Hashimoto – und was nun?

Ein durchlässiger Darm überlastet das Immunsystem Ein durchlässiger Darm überlastet das Immunsystem
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Fehlgesteuertes Immunsystem kann positiv beeinflusst werden

Hashimoto ist eine der am häufigsten vorkommenden Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt. Von dieser Schilddrüsenerkrankung sind Frauen zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Hashimoto tritt häufig bei hormonellen Umstellungen auf, z. B. in der Pubertät, bei der Entbindung, in den Wechseljahren und unter großen Belastungssituationen.  

Auch bei Hashimoto neigt paradoxerweise das menschliche Immunsystem dazu, den eigenen Organismus zu schädigen. Der fehlgeleitete Immunprozess zerstört im Laufe der Erkrankung die Schilddrüse und dies führt fast immer zu einer Schilddrüsenunterfunktion. 

Die Ursache dieser Erkrankung ist nicht die Schilddrüse, sondern ein fehlgesteuertes Immunsystem. Damit eine Autoimmunität entsteht, bedarf es einer ganzen Reihe von passenden Ereignissen, die zu einer Verkettung unglücklicher Umstände führen. Die Zellen der Schilddrüse werden durch einen Auslöser wie Jod, Fluor, Toxine, Umwelteinflüsse, eine Virusinfektion oder Ähnliches geschädigt. Nun setzen die geschädigten Zellen ein Stresssignal an die Immunzellen, diese versuchen die Schilddrüse vor den Angreifern zu schützen, aber stattdessen greifen die Immunzellen die Schilddrüse selber an.

Bei vielen Untersuchungen von verschiedenen Autoimmunerkrankungen wurde festgestellt, dass drei Faktoren zusammenkommen müssen, damit es letztlich zu einer solchen Erkrankung kommen kann: 1. eine oder mehrere der oben genannten Auslöser, 2. die erbliche Veranlagung und 3. ein durchlässiger Darm ein sogenanntes Leaky-Gut-Syndrom. Die Schilddrüse produziert, speichert und verteilt lebenswichtige Hormone. Diese Hormone beeinflussen u. a. unser Herz, den Kreislauf, den Magen-Darm-Trakt, den Stoffwechsel, das Nervensystem und die Psyche. Hashimoto ist daher eine sehr komplexe Erkrankung, die den ganzen Körper in Mitleidenschaft zieht und somit auch ein vielschichtiges Beschwerdebild aufweist, wie z. B. Säurereflux, Müdigkeit, Depression, schlechten Schlaf, Verstopfung, Haarausfall, Augentrockenheit, Gewichtszunahme und eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms. Deshalb kann die chronische Überlastung eines Immunsystems auch zu einer Nebennierenschwäche, zu Entzündungsherden sowie einer Störung der Schilddrüsenhormonbildung und -freisetzung führen.

Somit liegt es auf der Hand, dass bei einem so komplexen Krankheitsbild auch ein breit gefächerter Behandlungsansatz notwendig ist: 1. das Herausfinden der Stoffe, die dem Körper schaden, 2. ungeeignete Nahrungsmittel meiden und 3. die Wiederherstellung einer gesunden Darmbarriere, weil eine erhöhte Darmdurchlässigkeit eine wesentliche Ursache für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen ist. 

Da eine schlechte Verdauung die Wurzel allen Übels ist, wird vor allem Menschen mit einer Autoimmunerkrankung empfohlen, dem gesamten Verdauungstrakt mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ein durchlässiger Darm führt immer zur Überlastung des Immunsystems und kann dadurch auch allergische Reaktionen auslösen. Liegen Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall und Übelkeit vor, sind dies oft schon Folgen einer bereits stark geschädigten Darmschleimhaut.

Die Wiederherstellung einer gesunden Darmflora durch eine gezielte Ernährung und die Ansiedlung von „guten“ Bakterien in der richtigen Qualität und Quantität kann nachweislich Entzündungen und Autoimmunprozesse eindämmen. Um festzustellen, ob eine Darmdurchlässigkeit vorliegt, werden Stuhlfloraanalysen herangezogen. Der Befund deckt die Störung im Darm auf und einer gezielten Therapie mit einer erfolgversprechenden Behandlung steht nun nichts mehr im Wege.

Marion Dandl
(erschienen in Ausgabe 33, März 2017)

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