Charles Kunow

Charles Kunow
© Charles Kunow

"Plötzlich war die Sehnsucht da ..."

Ein oberbayerischer Wüstenfreund und sein Weg nach Afrika

Seit 20 Jahren verbringt Charles Kunow aus Chieming/Hart einen beträchtlichen Teil seiner Zeit in der Sahara. Er ist überzeugt davon, dass die einzigartige Atmosphäre dieser Landschaft Menschen eine wertvolle Hilfe bieten kann, aus der Reizüberflutung der modernen Welt wieder heraus zu kommen. 

Der Weg in die Wüste ist Teil eines abwechslungsreichen Lebens. Als damals 15-Jähriger arbeitete der gebürtige Koblenzer, der mit seiner Familie als Kleinkind nach Hohenschäftlarn bei München kam, bei einem der ersten Naturkostläden in der Landeshauptstadt mit. Ein Jahr darauf war er in dem Bereich selbstständig. Später rief der Staat ihn zu den Waffen. „Ich gehörte zu den bestbezahlten Wehrdienstleistern in Deutschland“, sagt Charles Kunow mit Ironie. „Ich war 6 Wochen im Dienst und dann krank bis zur Entlassung.“ Es folgten verschiedene geschäftliche Unternehmungen. „Seit ich selbstständig war, wusste ich was es heißt, Geld zu vermehren, anstatt es zu verschwenden“, erzählt der Sohn eines Bankkaufmanns. „Ich leitete in München eine Spedition, später auch eine Disco“, berichtet der heutige Unternehmensberater und Geschäftsführer eines Seminarhotels. „Dann gründete ich einen Naturkostgroßhandel.“

Beim Besuch von Produzenten biologischer Nahrungsmittel stand er einst am Pier von Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens. „Ich blickte mit Tränen in den Augen einem Schiff hinterher, das Richtung Nordafrika ablegte“, erinnert er sich. „Da war plötzlich so eine Sehnsucht nach Nordafrika und der Sahara. Aber es hat noch ein paar Jahre gedauert, bis es konkret wurde.“ Denn im Verlauf stand der Chiemgau im Lebensplan. Hier gründete der agile Unternehmer mit einer Partnerin in Hart bei Chieming sein Seminarhotel, mit dem er sich einen großen Bekanntheitsgrad schuf. „Ich erarbeitete mir die dazu nötigen Fähigkeiten, indem ich immer wissbegierig war und den Dingen auf den Grund ging“, erklärt er dazu. „Zeit meines Lebens habe ich mir die besten Lehrer gegönnt“. Eine dabei erworbene Überzeugung konnte er jetzt weiter geben: „Wir müssen den Weg der Selbsterforschung konsequent gehen und ihn dann teilen“, erklärt Kunow. „Ich hatte festgestellt, dass viele Menschen in diesem Bereich Unterstützung brauchen.“ So fing er damals an, Seminare und Trainings zu veranstalten. Charles Kunow in der WüsteCharles Kunow in der Wüste

Ein Schlüsselerlebnis nach dem Umzug in den Chiemgau prägte den weiteren Lebensweg: „Am Morgen nach der ersten Nacht in Hart schaute ich zum Fenster raus und da kam über dem Wald ein Ballon daher. Wir servierten bei einer Zwischenlandung Kaffee und Kuchen.“ Eine Leidenschaft war geweckt: Ein halbes Jahr später hatte Kunow den Ballonschein. Und hier scheint sich ein weiterer Kreis zu schließen: „Nachdem mich vor Jahren die Wüste gerufen hatte, war ich erstmal für mich dort, einmal, zweimal, und dann mit unserem und zwei weiteren Ballonteams aus dem Chiemgau. Wir waren die Einzigen, die Heißluftballonreisen über der Sahara in Libyen, Tunesien und Algerien durchgeführt haben.“ 

Erst Wüste von oben, dann Wüste von unten: Als sich für Charles Kunow die Möglichkeit bot, das Sandmeer zu „erfahren“, griff er zu, als ein besonderer Truck zum Verkauf stand: Ein alter Magirus-LKW, mit Allradantrieb und ohne die heute übliche Elektronik. Das ideale Wüstenfahrzeug. Er hat das Gefährt mit Freunden um- und ausgebaut. Es dient als Begleitfahrzeug bei den Exkursionen, die er seit langer Zeit interessierten Mitmenschen anbietet. Dabei geht es ins „Grand-Erg-Oriental“ im nördlichen Teil der Sahara. „Eine wunderbare Naturlandschaft mit alten Kraftplätzen“, schwärmt der Sahara-Freund. „Auch Orte, wo außer uns niemand hinkommt.“ „Stille-Retreat“ nennt er das meditative Wüsten-Erleben. Das englische Wort steht für „spirituelle Ruhepause“ und auch „Rückzug von der gewohnten Umgebung“. „Wir reisen nach Djerba“, berichtet er. „Dort angekommen, hat man 3 Stunden Fahrt ins Sandmeer. 3-4 Tage gehen wir sanft durch die Einsamkeit der Wüste. Der umgebaute Truck mit Küche und allem, was man so braucht, transportiert Gepäck, Proviant und Wasser. Wir haben auch Dromedare dabei.“ Der Effekt ist, dass wir aus der Reizüberflutung unserer Welt heraus kommen“, sagt Charles Kunow. Und er ist überzeugt: „Wir sind in unserem Alltag hier ,von Sinnen‘ und kommen in der Stille wieder ,zu Sinnen‘. All‘ unsere Probleme lösen sich, wenn wir wieder ,spüren‘ und wahrnehmen, was wirklich ist: Wenn wir ,spüren‘, gibt es keinen Stress, keine Kriege und auch keine Umweltverschmutzung.“ Unter anderem mit seinen Wüsten-Retreats verfolgt der 62-Jährige eine Vision: „Ich möchte dazu beitragen, dass sich Menschen in Liebe und Glück entspannen. Und lernen, den wertvollen Beitrag zu geben, zu dem sie da sind. Jeder hat seine ganz einzigartige Lebensaufgabe. Viele stellen erst auf dem Sterbebett fest, dass sie etwas in ihrem Leben versäumt haben.“

Zum Thema „Liebe“ hat der Vater von sechs erwachsenen Kindern ein Buch geschrieben. Zum Thema „Glück“ vertritt er die Meinung: „Glück ist kein Ziel, Glück ist ein Ab-fallprodukt. Es fällt davon ab, dass wir die Welt um uns bereichern, anderen dienen zu ihrem Wohle. Geld ist ein Rückfluss, wenn wir einen guten Beitrag leisten. Mit Gier kann man auch Geld anhäufen, man kann damit aber nicht glücklich sein. Ich kenne Milliardäre, die unglücklich sind und Eselskarrenfahrer am Rande der Wüste, die glücklich sind.“                                                                              

Lutz A. Kilian
(erschienen in Ausgabe 33, März 2017)

                   

 

 

 

 

 

 

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