Ohne Ängste durch die Glut

Ohne Ängste durch die Glut
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Das Ritual des Feuerlaufs setzt schlummernde Kräfte frei

Vom Feuer geht für viele Menschen eine magische Kraft aus, ja eine Faszination. Dies überträgt sich beim Feuerlauf und setzt ungeahnte Potenziale frei. Der Verstand kann nicht begreifen, warum es möglich ist, unbeschadet über heiße Glut zu laufen, doch der Körper speichert diese Erfahrungen. 

Das macht es möglich, die eigenen Grenzen auch im Alltag zu überwinden. Die richtige geistige Haltung, Vertrauen und der Wille für ein bestimmtes Ziel über die heiße Glut zu gehen, sind die Schlüssel dafür.

Feuerlauf wird heutzutage gerne als Event angeboten, wurde ursprünglich aber bei nativen Kulturen auf der ganzen Welt als ein sehr kraftvolles Ritual praktiziert. Die älteste schriftliche Aufzeichnung stammt von brahmanischen Priestern und reicht über 4000 Jahre zurück. Was heute auf Bali den Touristen als Feuertanz vorgeführt wird, hat seinen Ursprung in einer heilenden Zeremonie. Auch auf den Fidschiinseln hat der Feuerlauf eine lange Tradition und ist Teil des Übergangsrituals für Mädchen zur Frau. Von Hawaii ist der Feuerlauf ebenso überliefert, wie aus Afrika. Von den Wikingern wird berichtet, dass sie sich durch Feuerlauf auf einen bevorstehenden Kampf gestärkt haben. 

An diese uralte Tradition knüpft die Amerikanerin Peggy Dylan mit ihren Seminaren an. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, den Feuerlauf als Ritual in unserem Kulturkreis zu verbreiten, weshalb sie auch liebevoll als „Mutter des westlichen Feuerlaufs“ bezeichnet wird. Inzwischen hat sie Feuerlauftrainer in der ganzen Welt ausgebildet. Mit einem Feuerlauf nach dieser Ausrichtung werden schlummernde Kräfte in den Teilnehmern geweckt und die Schätze jedes Einzelnen kommen ans Licht.

Wie ist das möglich unbeschadet über heiße Glut zu laufen? Ein Stamm aus Afrika, der nach Peggy Dylans Recherchen zu den besten Feuerläufern gehört, bezeichnet die Kraft, die es möglich macht über Feuer zu gehen, als „Num“, was frei übersetzt „Energie“ heißt. Mit anderen Worten: wenn die Energie eines Menschen so groß ist, wie die Energie des Hindernisses, dann kann er dieses Hindernis unbeschadet überwinden. Hinzu kommt noch eine klare Ausrichtung und Fokussierung auf das Ziel. Dementsprechend werden die Teilnehmer Schritt für Schritt auf den Gang barfuß über die heiße Glut vorbereitet.  

An erster Stelle steht die Ausrichtung. Hierzu werden verschiedene Techniken vorgestellt, um sein Ziel klarer zu erkennen und auszudrücken. Trotzdem gibt es zwei entscheidende Faktoren, die es verhindern können, seine Ziele zu erreichen, auch wenn diese noch so gut formuliert sind. Das eine sind die Blockaden, also behindernde Glaubenssätze. Sie bekommen im zweiten Schritt eine besondere Aufmerksamkeit. Sie werden durch bestimmte Techniken sichtbar und können überwunden werden, wenn die Zeit reif ist. Somit wird der Weg frei, den neuen Zielen mit Freude und Begeisterung entgegen zu gehen. 

Ängste können einen ebenfalls davon abhalten, neue Wege zu beschreiten. Was nicht heißt, das man keine Ängste haben sollte. Ganz im Gegenteil. Angst heißt Achtung! In dem letzten Schritt der Vorbereitung zum Feuerlauf erfährt jeder Teilnehmer durch eindrucksvolle Übungen, wann Angst ihn schützen und wann sie ihn für den nächsten Schritt zurück halten kann. 

Letztendlich bleibt es die Entscheidung jedes Einzelnen, den Gang über die Glut zu wagen oder ganz klar zu seinem „Nein, das mache ich nicht!“ zu stehen. Wer auf diese Weise das Vertrauen zu seinen Botschaften gestärkt hat, die von der inneren Stimme kommen, der kann auch die Herausforderungen im Alltag besser meistern und sein ganzes Potenzial entfalten.      

Dirk Schröder
(erschienen in Ausgabe 24, Märu 2014)

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