Nächte voller Wohlgeruch

Weihrauch und ausgesuchte Kräuter  erzeugen einen wunderbaren Duft Weihrauch und ausgesuchte Kräuter erzeugen einen wunderbaren Duft
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Energetisches Räuchern im keltischen Jahreskreis

Die Adventszeit und die bald darauf folgende Wintersonnenwende am 21. Dezember – dem keltischen Julfest – mit den dann beginnenden Rauhnächten stehen kurz bevor. Das Wort „Rauh­nächte“ leitet sich von „Rauchnächte“ ab. Diese liegen nach alter Überlieferung in einer Zeit, in welcher die Natur innehält, das Wachstum eingestellt hat, die Säfte der Bäume und Pflanzen sich tief in Mutter Erde in die Wurzeln zurückgezogen haben. 

Das zeigte den Menschen schon von alters her, dass dies die Zeit ist, innezuhalten, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, sich eine Auszeit zu gönnen, Vergangenes aus dem alten Jahr noch einmal zu betrachten und dann das neue Jahr, gereinigt und frisch zu begrüßen. Dies kann traditionell mit einer Rauhnachtsräuchermischung aus einheimischen Wildkräutern und einem guten Weihrauch zelebriert werden. Die Wirkung der naturreinen Heilkräuter entfaltet sich beim Räuchern in Sekundenschnelle und erfüllt die Raumluft mit wohlriechendem, heilendem Duft. Über den Geruchssinn wird die Botschaft der Heilpflanzen eingeatmet und gelangt über die Gehirn-Blut-Schranke sofort in den Blutkreislauf des Menschen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass ausschließlich 100 Prozent naturreine getrocknete Rohmaterialien verwendet werden, um wirklich eine positive Wirkung zu erzielen.

Bewährt haben sich in der heutigen Zeit professionelle Räucheröfen aus Ton im Steinzeugbrand, die mit Bio-Teelichtern und einem Edelstahlsieb betrieben werden, auf das die Räuchermischung gegeben wird. Die im Handel erhältliche Räucherkohle enthält in fast allen Fällen Salpeter, welcher sehr gesundheitsschädlich sein kann, und ist nicht zu empfehlen.

Eine typische traditionelle Rau(c)hnachts-Räuchermischung besteht aus: Alantwurzel, Beifuß, Kamille, Salbei, Eisenkraut, Johanniskraut, Königskerzenblüten, Pfefferminze, Mastix und Weihrauch guter Qualität (z. B. Weihrauch Oman, first quality oder Weihrauch Somalia, first quality). Um angenehmen Wohlgeruch zu erzielen, ist die richtige Dosierung von Heilkräutern und Weihrauch ausschlaggebend. Bewährt hat sich eine Grundregel: Ein Teil Heilkräuter plus ein Teil Harze (z. B. Weihrauch oder Mastix). Die Harze schmelzen, die Kräuter saugen diese auf und so entfaltet sich stundenlang auf dem Räucherofen ein wunderbarer Duft. Ist das Mischungsverhältnis nicht ausgewogen, so kann die Räuchermischung sehr schnell verbrennen oder sich sogar entzünden. 

Die Rau(c)hnachtsräuchermischung wird in den 12 Rau(c)hnächten verwendet, um das Haus und die Räume zu reinigen, das alte Jahr zu verabschieden und das neue Jahr zu begrüßen. Sie wird im Ritual jeden Abend geräuchert vom 25. Dezember bis zum 6. Januar (oder nach altem Brauch vom 21. Dezember bis zum 2. Januar). Jede Nacht steht für die Vision und Visualisierung der Wünsche eines Monats des kommenden Jahres. Hier können die Wünsche und Vorstellungen für das Neue Jahr mit einer archaischen Räucherung, mit der Kraft der getrockneten Heilpflanzen, visualisiert und manifestiert werden. 

Zum Räuchern in der Adventszeit eignen sich besonders weihnachtlich duftende Kräuter, Gewürze und Baumharze wie z. B. echte Myrrhe mit einem süßlich, erdigen Duft (gute Qualitäten erhältlich aus Somalia und dem Jemen), weißes Sandelholz, echter Weihrauch, der zitronig und leicht erfrischend duftet sowie Zimtblüte (Cassia), Zimtrinde, Styrax, Sternanis, Tonkabohnen und verschiedene Nadelbaumrohstoffe wie Zirbelkiefer, Wacholder, Zedernholz und Zedernspitzen sowie Fichtenharz.

In diesem Sinne kreiert man sich eine duftende und entspannte Adventszeit und segensreiche Rau(c)hnächte, mit der Kraft von wohlriechenden Heilkräutern und Baumharzen.      

Gerda Maria Vielhauer
(erschienen in Ausgabe 29, November 2015)

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