Gespräche und Emotionen

Bei der Kommunikation zwischen Männern und Frauen kann es zu Missverständnissen kommen Bei der Kommunikation zwischen Männern und Frauen kann es zu Missverständnissen kommen
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Konflikt- und gewaltfreie Kommunikation zwischen Mann und Frau

Der Mensch wird nicht nur als Mensch geboren, sondern auch als Mann oder Frau. Viele Konflikte und Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Männern und Frauen haben ihre Ursachen in unterschiedlichen Konditionierungen durch Eltern und Gesellschaft. Hormone spielen eine wesentliche Rolle, ob sich eher maskuline oder feminine Wesensanteile entwickeln. 

Einen hauptsächlichen Anteil des Gesprächsverhaltens zeigt sich in der Folge durch eine Gehirnhälften-Dominanz. Besteht eine Dominanz der linken Gehirnhälfte, verhält sich der Mensch zielstrebig, strukturiert, rational ausgerichtet im Sprechen wie im Handeln. Dieser Mensch zeigt so gut wie keine Gefühle und kann sie auch bei anderen nicht nachvollziehen. 

Diejenigen, deren Dominanz in der rechten Gehirnhälfte liegt, sind in der Gefühlsebene zu Hause. Kreative Prozesse, musische Veranlagungen wie Singen, Tanzen oder Musizieren fallen leichter. Intuition und Vorahnungen sind ausgeprägter. Über das Corpus callosum sind beide Gehirnhälften verbunden, doch bei einer konditionierten einseitigen Dominanz ist der Austausch gestört. In der Schule, Ausbildung und im Berufsleben ist hauptsächlich die linke Gehirnhälfte gefragt und wird entsprechend gefördert. 

Schon für kleine Jungs geht es darum, als Bester, Schnellster und als Gewinner hervorzugehen. Sie sprechen eher sachbezogen, Gefühle werden vermieden, denn das würde Schwäche bedeuten. Die typisch männlichen Ausdrucksweisen sind geprägt von einer Art Berichtssprache, sie dient zum Informationsaustausch und der Selbstdarstellung. Es wird wenig private Info ausgetauscht. Für Mädchen dreht sich vieles ums Dazugehören, dabei sein ist wichtiger als gewinnen. Mädchen neigen zu einer Bindungs- und Intimsprache, deren Inhalt Gefühle ausdrückt, auch indirekte Wunschäußerungen sind typisch. Frauen möchten Nähe herstellen und haben indirekte Absichten, die Beziehung zu stärken, es wird viel Wert auf gemeinsame Ziele gelegt. 

Diese Ausführungen zeigen das typisch konditionierte Verhalten von Mädchen und Knaben, und später eben von Frauen und Männern. Dies kann je nach Konditionierung und hormoneller Konstitution auch variieren oder sich umgekehrt äußern. 

Männer können in Gesprächen mit Gefühlen nicht gut umgehen, das haben sie nicht gelernt. Für Frauen ist es aber wichtig, über Gefühle zu reden, um Nähe herzustellen. Sie verstehen wiederum nicht, warum es dem Mann so schwer fällt, darüber zu reden, sie fühlen sich dann oft ausgegrenzt und unverstanden. Männer hingegen fühlen sich unter Druck gesetzt und in die Enge getrieben. Missverständnisse beruhen darauf, dass einem der eigene Gesprächsstil nicht bewusst ist, man bemerkt es nicht und ärgert sich darüber, dass der andere nicht nach denselben Regeln verfährt.  

In jedem Dialog, ob mit Partnern, Eltern, Kindern, Freunden oder im Berufsleben, beeinflussen zudem unbewusste Emotionen den Sprechenden und den Gesprächspartner.  Durchschaut man die dahinterliegenden Dynamiken jeglicher Kommunikation, kann sich der Umgang mit Gesprächpartnern auf positive und konstruktive Weise ändern. Es gibt Trainings um diese dahinterliegenden Dynamiken zu verstehen und auch, um die Verbindung zwischen beiden Gehirnhälften wieder her zu stellen. 

Wenn beide Gehirnhälften optimal zusammenarbeiten, eröffnet sich für den Menschen ein ganzheitlicheres Potenzial seiner Möglichkeiten. Und der zuvor scheinbar unüberbrückbare Konflikt in der Kommunikation zwischen Mann und Frau löst sich auf in gegenseitigem Verstehen und fruchtbarem Austausch. 

Barbara Moser
(erschienen in Ausgabe 34, Juli 2017)

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