Frühlingsbotschaft der Bäume

Die Eiche war in der Mythologie dem Gott Donar geweiht Die Eiche war in der Mythologie dem Gott Donar geweiht
© / fotolia.de

Heilkraft und Mythos in der Natur

Die Pflanzenwelt wächst nach der Winterpause wie neu geboren aus Mutter Erde hervor. Wenn man sich den Jahreskreis der Natur in Bezug auf die Lebensphasen des Menschen vorstellt, so entspricht das Frühjahr der Geburt, der Kindheit und Jugend des Menschen. In der Pflanzenheilkunde weist diese Analogie darauf hin, dass man im Frühjahr Heilpflanzen zur Erhaltung der jugendlichen Vitalität findet.

Neben den Wildkräutern sind auch die heimischen Bäume von großem Wert. Sie liefern als „grüne Lungen“ lebenswichtigen Sauerstoff und schenken den Menschen heilende wie stärkende Kräfte für Körper und Seele. Oft fühlt man sich schon besser, wenn man einen Baum besucht hat, ihm gelauscht, erzählt, mit ihm geatmet oder ihn umarmt hat. Alte Bäume erscheinen wie liebevolle Großeltern, die einfach nur da sind mit ihrer Weisheit. 

Wenn man sich die Knospen der Bäume kurz vor dem Öffnen vorstellt, dann spürt man eine geballte Kraft, die sich ins Frühjahr entfalteten möchte. Diese Vitalkraft lässt sich beispielsweise in Essenzen (alkoholischen Pflanzenauszügen) konservieren. In der Küche können junge Blätter von Buche, Linde, Esche, Ahorn u. a. als frische Salatbeigabe mit Vitaminen und Nährstoffen den Speisezettel bereichern. Aus der Fülle von Baumwesen können hier nur einzelne Aspekte erwähnt werden: 

Die Eiche symbolisiert die männliche Kraft. Sie repräsentiert Standfestigkeit, Durchsetzungsvermögen, Widerstandfähigkeit und war in der germanischen Mythologie dem Gott Donar geweiht, der für seine wilde, urwüchsige und abwehrende Energie bekannt ist. Eine Essenz aus jungen Knospen und Trieben ist demnach ein Stärkungsmittel für die männliche Kraft, jedoch auch für Frauen, die mehr Abgrenzung und Tatkraft brauchen. 

Die Linde steht für die weibliche Symbolik. Im nordischen Mythos wohnte ihr die Göttin Freya inne, die Göttin der Fruchtbarkeit und Liebe, im christlichen Sinne die Jungfrau Maria. Die Linde stimmt das Gemüt linde, sanftmütig, sie ist ausgleichend und hat eine warme Natur. Der liebliche Duft und Geschmack von Lindenblütentee wärmt Körper und Seele, auch die herzförmigen Blätter der Linde weisen auf die harmonisierende Energie hin. Sie ist der Baum der Liebenden, der Tanzbaum und der Ort des gütigen Gerichts. Ihre jungen Blätter schmecken fein im Salat und eine Essenz aus Lindentrieben wird zur Stärkung der weiblichen Aspekte empfohlen.

Die Esche, welche mythologisch als Yggdrasil, der Weltenbaum beschrieben ist, an dem der Germanengott Odin die tiefe innere Sicht erlangte, ist von unermüdlicher Lebenskraft. Sie wächst schnell der Sonne entgegen und trägt erhellende, heilende Kräfte in sich. Ihre Blätter sind Kraftfutter für das Vieh und wirken ebenso kraftvoll gegen Gicht und Rheuma. Schon Hildegard von Bingen empfahl den Tee von jungen Eschenblättern als Rheumakur. Aus Frankreich stammt das Rezept der Frénette, ein Verjüngungsmittel aus jungen Eschensprossen. Der Überlieferung nach soll man mit einem täglichen Gläschen davon hundert Jahre alt werden!

Abschließend sei noch die Aufmerksamkeit auf den Kirschbaum gerichtet: Er ist der Baum der unvergänglichen Jugend, Freude und Fruchtbarkeit, war früher der griechischen Göttin Artemis geweiht. So wie der Anblick und Duft eines blühendes Kirschbaumes das Herz berührt, so kann eine Essenz der Blüten das schwermütige Herz wieder froh stimmen. Die Anwendung in der Liebesmagie spiegelt sich in der Sinnlichkeit der prallen, roten Früchte …

Vielleicht sollte man sich bei den nächsten Spaziergängen einmal bewusst den Bäumen zuwenden? Es gibt viel zu entdecken! Die Natur schenkt sich dem Menschen – und der Mensch sollte ihr seine BeAchtung schenken.                 

Ilona Baur
(erschienen in Ausgabe 30, März 2016)

Anzeigen