Was darf und macht der Heilpraktiker

Injektionstechniken sind Bestandteil einer jeden Heilpraktikerausbildung Injektionstechniken sind Bestandteil einer jeden Heilpraktikerausbildung
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Wichtiger Begleiter auf dem Weg hin zur Gesundung

In letzter Zeit berichten die Medien gerne über den Heilpraktiker (Abkürzung HP). Oft wird seine Arbeit verzerrt dargestellt und es drängt sich die Vermutung auf, dass das auch aus Unkenntnis des Heilpraktikerrechts geschieht. Hier wird verständlich gemacht, auf welcher gesetzlichen Grundlage der HP (be-)handelt und was sein Tätigkeitsfeld ist. 

Es gibt den Heilpraktiker (HP) und den Heilpraktiker für Psychotherapie (HP psych). Nach bestandener Überprüfung durch Amtsärzte im Gesundheitsamt erhält er seine „Zulassung zur Ausübung der Heilkunde“ §1 HPG. Die Prüfung zum HP psych. beinhaltet das Fachwissen über Psychopathologie, Psychologie und Psychiatrie. Er darf, neben dem Arzt/Psychiater und dem Psychologischen Psychotherapeut, in eigener Praxis psychotherapeutisch tätig werden. Er behandelt hauptsächlich seelisches Leid (z.B. depressive Stimmung) und krankmachendes sowie krankhaftes Verhalten (z.B. Suchtverhalten). Mittlerweile sind die „psychischen Störungen“ in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Forschung prognostiziert, dass sich beispielsweise Depression in den nächsten Jahren zur Volkskrankheit Nr. 1 entwickeln wird. Der HP behandelt hauptsächlich körperliche Beschwerden und organisches Leiden. Meistens spezialisiert er sich auf ein Behandlungsgebiet wie z. B. Akupunktur, Homöopathie oder Osteopathie. Der Patient hat das Recht, für sich ergänzende Alternativen zur Schulmedizin zu nutzen. Der HP sorgt dafür, dass die traditionellen Heilverfahren bis heute erhalten geblieben sind, 12 Millionen Patientenfälle pro Jahr sprechen eine deutliche Sprache. Er kann sich über den Ausbildungsweg, die Dauer der Ausbildung und die Fachkompetenz des Heilpraktikers erkundigen. Die Therapiemethoden der Erfahrungsheilkunde und die fachlichen Inhalte werden von Schulen, Akademien und Heilpraktiker-Berufsverbänden nach nachprüfbaren Qualitätskriterien gelehrt, geprüft und supervidiert. Erlernt wird der Wissensstoff, den Arztstudenten erworben haben müssen, wenn sie ihr Klinikum beginnen. Heilpraktiker lernen auch alle Arten von Injektionstechniken. Diese gehören auch zum unabdingbaren Kern jeder Heilpraktikerüberprüfung. Heute hat der, die Bürger schützende, Staat eine Kontroll- und Aufsichtsmöglichkeit auch über den Beruf des Heilpraktikers, da dieser von den kommunalen Gesundheitsbehörden überprüft wird. Falls das nicht so wäre, würde sich die Frage stellen: Heilpraktiker oder illegale Hinterzimmer-Behandlung? 

Für den HP gelten die gleichen Sorgfaltspflichten wie für einen Arzt der Allgemeinmedizin. Nicht behandeln dürfen sie meldepflichtige Infektionskrankheiten.Weitere Anforderungen ergeben sich unter anderem aus dem Heilmittelwerberecht und dem Patientenrechtegesetz. Auch alles rund um Zähne und Operationen sowie die Untersuchung von Geschlechtsorganen ist ihnen verboten. Die Grundlagen des Heilpraktikergesetzes wurden zuletzt 2016 reformiert.

1939 wurden Ausbildung und Neuzulassungen der HP im sogenannten Heilpraktikergesetz von 1939 verboten. Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 24.01.1957 wandelte das nationalsozialistische Heilpraktiker-Aussterbegesetz in ein Heilpraktiker-Zulassungsgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Der HP sieht den Patienten als ganzen Menschen und nicht nur das erkrankte Organ oder das schmerzende Körperteil. Eine Verweisung an einen Arzt ist für den HP selbstverständlich, stellt er eine solche Notwendigkeit fest. Heilpraktiker verschreiben nur Stoffe aus der Naturmedizin, als Möglichkeit der sanfte Behandlung. Medikamente mit starken Nebenwirkungen unterliegen der ärztlichen Verschreibungspflicht. 

Der HP ist oft ein wichtiger Begleiter auf einem Weg hin zur Gesundung und zur Entwicklung eines unabhängigen Selbstverständnisses.              

Barbara Seubert
(erschienen in Ausgabe 35, November 2017)

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