Innere Ressourcen finden und stärken

Innere Bilder können Entspannungszustände hervorrufen Innere Bilder können Entspannungszustände hervorrufen
© fotolia / Patrizia Tilly

Menschliche Vorstellungskraft kann therapeutisch genutzt werden

Imagination (innere Bilder) ist eine natürliche Fähigkeit des Menschen. Wenn sie geschult wird, kann sie eine wichtige Ressource sein. Diese kann neue Räume erschliessen und den Menschen ermöglichen, ihre Vorstellung von der Welt, von Situationen und von sich selbst zu verändern.

Die heutige Zeit wird von vielen Menschen als hektisch, stressig, laut, überladen und anstrengend empfunden. Umso wichtiger ist es, sich immer wieder auf sich selbst zu besinnen, wahrzunehmen, was einem gut tut, was man braucht – ein achtsamer Umgang mit sich selbst, um Ruhe wieder zu erlangen, Freiräume zu schaffen, Kraft zu tanken, Möglichkeiten der Regeneration zu finden und sich wieder in Balance bringen. Jeder Mensch kann da für sich das Passende finden. Für manche ist es einfach Zeit, die Seele baumeln zu lassen oder sich zu bewegen: Spazierengehen, Tanzen, Sport, in die Natur gehen, oder Meditation zu betreiben und andere erfüllende Tätigkeiten.

Eine weitere Möglichkeit für sich im Alltag wieder in die Ruhe und in die Kraft zu kommen, Zugang zu Entspannung zu finden und vieles mehr, ist die Imagination. In diesen inneren Bildern, welche aus einem Bild (welches sich durchaus wandeln kann) oder einer Bilderabfolge (wie ein Film) bestehen kann, hat man nun z. B. die Möglichkeit, das zu sehen, was einem gut tut. Die Begehung eines sicheren Ortes oder Wohlfühlortes kann Entspannungszustände hervorrufen, Erleichterung, Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, Stärkung und ein gewisses Wohlbefinden geben. Genau so ist es möglich, Zugang zu Gefühlen wieder zu erlangen oder zu etablieren (z. B. Gefühle von Mut und Kraft, Tatkraft, Geborgenheit, Liebe). In der aktiven Imagination ist es auch möglich, sich mit schwierigen Emotionen auseinanderzusetzen, psychische Veränderungs- und Entwicklungsprozesse in Gang zu setzen.

Auch in der Neurobiologie hat man längst herausgefunden, dass das Gehirn in Bildern denkt und speichert. (Gerald Hüther: Die Macht der Inneren Bilder – wie Visionen den Menschen und die Welt verändern). Imaginationen mit therapeutischer Begleitung sind z. B. mit der Methode Kathatym-imaginative Psychotherapie möglich. Es handelt sich um eine jahrelang erforschte und in ihrer Wirkkraft wissenschaftlich belegte Methode, bei welcher mit inneren Bildern auf Symbolebene gearbeitet wird. Dies geschieht sanft und wird u. a. eingesetzt zum Nachreifen der Persönlichkeit, zum Abbau von Ängsten und Blockaden, für Entspannung, zur Ich-Stärkung u. v. m. Sie wird von Ärzten, Psychotherapeuten und Heilpraktikern angewandt. Durch Forschungen wurde belegt, dass das, was man in seinem Inneren als Bilder sieht und wahrnimmt, für den eigenen Körper ein Erleben darstellt wie in der Realität. So reagiert z.B. der Körper bei dem Bild und der Vorstellung einer Zitrone mit vermehrter Speichelproduktion und Zusammenziehen des Mundraumes.

Nun ist es möglich, nicht nur mit stärkenden Bildern zu arbeiten, sondern es gibt auch die Möglichkeit der Auseinandersetzung und Bewältigung schwieriger Situationen. Die damit verbundenen Erfahrungen und Erlebnisse in der Imagination können Wandlungsschritte bewirken und haben beruhigende, seelisch entlastende Wirkung. Der Körper kann sich entspannen und gelangt zur Ruhe. Tiefliegende emotionale Bedürfnisse können bei der Arbeit mit inneren Bildern befriedigt werden. Frühe Störungen, traumatische Erlebnisse, Trauerreaktionen und andere Störungen können mit dieser Methode bearbeitet werden.

Das Verfahren ist für jedermann geeignet, auch für Kinder und Jugendliche.    

Daniela Weigle
(erschienen in Ausgabe 34, Juli 2017)

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