Die Lösung liegt im Menschen

Der Ursprung systemischer Arbeit liegt in der Familientherapie Der Ursprung systemischer Arbeit liegt in der Familientherapie
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Juristische Aufarbeitung familiärer Streitfälle mit unkonventionellen Methoden

Systemische Rechtsberatung ist ein in der juristischen Arbeit relativ neues Verfahren, bei dem verborgene Zusammenhänge erkennbar und damit erfahrbar gemacht werden. Dabei können unbewusste Verstrickungen erkannt und gelöst und dadurch eine für alle Beteiligten stimmige und nachhaltige Lösung gefunden werden. 

Systemische Arbeit beruht auf der Überzeugung, dass die Lösungsansätze in den Menschen selbst liegen und zwar bereits vorhanden in ihrem Unterbewusstsein. Eine Lösung kann mit Hilfe systemischer Methoden vom Unterbewusstsein ins Bewusstsein gebracht werden – sie muss nur sichtbar gemacht werden, wie zum Beispiel durch systemische  Aufstellungen. Jeder Mensch ist Teil einer Vielzahl von Systemen wie z.B. seiner Familie, seines Arbeitsumfeldes oder seines Freundeskreises etc.. In all diesen Systemen kann es zu unterbewussten Verstrickungen kommen, die sich belastend auswirken können und guten Lösungen im Wege stehen. Der Ursprung systemischer Arbeit liegt in der Familientherapie – sie wird jedoch seit vielen Jahren nicht nur zu therapeutischen Zwecken angewandt, sondern findet zunehmend auch erfolgreich in beruflichen Kontexten wie im Personalbereich, bei strategischen Entscheidungen, der Firmennachfolge oder im Change Management Anwendung. Diesen nicht-therapeutischen Aspekt verbindet nun die systemische Beratung mit der klassischer Rechtsberatung und findet so auf direktem Wege eine Umsetzung der gefundenen Lösung in juristisch korrekte Form.

Die rein anwaltliche Tätigkeit fragt: Wer hat welches Recht und wie kann dieses Recht für den Mandanten bestmöglich ausgeschöpft werden? Gerade in den Bereichen Familien- und Erbrecht zeigt sich aber sehr häufig, dass die eigentlichen Probleme oft tiefer liegen und eine auf rein rechtlicher Basis gefundene Lösung oft kein nachhaltiges Ergebnis bringt. Oft ist der Graben nach einem solchen Rechtsstreit zwischen allen nur noch größer und unüberwindbarer geworden. Zudem sind solche Verfahren oft langwierig und kostenintensiv. Auch ist es z.B. fraglich, ob durch einen gerichtlichen Umgangsstreit das Verhältnis zu den Kindern automatisch verbessert wird. Hierzu folgende Beispiele: 

Wenn nicht durch eine individuelle Reglung vorgesorgt wurde, sieht das Gesetz vor, dass der Zugewinn im Scheidungsfall in jedem Fall durch Geld ausgeglichen wird, egal ob dadurch das Geschäft als Existenzgrundlage der Familie zerstört wird oder das Familienheim verkauft werden muss. 

Die Mutter eines dreijährigen Kindes muss jede Betreuungsmöglichkeit in Anspruch nehmen, um selbst arbeiten gehen zu können. 

Bei Versterben eines Elternteils werden der andere Elternteil und alle Kinder Miterben. Sind die Kinder minderjährig, überwacht ihre Interessen das Vormundschaftsgericht, gegebenenfalls auch gegen die Interessen des überlebenden Elternteils. Und ein Betrieb muss durch alle Erben weitergeführt werden. 

Die systemische Rechtsberatung versucht eine Lösung zu finden, die der Individualität und der Einmaligkeit der Beteiligten gerecht wird. Die Methode versucht hinter den Streit an die eigentlichen Bedürfnisse der Beteiligten zu gelangen, die dann direkt in juristische Form gegossen werden können. Ein großer Vorteil dieses Ansatzes ist, dass Lösungen gefunden werden können, auch ohne dass die Gegenseite oder Kinder am Lösungsprozess beteiligt werden müssen.

Systemische Rechtsberatung kann somit bewirken, dass Prozesse effektiv auf die gefundenen Bedürfnisse ausgerichtet werden. Auch kann sie schnell und effektiv dazu beitragen, langwierige Prozesse zu vermeiden und eine stimmige nachhaltige Lösung für alle Beteiligten sowohl im Erb- wie auch im Familienrecht zu erlangen.         

Dr. Eva-Maria Reichert
(erschienen in Ausgabe 27, März 2015)

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