Geachtete Mitgeschöpfe

Tiere nehmen das Gefühlsleben von Menschen wahr Tiere nehmen das Gefühlsleben von Menschen wahr
Bild: Fuchsreiter

Tierpsychologische Erkenntnisse fördern Wohlergehen der Vierbeiner

Bei vielen Naturvölkern hatten und haben Tiere einen sehr hohen Stellenwert. Sie werden als Mitgeschöpfe geachtet und es ist eine Selbstverständlichkeit, sie als Lebewesen mit der Einheit Körper, Geist und Seele zu betrachten.

In der westlichen „zivilisierten“ Gesellschaft herrschte lange die Meinung, Tiere seien Wesen, die weder denken noch fühlen können. Erst vor etwa 70 Jahren begann man das Verhalten und somit die Denkweise der Tiere zu erforschen und daraus entwickelte sich der Begriff "Tierpsychologie".

Tierpsychologie bedeutet aber nicht nur, einem Tier etwas beizubringen oder eine Verhaltensweise zu ändern. Natürlich ist es wichtig, Tieren gewisse Regeln zu vermitteln und ein Maß an Erziehung beizubringen, jedoch sollte immer auf die Individualität des einzelnen Tieres geachtet werden. Denn was in einem Fall zum Erfolg führt, kann in einem anderen völlig kontraproduktiv sein! Außerdem ist es enorm wichtig, dass verschiedene Gesichtspunkte nicht außer Acht gelassen werden. Eine große Rolle in der Verhaltensentwicklung kann die pränatale (vorgeburtliche) Phase spielen. Negative Erlebnisse, Stress, Angst und viele andere Einflüsse kann das Ungeborene bereits im Mutterleib aufnehmen. Ebenso wichtig ist die sogenannte Präge- und Sozialisierungsphase. Wenn diese Phasen nicht positiv verlaufen oder eine zu frühe Trennung von der Mutter vollzogen wird, hat dies meist gravierende Folgen für das spätere Leben.

Beachtenswert ist auch, daß Tiere das Gefühlsleben und Wesen des Menschen auf eine besondere Art wahrnehmen können. Dies hat zur Folge, dass sie sich von manchen Leuten dis­tanzieren oder oftmals den Tierbesitzer spiegeln. Hinzu kommt, dass Tiere immer die wahre Energie des Menschen spüren und mit entsprechendem Verhalten darauf reagieren. Es bedarf also einer genauen Beobachtung von Tier und Mensch sowie einer gewissen Intuition, um das Verhalten eines Tieres lesen und beurteilen zu können.

Oft ist die Bindung zwischen Mensch und Tier so stark, daß eine vorübergehende Trennung für beide Seiten sehr belastend sein kann. Tiere spüren dies bereits oft im Vorfeld und reagieren entsprechend. Deshalb ist es wichtig, für eine optimale Unterbringung der Tiere zu sorgen, wenn eine zeitliche Trennung bevorsteht. Während Hunde, da es Rudeltiere  sind, meist  die Gesellschaft von Artgenossen lieben, wirkt sich dies bei Katzen eher negativ aus. Sie gelten primär als Einzelgänger und nur selten kann man in freier Natur beobachten, dass fremde Katzen untereinander in kurzer Zeit Freundschaften schließen. Deshalb ist es sehr wichtig, Katzen die sich nicht kennen in getrennten Bereichen unterzubringen. Somit kann man den wohl größten Stressfaktor ausschalten und Verletzungen unter den Tieren vermeiden. Außerdem ist so die tägliche Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme gewährleistet. Um den Tieren die Trennung von ihrem Menschenfreund oder ihrer Menschenfamilie, z.B. bei Urlaubsabwesenheit, so angenehm wie möglich zu gestalten, sollten die gewohnte Nahrung, tägliche Abwechslung und Ruhezeiten für die Tiere eine Selbstverständlichkeit darstellen. Auch Farben, Aromastoffe und Akupressurmassage bauen Streß und Ängste ab und steigern das allgemeine Wohlbefinden. Am wichtigsten ist es jedoch, die individuellen Bedürfnisse der Katze zu erkennen und den Umgang  mit jedem Tier entsprechend zu gestalten.

Es sollte für uns Menschen überhaupt eine Selbstverständlichkeit sein, Tiere mit ihren Gewohnheiten und Emotionen zu achten. Aber nur, wenn wir sie als Einheit aus Körper Geist und Seele sehen, wird  uns dies gelingen und wir können lernen, sie zu verstehen.        

Margit Fuchsreiter
(erschienen in Ausgabe 31, Juli 2016)

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