Was zeigt mir mein Kind

Beziehungsstrukturen können durch Figuren dargestellt werden Beziehungsstrukturen können durch Figuren dargestellt werden
Foto: Regine Richter

Systemaufstellungen helfen Botschaften zu verstehen

Kinder machen auf ihre eigene Weise auf Themen im Familiensystem aufmerksam. Die Botschaften zeigen sich z. B. als Körpersymptome, chronische Erkrankungen oder sozial auffälliges Verhalten. Verstehen dies die Eltern und klären Unerledigtes, ist ein neues Miteinander möglich. Kinder können sich altersgemäß entwickeln. Jeder steht an seinem richtigen Platz und kann diesen auch adäquat im sozialen Umfeld einnehmen.

„Welche Schule ist die richtige für mein Kind? Warum hat meine Kind die gleichen Schulprobleme wie ich? Warum wird es ständig gemobbt bzw. warum hat mein Kind das Bedürfnis andere zu mobben und zu ärgern? Welche Verstrickung mit dem Lehrer gibt es?“ Dies sind typische Fragen, die während der Schulzeit anfallen und systemische Ursachen haben können. Oft wiederholen sich beim Kind Prüfungs- und Bewertungsängste und bewusste und unbewusste Schultraumata der Vorfahren: „Warum ist mein Kind so unruhig (ADHS)? Wie findet mein Kind einen guten Platz in der Klasse? Prüfungsangst – warum?“ Bearbeitet der damit verbundene Elternteil das aktuelle Thema, hat dies meist sofort eine wahrnehmbare positive Wirkung fürs Kind.

Stehen Entscheidungen bezüglich der Berufswahl an, unterstützen Aufstellungen dabei, diese richtig zu treffen. Sie geben Klarheit über Fähigkeiten, Neigungen und den eigenen Weg. Lernblockaden können gelöst, das Selbstbewusstsein gestärkt und der eigenen, kraftvolle Platz im Leben eingenommen werden.

Sehr erkenntnisreich ist es für Lehrer, Probleme mit „schwierigen“ Schülern oder Klassen systemisch zu betrachten. Kommentare sind oft „Jetzt verstehe ich meine Schüler besser“ oder „Nun wird mir klar, was mein persönlicher Anteil dabei ist“. Das Verständnis für Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen wächst mit  jedem Klärungsprozess.

In der Pubertätszeit machen Jugendlichen ihren Eltern nochmals besondere „Geschenke“.  Sie verdeutlichen damit während ihres Ablösungsprozesses wichtige Themen des Familiensystems. Körpersymptome bei denen es wertvoll ist, seelisch Hintergründe zu erforschen sind z .B. Neurodermitis, Allergien, Hautprobleme, Migräne, Angst vor anstehenden OP’s, Zahnprobleme, Verdauungsschwierigkeiten, Bettnässen, Haltungsprobleme, Tics, Unruhe, Schwierigkeiten im sozialen Miteinander.

Wie läuft nun eine Systemaufstellung ab? Beziehungsstrukturen werden von Stellvertretern –  dies sind neutrale Personen, Figuren oder Blätter – dargestellt. Im ersten Bild zeigt sich der Status quo einer Situation. Im Verlauf der Prozessarbeit, werden Wandlungsschritte z. B. durch Einnehmen des stimmigen Platzes oder dem Aussprechen klärender Sätze entwickelt. Lösungen zeigen sich in kurzer Zeit.

Beide Eltern können sehr gut für ihr Kind arbeiten. Es muss nicht davon wissen. Manche Kinder oder Jugendliche sind sehr reif und sensitiv und wollen für sich selbst, manchmal sogar alleine, aufstellen. Zeigt es sich, dass Kinder etwas für ihre Vorfahren tragen, ist u. U. eine zweite Aufstellung mit dem Thema des betroffenen Elternteils zur Stabilisierung eines Themas sinnvoll. Sind ausnahmsweise ganz kleine Kinder während einer Aufstellung dabei, ist immer wieder bemerkenswert, wie aufmerksam sie den Prozess beobachten und genau spüren, wenn sich etwas Positives für das System, insbesondere für die Mama oder den Papa, entwickelt.

Stellen sich Großeltern, Väter, Mütter oder Kinder den Gefühlswelten des eigenen Systems oder dem der Vorfahren, zeigt sich, was unbewusst von einer Generation der nächsten übergeben wurde und wer als „Symp­tomträger“ im System darauf aufmerksam macht. Werden eigene, karmische und übernommene Lasten, Verhaltensmuster und Glaubenssätze erkannt und bearbeitet, ergeben sich plötzlich ganz neue Perspektiven und Handlungsspielräume für ein eigenes selbstbestimmtes  Leben.                

Kristine Alex
(erschienen in Ausgabe 28, Juli 2015)

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