Angst hat viele Gesichter

Manchmal sind Angstzustände gesunde Reaktionen des Körpers Manchmal sind Angstzustände gesunde Reaktionen des Körpers
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Durch Lösen von Angstblockaden wird das Leben leichter

Angst ist eine Krankheit der heutigen Zeit geworden. Millionen von Menschen leiden unter verschiedenen Ängsten, im schlimmsten Falle sogar unter Panikattacken. Viele Menschen können es nicht glauben, dass Ängste „nur“ ein Gefühl sind. Sie lieben die Gefühle der Liebe, Freude usw. Doch bei den Gefühlen der Angst, Wut und des Ärgers sind sie Helden des Verdrängens.

Angst ist ein Gefühl, das evolutionsbedingt wichtig ist, wenn sich der Mensch in Gefahr begibt. Dadurch versetzt sich der Körper blitzschnell und automatisch in einen Zustand angespannter Aufmerksamkeit, Herz und Atem werden schneller, die Muskeln werden angespannt und der Blutdruck steigt. Der Körper mobilisiert sozusagen alle Kräfte für den Kampf oder die Flucht. Es geht ums Überleben. Der Mensch ist psychisch und körperlich auf die Gefahr vorbereitet. Gäbe es hier das Gefühl der Angst nicht, wäre der Mensch gefährlichen Lebenssituationen ausgeliefert und unfähig, schnell darauf zu reagieren. In diesen Fällen sind Angstzustände gesunde Reaktionen des Körpers, die vor akuten Gefahren schützen. 

Doch in der modernen Zeit haben sich noch viele „ungesunde“ Ängste im Menschen etabliert. Diese beziehen sich auf eine ganz andere Ebene, wie z.B. Angst vor Krankheiten, vor Ablehnung, vor dem Verlassen werden, vor dem Alleinsein, vor Fehlern, nicht gut genug zu sein, Versagensängste und vieles mehr. Dies schränkt die Lebensqualität ein, Ohnmachtsgefühle dem Leben gegenüber machen sich breit, und der Mensch fühlt sich in seinen Angstzuständen gefangen. Das Vertrauen zur Außenwelt und der gesunde Kontakt zu den Mitmenschen wird oft unterbrochen. Die Folgen führen zu Stress, Depressionen, Burnout und chronischen Krankheiten, weil der Körper unter ständiger Anspannung und Alarmbereitschaft vor „vermeintlichen Gefahren“ ist. Hinter jeder Stresssituation befindet sich immer die Angst. Diese „ungesunden“ Ängste entstehen schon in der Kindheit durch Prägungen der Eltern, durch Mitmenschen, durch eigene Lebenserfahrungen wie Traumata usw.. Auslöser können manchmal kleinste Ereignisse in der Kindheit sein, wie z.B: eine kurze Abwesenheit der Mutter, Verlust eines Lieblingstieres usw.

Viele Glaubenssätze, wie z.B „es gibt keinen Grund, Angst zu haben“ oder „stell dich nicht so an“ oder „du darfst keine Angst haben“ sind sogar schon in den Zellen der Menschen gespeichert. Durch solche Glaubenssätze lernt man, daß Angst nicht richtig sei oder nicht sein darf und beginnt, das Gefühl der Angst zu verdrängen. Ein innerer Kampf mit dem Gefühl der Angst findet so laufend statt. Der Verstand ist ständig am Suchen nach irgendwelchen Lösungsmöglichkeiten im Aussen, sei es durch Begleitpersonen“ falls was passiert, durch Überspielen der Ängste, sich abzulenken usw., doch das ist ein großer Irrtum. Die Ängste befinden sich im Inneren, und lassen sich auch nur darin selbst lösen. Der wichtigste Schritt zu dieser Auflösung ist, die Angst anzunehmen. Durch Beobachten der Gedanken und einer achtsamem Körperwahrnehmung zeigt der Körper den Sitz der Angst: man spürt Verspannungen in Nacken, Brust, Wirbelsäule, Schultern usw., eventuell verbunden mit Schwitzen, innerer Unruhe oder einer ständigen Flucht vor sich selbst. 

Durch gezielte Übungen, die Angst – verbunden mit der verknüpften Körperstelle – wieder fühlen zu lernen und sie anzunehmen als einen Teil des „Ich“, beginnt das Gefühl der Angst im Körper wieder natürlich zu fliessen und man kann sie so auflösen. Durch das Lösen dieser Angstblockaden wird das Leben wieder leichter und führt Stück für Stück in die Freiheit und zur Lebensfreude zurück. Die Angst wird einem immer begegnen – aber nicht mehr beherrschen.

Marianne Prams
(erschienen in Ausgabe 34, Juli 2017)

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