Selbstfürsorge für Mütter

Das Muttersein so unkompliziert und glückbringend wie möglich gestalten Das Muttersein so unkompliziert und glückbringend wie möglich gestalten
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Kleine Veränderungen können Wichtiges bewegen

Die Fähigkeit, die mit dem Muttersein einhergeht, Bedürfnisse eines anderen Menschen, aus einer so großen Liebe heraus, bewusst über die eigenen zu stellen, kann eine zutiefst transformierende und erfüllende Erfahrung sein. Wer in dieser Tiefe aber nur für andere und nicht für sich selbst gut sorgt, wird über kurz oder lang seine inneren Kraftreserven erschöpfen und sich leer und ausgehungert fühlen.

Das mütterliche Prinzip der Hingabe braucht ein nährendes Feld, damit Mütter im Stande sind, aus der Fülle zu schöpfen. Dieses Feld der Wertschätzung und Unterstützung, das Mütter trägt, damit sie optimal für ihre Kinder und sich selbst sorgen können, ist immer noch viel zu schwach. Es ist keine Frage, dass es hier noch großer Veränderungen im Außen bedarf. Und der erste Schritt in diese Richtung ist es, sich selbst als Mutter wirklich wertzuschätzen, und sich Unterstützung zuzugestehen. Mütter leisten tagtäglich Unglaubliches, aber Anerkennung ist gering, die überhöhten Ansprüche an sich selbst und von außen sind enorm. Es wundert nicht, dass sich die Zahl der Mütter mit Burnout in den den letzten Jahren fast verdoppelt hat. Es geht wohl kein Weg daran vorbei: man muss sich als Mutter ganz bewusst um sich selbst kümmern. Und ausschlaggebend ist hier vor allem, wie eine Mutter mit sich selbst umgeht, sich wertschätzt und ihren Bedürfnissen zuwendet – auch wenn die Situation es im Moment gar nicht zulässt, diese zu erfüllen. 

Liebevolle Selbstfürsorge übt man, indem man regelmäßig innehält, Kontakt aufnimmt zu sich und mit einem freundlichen Blick auf sich selbst und die Situation schaut. In neugierigem Gewahrsein wahrnehmen, welche Gefühle und Gedanken da sind. Wie fühlt sich der Körper an? Was könnte man brauchen, um sich noch besser zu fühlen? Und wie könnte es noch angenehmer und schöner sein gerade hier in dieser Moment? Das können ganz kleine Veränderungen sein, die schon Wichtiges bewirken.

Vielleicht könnte es bequemer sein durch ein Kissen oder eine veränderte Körperhaltung. In einem schwierigen Moment könnte man sich fragen, wie jetzt eine liebe Freundin zu einem sprechen würde. Was würde sie sagen? Und ist es auch möglich, sich in dieser Form selbst Zuwendung zukommen zu lassen? Es gilt, die eigenen Bedürfnisse anzuerkennen und liebevoll so gut zu beantworten, wie es die Situation gerade zulässt.

Sorgearbeit für sich heißt auch aktiv sein Leben einfacher und glücklicher zu gestalten, für Freiräume und Entlastung zu sorgen. Es lohnt sich, auf folgende Fragen Antworten zu finden, und sie dann Schritt für Schritt im Alltag umzusetzen. Manchmal ist das wirklich nicht einfach – dann ist es ein Zeichen der Selbstfürsorge sich hier von einem Therapeuten oder Coach begleiten zu lassen:

Wo liegen eigene Kraftquellen und wie sind sie in den derzeitigen Familienalltag einzubauen? Welche Beschäftigungen und Interessen nähren und stärken?

Welche Werte tragen die Familie? Gibt es eine Vision, auf die man sein Leben ausrichtet?

Wie kann der Glücksmuskel durch Dankbarkeit, Mut und Achtsamkeit trainiert werden? 

Wie kann der Familienalltag sinnvoller und effektiver gestaltet  werden? Wie kann gelernt werden mit Stress umzugehen?

Wo liegen die eigenen Grenzen und wer hilft? Partner, Familie, Freunde, Institutionen, Therapeuten, Coaching, Haushaltshilfen, Mütterpflegerinnen?

Fürsorge für sich selbst als Mutter zu praktizieren, heißt sich so anzunehmen und anzuerkennen wie man ist: einzigartig – mitsamt allen Eigenheiten, Unperfektheiten, pädagogischen und anderen  Missgeschicken. Es bedeutet sich selbst und dem, was einem im turbulenten Familienalltag begegnet, mitfühlend zuzuwenden. Und liebevoll dafür zu sorgen, sein Muttersein eigenverantwortlich so erfüllend, unkompliziert und glückbringend wie irgend möglich zu gestalten.  

Julia Sander
(erschienen in Ausgabe 34, Juli 2017)

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