Schmerzfrei und geschmeidig

Bewegungsmuster und Haltung sind wichtige therapeutische Indikationen Bewegungsmuster und Haltung sind wichtige therapeutische Indikationen
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Probleme des Bewegungsapparates ganzheitlich behandeln

Bewegung wird meist erst dann bewusst, wenn sie eingeschränkt oder schmerzhaft ist. Dann tut Hilfe Not. Um sich wieder nachhaltig „geschmeidig“ und schmerzfrei zu bewegen ist es sinnvoll, nicht nur den schmerzenden Körperteil zu betrachten sondern mehrdimensional nach dem Ursachenkomplex zu suchen.

Kein Körperteil steht für sich alleine. Daher müssen neben dem schmerzenden Körperteil auch die Strukturen untersucht werden, welche in biomechanischer Verbindung zum Schmerz stehen. Zum Beispiel kann ein schmerzendes Kniegelenk durch ein eingeschränktes Sprung- oder Hüftgelenk provoziert und unterhalten werden oder die Rückenschmerzen ihre Ursache in einem Beckenschiefstand haben. Die Bewegungen die man täglich ausführt, beeinflussen die körperlichen Strukturen – positiv wie negativ. Aber auch umgekehrt beeinflussen Einschränkungen die Bewegungsmuster. Um dieses Wechselspiel und das Zusammenwirken der Körperteile zu erkennen, ist eine Betrachtung der Bewegungsmuster sowie der Haltung wichtig. 

Der Muskeltonus, der Zustand des Fasziensystems und des Bindegewebes hat erhebliche Auswirkungen auf gelenkige Strukturen. Sind diese nicht „in Balance“ – also spannungsgleich –, kann es durch die unterschiedlichen Zugkräfte zu Verschiebungen am Gelenk kommen. Dann wird das Gelenk nicht mehr optimal belastet, die „Abnutzung“ steigt. 

Der das Segment versorgende Nerv muss ebenso untersucht werden. Ist die Informationsübermittlung gestört, führt dies zur Störung der innervierten Muskulatur. Dysbalancen und Ansteuerungsprobleme sind die Folge. Aber auch die vegetative Grundstimmung bzw. Reaktionslage des Menschen ist wesentlich für eine zielführende Therapie. 

Diese Gesamtschau ermöglicht es, einen ganzheitlichen Behandlungsplan zu entwerfen, durchzuführen und den Verlauf der Behandlung zu überwachen. Der Schwerpunkt, die Reihenfolge und der Einsatz von Methoden ist individuell unterschiedlich. Daher sind folgende Beschreibungen beispielhaft: Zum Ausgleich von muskulären Dysbalancen und Faszienstörungen können spezielle Faszientechniken und muskuläre Techniken genutzt werden, um das Gewebe zu lösen, es reaktionsfähiger zu machen und Längengleichheit wieder herzustellen. Kombiniert kann dies meist mit einer Bindegewebs“entschlackung“ werden, um z.B. überschüssige Stoffwechselprodukte auszuleiten. Hier helfen pflanzliche wie homöopathische Mittel aber auch klassische Naturheilverfahren wie z.B. das Schröpfen.

Das Zentrieren der Gelenke kann mittels manueller Techniken z.B. der Chiropraktik oder Osteopathie stattfinden. Durch sie werden Gelenke optimal „ausgerichtet“ und eine ideale Statik, betrachtet auf den ganzen Körper hergestellt. Die Gelenke sollten wieder optimal bewegt werden können und gleichzeitig den geringst möglichen Kräften ausgesetzt sein.

Die individuelle Optimierung der Bewegungsausführung sowie deren Kontrolle kann über funktionelle Übungen (wieder)erlernt werden. Die stabilisierende Kraft und die Beweglichkeit werden ebenfalls damit verbessert. Dies ist nicht nur ein wesentlicher Therapieschritt sondern gleichzeitig die beste Prävention vor weiteren Bewegungsbeeinträchtigungen. Die Nerven zu „beruhigen“ und den Lifestyle zu „entrümpeln“, sollte die Behandlung komplettieren. Dieser Prozess kann durch Verfahren wie Akupunktur, CranioSacrale Therapie, alltagstaugliche Entspannungsverfahren und naturheilkundliche Mittel unterstützt werden.

Da die beste Therapie nur hilft, wenn sie auch umgesetzt wird, ist es erforderlich, diese an den Alltag und die Reaktionslage des Patienten anzupassen. Damit können die Weichen für eine nachhaltig schmerzfreie und geschmeidige Bewegung gestellt werden.                                       

Andreas Schüll
(erschienen in Ausgabe 35, November 2017)

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