Bettine Clemen

Bettine Clemen
© Bettine Clemen

"Liebe ist die eine Kraft, die uns alle verbindet"

Oberbayerische Flötistin berührt mit ihren Klängen Menschen, Tiere und Pflanzen

„Ich wollte als Kind immer etwas werden, das mit Natur, Tieren und Musik zu tun hat“, erinnert sich Bettine Clemen, heute weltweit bekannte und gefragte Flötistin aus Schönau am Königssee. Die Fertigkeit, die genannten Komponenten in Harmonie zusammen zu fassen, gelingt ihr seit vielen Jahren mit ihren Konzerten und Auftritten in mittlerweile 175 Ländern der Welt.

Dabei begründete ursprünglich ein anderes Instrument ihre künstlerische Laufbahn. „Mein Vater war Professor für Anglistik und bekannt für seine Forschungen und Bücher über Shakespeare“, erinnert sich die Künstlerin. „Als zweite Leidenschaft pflegte er das Geigenspiel. „Ich selbst fühlte mich von Flötenklängen angezogen. Leider bekam ich als Sechsjährige trotzdem erstmal eine Geige.“ Lächelnd erinnert sie sich: „Das war aber ein Jahr lang zu schmerzhaft für mich und alle anderen, die sich das anhören mussten. So schenkte man mir doch noch mein ersehntes Ins­trument“.

Nach kindlichen Ambitionen verstärkte sich der Wunsch, sich musikalisch auszudrücken, bedingt durch ihren tragischen Autounfall im Alter von 16 Jahren. Ihr erster Freund verstarb bei dem Unglück und sie selbst hatte ein Nahtoderlebnis, das fortan ihr ganzes Leben beeinflussen sollte. „Ich konnte nie mehr vergessen, was ich da erlebt hatte und obwohl es sehr schwer war, wieder ,hierher‘ zurückzukommen, war dies doch eine Gnade, die mein Leben danach bestimmt hat. In Folge war es mir klar, dass ich mein Leben dafür widmen wollte, Musik, Liebe und Bewusstheit zu manifestieren und zu leben“, stellt die gebürtige Rosenheimerin fest.

So studierte sie nach ihrem Abi­tur an der Musikhochschule bei Prof. Walter Theurer in München im Hauptfach Flöte und absolvierte im Anschluss zwei Jahre Meisterklasse bei dem Flötisten Aurele Nicolet in Freiburg. Dazu kamen Meisterklassen bei James Galway und Peter-Lukas Graf. „Ich hab‘ immer gefühlt: wenn ich überhaupt im Orchester spielen sollte,  so in meiner Lieblingsstadt Salzburg“, erklärt die Künstlerin. „Und dann war da eine Stelle frei und ich überzeugte durch mein Probespiel. Zwei Jahre war ich dabei, spielte auch noch im Münchener Bach Orchester und machte viele Tourneen mit.“

Aber eine neue Herausforderung winkte: Die Künstlerin hatte erfahren, dass in Belo Horizonte eine Soloflötistenstelle vakant wäre. Sie bewarb sich, wurde engagiert, zog um nach Brasilien und trat auch dort zwei Jahre erfolgreich auf. Dann verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt nach USA – der Liebe wegen. Dort begann eine Solokarriere, die sie mit vielen Tourneen durch die gesamten Vereinigten Staaten führte. Sie erfreute ihr Publikum aber auch in asiatischen Ländern wie z.B. China, Indien, Japan, Thailand, Vietnam, Südkorea und Indonesien. Ebenso lauschten Zuhörer in Australien, Neuseeland, Afrika, Grönland und Island ihrem Spiel. Die Premiere ihrer Komposition „Love Song for a Planet“, durfte sie in der Royal Albert Hall in London spielen. Jedes Jahr ist sie etwa 6-7 Monate unterwegs bei etwa 120 Konzerten. Das Repertoire umfasst viele Stilrichtungen. Ein Blick auf „youtube“ lässt teilhaben an ihrem künstlerischen Portfolio.

Besonders anrührende Auftritte spielte sie nicht nur vor menschlichem Publikum: Da waren z.B. Darbietungen für 80 Elefanten in Sri Lanka oder ein Auftritt in Missouri für 140 Kühe. Viele Auftritte gab sie für Pferde und einen ganz Speziellen für eine Orang Utan-Dame in Bali, die dann die Indianerflöte nahm, sich selbst daran versuchte und das Instrument nicht mehr zurückgeben wollte. „Tiere lieben Musik wirklich sehr und sie können uns helfen, das Herz wieder zu öffnen und mit den Her­ausforderungen unserer stressgeladenen Zeit fertig zu werden“, ist Bettine Clemen überzeugt. „Ich fühle mich total verbunden mit ihnen. Und so gibt es kaum Tierarten, für die ich nicht schon gespielt habe: Neben Löwen und Tigern z.B. auch für Pinguine, Komodo-Drachen und Riesenschildkröten“. Auch Pflanzen waren schon unter den Zuhörern: „Bei einem Konzert für die Berginale in Berchtesgaden wurde z.B. ein Weihnachtsstern auf die Bühne getragen und das Publikum konnte erleben, wie dieser auf mein Spiel antwortete. Er war an ein Gerät angeschlossen, das seine Schwingungen, seinen Gesang hörbar machte. Ich hoffe, dass solche Erlebnisse dazu beitragen können, dass wir die Natur etwas besser behandeln. In meine zukünftigen Konzerte werde ich Pflanzen immer mit einbauen“.

Die Künstlerin stellt fest: „Die Wissenschaft ist in den letzten Jahren immer mehr auch darauf gekommen, was Mystiker schon seit Jahrtausenden postulieren: Alles Leben ist Schwingung, und alles ist durch die selbe Kraft verbunden. Alles ist ein Ausdruck oder eine Manifestation des einen Bewusstseins. Das zeigt sich eben auch in der universellen Sprache der Musik, auf die alle Lebewesen antworten. Musik ist daher so mächtig, weil sie  Schwingung auch verändern kann. Musik kann heilen – ich habe oft mit Musiktherapeuten zusammengearbeitet und für Kranke gespielt.“

Bettine Clemen ist nach vielen Jahren USA ins heimatliche Bayern zurückgekehrt. Sie hat ihre Botschaft in einem Musikfilm mit dem Titel „Love Song for a Planet“ zusammengefasst und ein Buch veröffentlicht: In „Open your Ears to Love“ schreibt sie über ihr Leben. Denn bei allem, was sie tut, lässt sie sich von Ihrem Wahlspruch leiten: Liebe ist die eine Kraft, die uns alle verbindet.

Lutz A. Kilian
(erschienen in Ausgabe 35, November 2017)

                   

 

 

 

 

 

 

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