Psychotherapie in Hypnose

Die Methode führt zurück bis in den Mutterleib Die Methode führt zurück bis in den Mutterleib
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Mit analytischen Behandlungsformen Fehlentwicklungen aus der Vergangenheit überwinden

Die Hypno-Integrative Tiefenpsychologische Therapie, (H.I.T.T.), eine seit 2001 anerkannte Methode, bei der im Hypnosezustand tiefenpsychologisch, integrativ und analytisch mit Patienten gearbeitet wird, wurde 1975 von Werner J. Meinhold entwickelt. 

Erkenntnisse aus der Neurobiologie bestätigen, dass sich körperliche und psychische Zustände beim Menschen wechselseitig bedingen. Insofern könnte die Therapiemethode der Schlüssel zu individuellen Schmerzzuständen und körperlichen oder seelischen Problemen sein. 

In der analytischen Hypnose werden mehrere Ebenen des Menschen berührt: die rationale, die emotionale und die spirituelle. Dadurch eröffnen sich grundlegende Einsichten in Krankheitszusammenhänge, die sonst unzugänglich bleiben und daher ein Hindernis für Gesundung und Heilung darstellen können. Anders als bei suggestiven Therapieverfahren wird hierbei die Integration zuvor verdrängter Persönlichkeitsanteile gefördert. Der freie Wille und das Bewusstsein bleiben erhalten, ebenso die Erinnerung.

Man unterscheidet zwei analytische Therapieformen, bei denen „H.I.T.T.“ angewendet wird: Liegt bei einem Patienten mit sonst guter Lebensbewältigung ein bestimmtes Problem vor, ist die „Fokalanalyse“ die Therapie der Wahl. Hier konzentrieren sich Therapeut und Patient auf das zuvor ermittelte Problem selbst. In der „Lebensanalyse“ durchlebt der Patient gefühlsmäßig noch einmal all seine Entwicklungsphasen – begleitet durch den Therapeuten. So entwickelt sich ein sanftes Öffnen hin zu den unbewussten Teilen und ein Heranspüren an neue Möglichkeiten des Erlebens. Die therapeutische Hypnose ist ein natürlicher Bewusstseinszustand. Die tiefen Seelenschichten, welche Gefühle und Organsteuerung beeinflussen, werden erreicht. Sie waren während der frühkindlichen Prägung ebenfalls aktiviert. Zuvor gebundene Energien stehen dem Menschen nach erfolgreicher Behandlung wieder für seine Lebensbewältigung zur Verfügung. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Kindheit bis ca. zum 6. Lebensjahr im hypnotischen Bewusstseinszustand verläuft. Deswegen ist „H.I.T.T“ eine Therapiemethode, die tatsächlich ein Hinkommen an diesen Zeitraum ermöglicht. Früh unbewusst angelegte Strategien können aufgedeckt und bewusst mit einer, der jetzigen Lebenszeit und dem tatsächlichen Lebensalter adäquaten, Strategie ersetzt werden. Außerdem ist dadurch eine Integration der Anteile des Selbst möglich, die aus lauter Hilflosigkeit ins Unbewusste abgeschobenen wurden und dort unbemerkt wirken. Das Verfahren nutzt den tiefenentspannten (hypnotischen) Zustand, um Konfliktsituationen aufzudecken und zu verarbeiten. Die Methode führt entlang der individuellen Lebensgeschichte zurück bis in den Mutterleib. 

Von der tiefenpsychologischen Forschung ist nachgewiesen worden, dass die frühkindliche, seelische Entwicklung beim Menschen in Abschnitten, so genannten Phasen, abläuft. Jede Phase hat ihren inhaltlichen Schwerpunkt, dessen Bewältigung das weitere Leben prägend beeinflusst. Die Phasen gehen zeitlich ineinander über und haben zu einem bestimmten Lebenszeitpunkt ihren Wirkungshöhepunkt. Beispielhaft seien hier die „Symbiotische Phase“ im Mutterleib, die „Orale Phase” (auch aufnehmende, sinnliche Phase) bis etwa 21. Monat und die „Beziehungsphase” (beginnend im 3. Lebensjahr, Höhepunkt im 4.-6. Lebensjahr und abklingend bei Mädchen bis zum 9., bei Jungen bis zum 12. Lebensjahr) genannt. Auch im späteren Leben wiederholen sich Inhalte der Phasen. 

Fehlentwicklungen, Traumata und Defizite aus der Vergangenheit können durch „H.I.T.T.“ aufgedeckt, überwunden und in das jetzige Leben integriert werden. Schmerzhafte Situationen müssen sich nicht mehr wiederholen und Freude und Erfüllung kommen in das Leben zurück.        

Barbara Seubert
(erschienen in Ausgabe 33, März 2017)

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