das Kind während der Schwangerschaft und im Moment seiner Geburt erhält. Über die Nabelschnur versorgt jede Mutter ihr Ungeborenes mit allen lebenswichtigen Nährstoffen. Doch sie „leiht“ ihm auch ihren Atem, sodass es vom Zeitpunkt der Empfängnis bis hin zur Geburt im mütterlichen Atemrhythmus schwingt. Über den Atem gibt die Mutter jede eigene Befindlichkeit an das Ungeborene weiter. 

Der mütterliche Leihatem oder auch Mutteratem wirkt dabei prägend auf das ungeborene Bewusstsein ein. Positive Gefühle weiten den kindlichen Brust- und Flankenatem. Hingegen verursachen beängstigende, schmerzvolle und deprimierende Zustände dort eine Hemmung. Aufgabe des Kindes ist es, unmittelbar nach der Geburt in seinen eigenen, von der Mutter unabhängigen Rhythmus zu finden, die eigene Atemkraft zu entfalten und dadurch ein „eigen“sinniges Bewusstsein zu entwickeln. Wie ihm die natürlichen Schritte gelingen, sodass es nicht im Mutteratem verbleibt, bestimmt sein zukünftiges Erdenleben. Unterschiedliche Ursachen können Hindernisse im Loslösungsprozess darstellen wie beispielsweise ein ungelöster Konflikt zwischen Mutter und Kind oder ein getrübtes Vater-Mutter-Kind-Verhältnis, eine schwierige Schwangerschaft u.v.m. Hier helfen rhythmische Atemübungen, die Kinder ab dem 6. Lebensjahr unter der Anleitung eines Erwachsenen durchführen können. Damit stärken sie die Kraft ihres Eigenatems und können sich leichter vom Atem-Bewusstsein der Mutter lösen, um an Eigenständigkeit, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu gewinnen sowie ein intaktes Immunsystem aufzubauen. 

Sonne und Mond bringen aufgrund ihrer gegensätzlichen Wirkung zwei Arten von Lebensrhythmen hervor: Den sonnen- (solar) und mondbetonten (lunar) Atem. Geburtsmoment und erster Atemzug sind ausschlaggebend für eine lebenslang wirkende Grunddisposition beim Neugeborenen. Vorherrschende Lichtverhältnisse, bedingt durch den Einfluss von Sonne und Mond, regen im Augenblick der Geburt das Atemzentrum im Gehirn des Kindes an, sobald es den dunklen Geburtskanal verlässt. Unabhängig davon, ob die Geburt im Kreiss­saal und unter Neonlicht stattfindet. Das Neugeborene reagiert auf das Naturgesetz und folgt je nachdem, ob der Sonnen- oder Mondeinfluss überwiegt, ab diesem Zeitpunkt dem solaren oder lunaren Atemprinzip. Es vollzieht entweder eine intensive Ein- und entspannte Ausatmung oder umgekehrt. Im Idealfall berechnen Eltern die Sonnen- und Mondanteile bei der Geburt. Denn die zwei gegensätzlichen Atemvorgänge verursachen unterschiedliche Verhaltensweisen und Bedürfnisse als Auswirkungen auf Ernährung, Stoffwechsel, Körperhaltung, Händigkeit, Bewegungsrhythmus und Selbstausdruck. Indem man das Atemprinzip eines Kindes in seiner Entwicklung beachtet, gibt man ihm die Botschaft, dass es sich seinem individuellen Wesen entsprechend optimal entfalten darf.

Sich vom Atembewusstsein der physischen Mutter zu befreien, bildet die Essenz auf dem Weg zu sich selbst. Es bedeutet erwachsen zu werden und gebundene Energie in freie zu verwandeln, die zur Selbstverwirklichung benötigt wird. Bei Erwachsenen kann eine spezielle  systemische Aufstellungsarbeit zur Überprüfung der eigenen Atemkraft dienen. Sie macht deutlich, wie sehr sich jemand in seinem Eigenatem oder noch im Mutteratem befindet und lässt Veränderung erleben.                     

Dagmar Neff
(erschienen in Ausgabe 33, März 2017)

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