Manfred Huber-Perez-Moreno

Manfred Huber-Perez-Moreno
Foto: Lutz A. Kilian

"Ohne Beine mit Vollgas durchs Leben"

Manfred Huber-Perez-Moreno hat trotz schwerer Behinderung einen Lebenstraum verwirklicht

Vor der „Oldiegarage“ in Mitterfelden steht ein amerikanischer Straßenkreuzer aus den 1950er-Jahren. Ums Eck in der Werkstatt sind mehrere Mechaniker fleißig bei der Arbeit: Auf der Hebebühne ein knallroter Porsche 911, im Hof wird an der Karosserie eines Porsche 944er geschraubt und gespachtelt. Daneben lässt ein Kunde den Blechschaden an seinem alten Mercedes begutachten. 
 
Mitten drin in der regen Geschäftigkeit Manfred Huber-Perez-Moreno, der Chef. „Host a Ratsch’n? De Schraub’n ziagn ma no schnell fest“, bedeutet er einem Mitarbeiter, mit dem er gerade eine Motorhaube eingepasst hat. Feinmotorische Tätigkeiten für Hände, die auch Füße sind: Der gebürtige Freilassinger kam ohne Beine auf die Welt, sein Körper reicht bis zum Becken. Auf den Händen bewegt er sich vorwärts, ein Rollstuhl würde seine Mobilität bei der Arbeit einschränken. 
 
Trotz seines Handikaps arbeitete er schon als Junge zielstrebig auf die Erfüllung seines Wunsches hin, eines Tages eine eigene Werkstatt zu besitzen. Nicht irgendeine Werkstatt: Auf die Instandhaltung, den Umbau und die Restaurierung von Oldtimern sollte sie spezialisiert sein, denn diese hatten es dem Mitterfeldener schon von klein auf angetan. „Ich habe gespürt, es ist mein Aufgabe, Mechaniker zu sein“, sagt er mit Überzeugung. So schraubte er schon in jugendlichem Alter im elterlichen Garten an alten Fahrzeugen. Später baute der Vater eine Doppelgarage. Dort war „Manni“, wie er von seinen Freunden genannt wird, bei der Arbeit vor Wind und Wetter geschützt. Bald wurde auch diese Räumlichkeit zu klein und der Autobastler zog um in einen umgebauten Kuhstall. Doch wenn man ein klares Ziel vor Augen hat, können Teillösungen nicht endgültig sein. Im Jahr 2001 war ein lang angestrebtes Vorhaben erreicht: Ein anforderungsgerechter Neubau wurde erstellt und die Firma „Oldiegarage GmbH“ gegründet. Heute hat der 46-Jährige vier Mitarbeiter. Seine Firma ist in der Oldtimerszene deutschlandweit bekannt. 
 
Der Sohn eines Justizvollzugsbeamten hatte nach seiner Schulzeit zwei Berufsausbildungen abgeschlossen: Eine kaufmännische und eine technische. Später qualifizierte er sich zum KFZ-Meister für Oldtimer weiter und ist mittlerweile seit 25 Jahren in diesem Metier tätig. Er ist ein lebensbejahender Mensch, wie er sich selber charakterisiert. „Für eine Mitleidsgeschichte stehe ich nicht zur Verfügung“, stellt er klar. „Ich möchte aufbauen, nicht niederdrücken.“ Er führt ein weitgehend „normales“ Leben. „Ich fühle mich nicht behindert“, gibt er seiner Lebensauffassung Ausdruck. „Ich kann schwimmen, bergkraxeln, ich könnte sogar Motorrad fahren, geschraubt habe ich immer. „Und ich bin gerne in der Natur“, fügt er hinzu, „da kann ich abschalten, wenn ich sehe, wie alles blüht und wie schön wir es haben“. Gerne ist er mit „Meilo“ draußen, dem 3 Jahre alten Leonberger. „Der Hund weicht nie von meiner Seite. Er ist ein besserer Spezl, als mancher Mensch es sein kann“, ist Manfred Huber-Perez-Moreno überzeugt. „Wenn mit mir einmal etwas ist, dann soll meine Frau eher alles verkaufen als den Hund weggeben.“
 
Der Mechaniker aus Leidenschaft liebt alte und schnelle Autos (Foto: Lutz A. Kilian)Der Mechaniker aus Leidenschaft liebt alte und schnelle Autos (Foto: Lutz A. Kilian)Sein Beruf ist auch sein Hobby, und dem entsprechend lautet sein Motto „ohne Beine mit Vollgas durchs Leben“. Er liebt nicht nur alte, sondern auch schnelle Autos. So fährt er einen grasgrünen 911er Porsche, den er nach seinen Bedürfnissen umgerüstet hat. Gas und Bremse auf Handbetrieb umzustellen, war dabei obligatorisch. Aber in den Flitzer eine Automatik einzubauen, brachte der Autoliebhaber nicht übers Herz. „Das hätte den Charakter des Sportwagens zerstört“, ist er überzeugt. Und so bedient er die Kupplung über eine Spezialvorrichtung per Hand. Gibt es für ihn denn keine Prothesen? „In meiner Jugend hat man versucht, mir welche anzupassen“, erinnert er sich. „Ich wurde nicht glücklich damit. Mit ca. fünfzehn Jahren habe ich die Teile dann mit dem Vorschlaghammer vernichtet“, blickt er zurück. „Seit dem sechzehnten Lebensjahr brauch’ ich keine Prothesen mehr und werde nie mehr welche haben. Mit den Dingern ist man behindert!“
 
Nur selten ist Manfred Huber-Perez-Moreno auf einen Rollstuhl angewiesen. Wie z. B. vor 10 Jahren, als er eine Tour quer durch China machte. Begleitet von zwei Freunden unternahm er die weite Reise, die ihn von Peking nach Wuhan führte, von dort nach Tenching und dann weiter zum Yang­tse. Er habe diesen Fluss „nach chinesischem Standard“ befahren, erklärt er schmunzelnd: „Mit Ratten an Bord.“ 
 
Über eine andere Begebenheit in seinem Leben freut sich der begeisterte Schrauber immer wieder. „Ein Bekannter von mir hat vor Jahren im Wald in einer verfallenen Hütte zwei historische „Gutbrod“-Lieferwagen entdeckt. Von dem einen Modell mit geteilter Frontscheibe gibt es nur noch zwei Stück weltweit.“ Aus dem rostigen Wrack ist mittlerweile ein wahres Schmuckstück geworden. Bis auf die letzte Schraube hat der Chef der Oldiegarage mit seinem Team das Fahrzeug originalgetreu restauriert.
 
Hat Manfred Huber-Perez-Moreno über den beruflichen Erfolg hinaus noch spezielle Pläne? „Gsund bleib’m“, sagt er nachdenklich. „Mehr braucht’s net.“  
 

Lutz A. Kilian
(erschienen in Ausgabe 22, September 2013)

                   

 

 

 

 

 

 

 

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