Auf den Spuren der Angst

Durch Angst wird rationales Denken eingeschränkt Durch Angst wird rationales Denken eingeschränkt
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Potentiale entfalten und in der Wahrnehmung Raum für Positives schaffen

Das Gefühl der Angst ist wie eine dunkle, lähmende Macht, die sich in die Betroffenen einnistet. Das rationale Denken wird eingeschränkt, wenn die Angst aufkeimt und von der hemmenden Furcht vor der Angst selbst und dem beklemmenden Gefühl von Panik unterstützt wird. 

Der Gedanke an ungeliebte Unterrichtsfächer, Prüfungen oder dem Halten von Vorträgen beeinflusst die Produktivität. Organisatorische Herausforderungen, Wettkampfgedanken, die Angst davor, schlechter als andere oder den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, selbst die Termine beim Zahnarzt, beeinflussen die Gefühle. Der Körper reagiert darauf mit Schweißausbrüchen, versagender Stimme oder der Unfähigkeit, klare Gedanken zu fassen. Wissen ist nicht mehr abrufbar und Angst schiebt sich wie ein Brett vor den Kopf. Das Herz beginnt zu rasen und die Konzentration wird beeinträchtigt. Man ist davon überzeugt, dass man versagen wird. Die Überwindung scheint zu groß und die Leistungsfähigkeit wird blockiert. Binnen Sekunden rutscht man in eine emotionale Dekompensation. Der Geist ist willig, doch er schwächt den Körper durch weitere Ausschüttung von Stresshormonen, aufgrund von Selbstvorwürfen und dem überflüssigen Vergleich mit anderen.

Alles was man erlebt, hinterlässt Spuren im Gehirn. Ängste entstehen oftmals nur dann, wenn das Gehirn ein spezifisches Erlebnis als schlechte Erfahrung ablegt. Es lernt, unangenehme, prägende Ereignisse mit einer Bedrohung gleichzusetzen und darauf mit irrationaler Angst zu reagieren. Diese meist erfolgreich verdrängten „negativen Erlebnisse“ liegen so lange im Inneren verborgen, bis sie schließlich in den ungünstigsten Momenten blitzschnell zuschlagen. 

Die Spirale der Angst gräbt sich tiefer in den Geist und man schottet die Gedankenwelt ab, indem man erlernte Stresssituationen vermeidet. Das kann sogar dazu führen, dass der Alltag von Angstfaktoren so weit bestimmt wird, dass soziale Interaktionen gemieden werden, damit niemand von der Lage Wind bekommt. 

Man hindert sich somit selbst am Weiterkommen und lebt weit hinter den Möglichkeiten. Man verfängt sich in einer emotionalen Dornenhecke und manövriert sich immer weiter in das Gestrüpp aus Angst hinein, indem man sich immer mehr auf Einschränkungen konzentriert, bis diese schließlich das Leben bestimmen. Die Ursache liegt hingegen in den Bedürfnissen nach Aufmerksamkeit, dem Wunsch wahrgenommen zu werden und der Selbstsicherheit, genau das auszustrahlen.

Man sucht nach Nähe, nach Authentizität und einem ausgeprägtem Selbstwertgefühl. 

Bei der Grabung nach dem individuellen Stressauslöser hinter einem Erlebnis führt der Weg ins Unterbewusste. Es gilt, das hinter dem negativen Gefühl stehende Bedürfnis aufzuspüren und zu stillen, um der Wahrnehmung Raum für Positives zu schaffen. Der eigene Handlungsraum kann in der Vorstellung erweitert werden, um in den Tiefen des Bewusstseins negative Erfahrungen mit positiven zu überschreiben. So können sich Entschlusskraft, Kreativität und Tatendrang wieder entfalten. Lähmende Stressmomente schleichen wieder am Alarmsystem des Gehirns vorbei. 

Man wird offener dafür, die eigenen Potentiale zu entfalten, die innere Stärke zu spüren und dadurch die Lebensqualität zu steigern. Selbstvertrauen und Zuversicht wachsen und man ist für etwaigen Erfolg breiter aufgestellt. 

Die neu- oder zurückgewonnene Einstellung dringt quasi in den Körper ein und korrigiert die verzerrte physische und mentale Haltung.

Wenn man diese neue Einstellung so weit verinnerlicht, dass sie Denken und Körper bestimmt, kann man die eigene Wirklichkeit beeinflussen. Denn wenn sich das Denken verändert, verändert sich auch die Realität.                    

Inge Anwander
(erschienen in Ausgabe 33, März 2017)

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