Rainer Limpöck

Rainer Limpöck
Foto: Lutz Kilian

Botschafter des Untersbergs

Oberbayerischer Mythenforscher bietet Ausblicke auf Begegnungsmöglichkeiten mit der Kraft eines magischen Berges 

Der Untersberg, jener mächtige Gebirgsstock an der Grenze zwischen Berchtesgadener und Salzburger Land, ist seit Alters her Gegenstand von Mythen und Sagen. Als „Herzchakra Europas“ hat ihn der Dalai-Lama bei seinem Salzburg-Besuch 1992 bezeichnet. Einer, der einen Großteil seiner Freizeit dem „Wunderberg“ widmet, wie das Felsmassiv in der Bevölkerung auch genannt wird, ist Rainer Limpöck aus Moos bei Ainring.

Der 55jährige interessiert sich seit seiner Kindheit für den geheimnisvollen Berg. Damals schenkte man ihm ein kleines Sagenbüchlein, welches zum treuen Begleiter wurde. Es legte den Grundstock für seine heutigen Aktivitäten. „Wenn du dich für die Heimat interessierst, musst du dich für ihre Sagen interessieren“, ist Rainer Limpöck überzeugt. „Nicht zu vergleichen mit anderen Bergen des Alpenraumes bot der Untersberg immer schon Stoff zu Märchen und Legenden“, weiß er zu berichten. „Sein Inneres ist von gigantischen Höhlensystemen durchzogen“, erklärt er weiter. „Es wird von Zeitphänomenen berichtet. So sollen Menschen, die nach ihrer Empfindung nur kurz in diesen Höhlen waren, in der realen Zeit erst nach Jahren in ihr Dorf zurück gekommen und von niemand mehr erkannt worden sein“. Kobolde und Zwerge, die Untersbergmandln, hüten alten Erzählungen nach in den Kavernen unermeßliche Schätze. In anderen Geschichten beherbergen die Wälder des Berges Riesen und Wildfrauen. Diese vergelten Dienste, die man ihnen leistet, mit Reichtum. „Die bekannteste aller Sagen aber“, erklärt der gebürtige Bad Reichenhaller, „ist wahrscheinlich die von Kaiser Karl dem Großen. Diese besagt, dass der mittelalterliche Herrscher im Untersberg ruht und auf seine Auferstehung wartet. Alle hundert Jahre wacht er auf und wenn er sieht, dass immer noch die Raben um den Berg fliegen, schläft er ein weiteres Jahrhundert“.

Lichtstrahl in der Höhle                       (Foto: Limpöck)Lichtstrahl in der Höhle (Foto: Limpöck)Von Beruf ist Rainer Limpöck Diplom-Sozialpädagoge und seit 30 Jahren in der Erwachsenenbildung tätig. Schon frühzeitig scheint seine Diplomarbeit die Richtung seiner Entwicklung vorzuzeichnen. Der Titel lautete „Die gesellschaftliche Transformation und das Übersinnliche“. So geschieht es im gewissen Sinn folgerichtig, dass er sich im Laufe seiner intensiven Beschäftigung mit der Mythen- und Sagenwelt auch für Schamanismus zu interessieren beginnt. „Das Lesen der Sagen ermöglicht mir, in der Natur zu lesen“, erklärt der Hobbymythologe. Er entwickelt einen energetisch-geomantischen Bezug zu „Mutter Erde“ und es erschließt sich ihm die Mythenwelt als Zugang zu einer „Anderswelt“, die mit „normalen“ Sinnen nicht erfahrbar ist. Er entdeckt Kraftorte und Kultplätze der Frühgeschichte, beginnt zusammen mit seiner Frau, die Erkenntnisse zu dokumentieren und zu archivieren. Er gründet ein „alpenschamanisches Forum“, wo er unter dem spirituellen Namen „Weißer Adler“ alte Traditionen indigener Völker harmonisch mit Bräuchen aus dem Alpenraum zu verbinden weiss. Und in Verbindung mit einer schamanischen Handlung erinnert er sich auch an ein merkwürdiges Erlebnis: „Ein Freund aus meinem schamanischen Arbeitskreis ging an Mariä Himmelfahrt mit einer Gruppe in eine Höhle der Mittagsscharte. In dieser hatte ich vor einigen Jahren einen schamanischen Steinkreis gelegt und mein Freund zelebrierte an diesem Ort ein Heilungsritual. Plötzlich begann eine abgelegte Kamera selbsttätig zu fotografieren. Auf den Aufnahmen zeichnet sich ein eng begrenzter Lichtstrahl ab, von der Höhlendecke bis zum Höhlenboden. Die dort wirkende Heil­energie scheint für den Empfänger – den Besitzer der Kamera – sichtbar geworden zu sein. Dieser erklärt mit Überzeugung, ein schweres gesundheitliches Problem, wegen dem eine Operation anstand, sei in dem Moment spontan verschwunden“. 

Für Überraschungen ist der „Berg des Lichts“, wie der Untersberg bezeichnender Weise auch genannt wird, immer gut. Das wurde im letzten Jahr wieder bei der Rettungsaktion um einen schwer verletzten Höhlenforscher deutlich. Insgesamt zwölf Tage war dieser in der dunklen Kälte der „Riesendinghöhle“ gefangen. Lange Zeit schien seine Bergung aus der Tiefe nicht möglich. Doch es zeigte sich, dass der Berg ihn nicht behalten wollte …

Im Rahmen seiner Sagenforschung hat Rainer Limpöck im Laufe vieler Jahre eine große Zahl von Geschichten und Legenden rund um den magischen Berg zusammen getragen und das umfangreiche Material in mehreren Büchern sowie im Internet veröffentlicht. Die Informationsquellen sind meist Sagenbücher, aber auch aus den Gesprächen mit Senioren schöpft der Vater von zwei Söhnen wertvolle Informationen. „Bei den alten Menschen ist noch viel geheimes Wissen“, ist er überzeugt. 

Fünf Bücher hat der Sohn eines Elektrikermeisters und einer Schauspielerin schon geschrieben, zwei weitere sind in Bearbeitung. Immer wieder vermittelt er auf Vorträgen sein Wissen rund um den Untersberg einer großen Zahl von interessierten Zuhörern. Auch im Fernsehen war er mit seinem Thema schon präsent. Sein Ziel ist es, der Öffentlichkeit ein neues Gefühl für die Heimat zu vermitteln. „Sagen sind ein Schatz in schriftlicher Form“, ist Rainer Limpöck überzeugt. „Ich verstehe mich als Botschafter des Untersbergs“. Und nachdenklich fügt er hinzu: „Es gibt Momente, wo ich mit dem Untersberg spreche.“   

Lutz A. Kilian
(erschienen in Ausgabe 27, März 2015)

                   

 

Anzeigen