Günther Hoffmann

Günther Hoffmann
Foto: Hoffmann

"Letztlich kommt alles zu einem zurück"

Chiemgauer Künstler möchte mit seinem malerischen Wirken sensibilisieren und zum Nachdenken anregen 

„Ich male in Metaphern, in bildlich gesprochenen Worten. Es geht mir immer darum, dass der Betrachter nachdenkt“, sagt Günther Hoffmann aus Trostberg. So laden seine Energiebilder ein, vor ihnen zu verweilen und ihre kraftvolle Ausstrahlung wahrzunehmen, andere Werke spiegeln den Geist von Natur und Mensch, wirken magisch, rätelhaft, manchmal witzig. „Ich möchte, dass man sich in meine Bilder hineinträumt“, ist seine Intention dazu. „Träumereien“ lautete auch der Titel der jüngsten Ausstellung, in der er einen Teil seiner Werke im Künstlercafé bei Schloss Pertenstein nahe Traunreut unter großem Publikumsinteresse präsentierte.

„Ich habe schon als Kind gerne gezeichnet, gemalt“, erzählt der 54Jährige im Rückblick. Autodidaktisch erweitert er im späteren Leben seine Fähigkeiten unter dem Grundsatz „Learning by doing“. „Ich hatte aber auch immer gute Künstler bei der Hand, die mir praktische Tipps und Ratschläge geben konnten. Wenn ich an Grenzen stosse und nicht weiter komme, bin ich bereit, dazu zu lernen“, erklärt er mit Überzeugung. „Es liegt mir nicht, etwas zu machen, nur damit es da ist.“ 

Sein Vater wollte einst, dass er Handwerker wird. So erlernte der gebürtige Niederbayer zunächst den Beruf des Bau- und Möbelschreiners. Hängte den Beruf aber schon bald an den Nagel. Und absolvierte eine weitere Ausbildung bei einer großen Traunreuter Firma, wo er bis heute tätig ist. Durch die Schichtarbeit bedingt, hat er tagsüber oft freie Zeit, die er immer wieder für sein künstlerisches Schaffen nutzt. „Mich interessieren Mensch und Natur in all‘ ihren Facetten“, erläutert er sein Wirken. „Ich möchte sensibilisieren und zum Nachdenken anregen. Wahrnehmungen vermitteln, die ich habe, Dinge die mich beschäftigen. Hinter jedem Bild steht ein Gedanke“. 

Seine Werke lassen immer wieder die Verbindung von Mensch und Natur erkennen. So integriert er darin oft Dinge wie Holz, Steine, Sand. Aber Verwendung finden auch leichte mechanische Teile: Schließen, Ketten, Vorhängeschlösser, Schlüssel. „Das Haptische wird gefördert“, erklärt der Künstler. „Ich finde es cool, wenn man Bilder anfassen kann, was sonst eher nicht erwünscht ist. Das schafft eine zusätzliche Verbindung zum Objekt.“ So ist es zu verstehen, dass z. B. Sehbehinderte seine Werke „erfühlen“ können. Viele seiner Bilder sind dreidimensional. „Mit meiner Darstellungsweise scheine ich einzigartig zu sein“, stellt der Künstler fest. „Ich habe z. B. im Internet nichts Ähnliches gefunden. Es sprengt das normale Malerische.“ 

"Spirou" bei der Ausstellung in Pertenstein (Foto: Kilian)"Spirou" bei der Ausstellung in Pertenstein (Foto: Kilian)Es gibt verschiedene Techniken, die er Stück für Stück gelernt hat und die er untereinander vermischt. Zum Teil arbeitet er im Mixed Media Painting. Dieser Begriff steht in der bildenden Kunst für die Verwendung unterschiedlicher Medien und die Integraton zeichnerischer Elemente auf der selben Ebene. Für Günther Hoffmann ist Malerei eine Form von Gestaltung. „Meine Bilder lege ich oft so an, dass sie reliefartige Strukturen aufweisen. Dadurch wirken Licht und Schatten. Sie entwickeln eine eigenständige Magie. Um die Wirkung zu verstärken, greife ich manchmal auf Techniken zurück, die in der klassischen Malerei nicht verwendet werden, Acrylfarben, Oxidantien“, erläutert er. „Manchmal verwende ich eine Eisenfarbe und lasse es rosten. Es gibt keine Richtlinien und keine Grenzen. Der Betrachter muss in den Bann des Bildes gezogen werden.“

Manchmal hat der Chiemgauer während seines künstlerischen Schaffens den Eindruck, als würden sich unter seinen Händen zukünftige Ereignisse manifestieren: „Dann glaube ich, dass ,etwas‘ mich führt. So habe ich z. B. Bilder gemalt, wo den Mittelpunkt ein heller Schein bildete, wo immer jemand aus dem Licht oder ins Licht ging. Kurze Zeit darauf habe ich mit einem Kollegen in der Arbeit jemand wiederbelebt, der einen Herzinfarkt erlitten hatte. Ähnliche Dinge passieren immer wieder, wo ich teilweise nicht gerne darüber rede“, sagt er nachdenklich. Auch Erfreuliches weiss er in diesem Zusammenhang zu berichten. „Meine Frau ist Hamburgerin“, erzählt er. „Kurz vor unserem Kennenlernen fanden sich in meinen Motiven immer wieder Meer und Leuchtturm.“

Der Trostberger Künstler arbeitet unter dem Künstlernamen „Spirou“. „Eigentlich ist der ,kleine Spirou‘ eine Comicfigur“, erklärt er dazu. „Der hat mir in meiner Kindheit mit seinen Abenteuern so viel Freude bereitet, dass ich dachte, diese Freude möchte ich weiter geben“. 

Neben seiner Malerei besucht der sportliche Mittfünfziger gerne das Fitnessstudio oder baut detailgetreue Modellhäuschen. Aus Freude fertigt er auch „Charakterfiguren“. „Ich fange Menschen aus meinem Bekanntenkreis mit meiner Kamera ein, mache Fotos von ihnen aus bestimmten Positionen heraus. Auf Grundlage dieser Bilder werden sie im Maßstab 1:4 oder 1:6 modelliert, authentisch mit Figur, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Kleidung“. Es sind realitätsgetreue Verkleinerungen der entsprechenden Personen, meist in lustigen Posen.

„Wenn ich etwas mache, soll es Nachhaltigkeit haben“, fasst „Spirou“ sein künstlerisches Schaffen zusammen. „Man soll noch lange Freude daran haben. Letzlich kommt alles zu einem zurück. Und wenn Du dem Betrachter ein Staunen oder ein Lächeln ins Gesicht zauberst, ist das der Applaus für den Künstler.“                                

Lutz A. Kilian
(erschienen in Ausgabe 30, März 2015)

                   

 

 

 

 

 

 

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