Kräuter, Rauch und Rituale

Räucherstäbe und -mischungen können unter Verwendung von Sonnwendkräutern selbst gefertigt werden Räucherstäbe und -mischungen können unter Verwendung von Sonnwendkräutern selbst gefertigt werden
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Energetisches Räuchern im keltischen Jahreskreis

Die Bedeutung des keltischen Jahreskreises und die Umsetzung in das tägliche Leben hat eine lange Tradition im europäischen Raum. Die Menschen in unseren Breitengraden hatten in alten Zeiten nur die Natur, an der sie sich orientieren konnten. 

Durch die Beobachtung der Natur und die Umsetzung dieser Erkenntnisse in das tägliche Leben und den natürlichen Jahreskreis, entstand ein Leben im Einklang mit „Mutter Erde“ und der Natur, und das Überleben war gesichert. Dies beinhaltete die rechtzeitige Aussaat nach dem langen Winter und die rechtzeitige Ernte zum richtigen Zeitpunkt. So war für Mensch und Tier zu jeder Jahreszeit gut gesorgt.

Durch das Er-leben des Jahreskreises in der heutigen Zeit kann ein tiefes Verständnis der Natur und Naturgesetze wieder erlangt werden und so zu einer inneren Zufriedenheit führen, so daß der Mensch sich im Einklang mit Mutter Erde und der Natur fühlt. Jedes Jahreskreisfest hat seine Zeitqualität wie außen – so innen, und wie innen – so außen.

Die Erntezeit hat begonnen. Nach und nach wachsen und erblühen die Heilkräuter und Pflanzen. Diese müssen rechtzeitig geerntet werden, bevor sie abblühen und Samen ausbilden, um dann in den kommenden Jahreszeiten als getrocknete Heilkräuter für Heilräucherungen, Essenzen und Heiltees zur Verfügung zu stehen. 

Traditionell wurde zur Sommersonnenwende – einem der wichtigsten keltischen Jahreskreisfeste – Johanniskraut geerntet, welches sehr stimmungsaufhellend wirkt. Am 21. Juni ist der höchste Sonnenstand erreicht, mit der größten Lichtkraft. Dies ist sehr deutlich zu spüren. Das Johanniskraut hilft später in der dunkleren Jahreszeit, mehr Licht ins Leben zu bringen. Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird geerntet, wenn die Blüten offen sind. Ebenso die Alantpflanze (Inula helenium) mit ihren sonnengelben leuchtenden Blüten. Alantwurzel ist ein Stärkungsmittel für die Lunge. Für Räucherungen wird hier die Wurzel verwendet, die ab September geerntet werden kann. Beifuß (Artemisia vulgaris) wird kurz vor der Blüte geerntet. Beifuß ist ein bekanntes einheimisches Druidenkraut und wirkt sehr stärkend und reinigend. Aus Beifuß können auch heilkräftige Aurareinigungs-Räucherstäbe hergestellt werden. Hierzu erntet man ca. 3 Beifußstängel (ca. 1,00 – 1,50 m) kürzt diese so ein, daß man mehrere 30 cm lange Stücke hat und umwickelt diese dann kräftig mit Naturbast, so daß ein Kräuterstab entsteht. Man kann noch einige andere Heilkräuter miteinbinden, z. B. eine ganze Rosenblüte, Königskerzen, Salbei, Holunderblüte usw. je nach gewünschter Heilwirkung. Diese Räucherstäbe werden dann kopfüber an einem trockenen, schattigen Platz in einem geschlossenen Raum aufgehängt und sind drei Wochen später trocken und können dann schon verwendet werden.

Hierzu wird die Spitze des Beifußstabes am besten an einem Lagerfeuer angezündet, bis es glimmt. Mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn werden die an diesem Ritual Teilnehmenden dann mit dem Beifußstab beräuchert und ener­­getisch gereinigt. Dies führt man am besten im Freien durch, da der Beifußstab beim Abbrennen Glut verlieren kann.

Beim Herstellen einer Räuchermischung aus den Sonnwendkräutern verwendet man als grobe Regel 1 Teil bestes Weihrauchharz aus dem Oman (first premium quality) grob gemörsert und 1 Teil der gewünschten Heilkräuter. Diese Mischung (ca. 1 Teelöffel insgesamt) gibt man auf einen professionellen Räucherofen mit Edelstahlsieb und Bioteelicht. So können sich die Wirkstoffe der Heilpflanzen optimal entfalten und die Wohnräume oder die Aura energetisieren.            

Gerda Maria Vielhauer
(erschienen in Ausgabe 28, Juli 2015)

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